Zuhause statt in der Schule testen

Lehrer im Kreis plädieren bei den geplanten Corona-Tests für niedersächsisches Modell

Schüler sollen sich selbst testen: Nach dem Willen des hessischen Kultusministeriums finden Corona-Selbsttests nach den Osterferien in den Schulen statt, entsprechend auch in der Johannisberg-Schule Witzenhausen.
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Schüler sollen sich selbst testen: Nach dem Willen des hessischen Kultusministeriums finden Corona-Selbsttests nach den Osterferien in den Schulen statt, entsprechend auch in der Johannisberg-Schule Witzenhausen.

Die geplanten Corona-Test bei Schülern, die nach den Osterferien an hessisch Schulen starten sollen, sorgen für Aufregung.

Gegen die direkt nach den Osterferien am Montag, 19. April, startende Corona-Testung der Schüler in der geplanten Form in den hessischen Schulen hat sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Kreisverband Werra-Meißner, ausgesprochen. Stattdessen empfiehlt die Interessenvertretung der Lehrkräfte, dass die Schüler – wie in Niedersachsen – vor dem Schulbesuch zuhause getestet werden.

Dies fordert der GEW-Kreisvorstand in einem offenen Brief auch von Hessens Kultusminister Lorz (CDU), nach kurz vor Ostern zahlreiche Beschwerden von Lehrkräften aus allen Schulformen in Bezug auf mögliche weitere Öffnungsschritte, insbesondere aber zur Teststrategie nach den Ferien die Gewerkschaft erreicht hätten.

Die geplante Antigen-Testung der Schüler in der Schule unter Aufsicht führe zu einer zusätzlichen Belastung und gesundheitlichen Gefährdung von Lehrkräften, sagt GEW-Kreisvorsitzender Richard Maydorn. Dies könne vermieden werden durch die in Niedersachsen angewandte Strategie.

Im Nachbarbundesland wird laut GEW eine verbindliche Testpflicht für die Schüler eingeführt, wozu die Kinder vor den Ferien bereits einen Test mit nach Hause bekamen. Sie sollen nun in die Schule gehen mit einer schriftlichen Bestätigung, dass der Test vorgenommen wurde und negativ ist. Ansonsten müssten sie zuhause bleiben. Bei dieser Regelung fielen Arbeitsschutz- und Hygienemaßnahmen in der Schule weg und die Lehrkräfte könnten sich, so Maydorn, „mehr auf den immer kostbarer gewordenen Unterricht konzentrieren“.

Trotz der anderslautenden Empfehlungen hält das Kultusministerium an seinen Plänen fest. Die Schüler sollen mit der Anleitung durch die Lehrer nicht nur lernen, die Testung selbst und richtig zu machen, sondern zugleich, wie wichtig das Testen sei, sagte stellvertretender Pressesprecher Philipp Bender auf Anfrage. Es sei aber nicht ausgeschlossen, später „das Verfahren zu ändern“ und auf Selbsttestung zuhause umzustellen. Wegen logistischer Probleme sei das derzeit aber auch noch nicht möglich.

Teilnahme an Selbsttests ist freiwillig

Die Teilnahme an den Corona-Selbsttests in den Schulen ist kostenfrei und freiwillig. Das hat das Hessische Kultusministerium erklärt. Das Testangebot könne an den Tagen wahrgenommen werden, an denen die Schüler in Präsenz an ihrer Schule unterrichtet werden. Entschieden sich Eltern gegen eine Teilnahme an den Tests, habe dies „keine negativen Konsequenzen“. Die Teilnahme am Präsenzunterricht sei auch für die nicht getesteten Schüler weiterhin möglich.

Lehrer sehen mehrere Knackpunkte

Kritik an den Plänen des Hessischen Kultusministeriums, wonach nach den Osterferien Antigen-Tests an den Schulen erfolgen sollen, hat auch der Verband Bildung und Erziehung in Hessen (VBE) geäußert.

Die Lehrkräfte dürften für Tests an den Kindern und Jugendlichen nicht in die Pflicht genommen werden, sagt VBE-Landesvorsitzender Stefan Wesselmann einer Pressemitteilung seines Verbandes zufolge. Er spricht sich dagegen aus, dass Lehrer Tests ausgeben, beim Testen anleiten, die Tests wieder einsammeln, überprüfen und dann entscheiden, wer am Unterricht teilnehmen darf und wer nicht.

Der GEW-Kreisvorstand Werra-Meißner weist in seinem offenen Brief an Kultusminister Alexander Lorz darauf hin, dass es nicht zu den Pflichten der Lehrer gehöre, „Schüler bei der Testdurchführung anzuleiten oder Hilfestellung zu geben“.

Ebenso obliege es Schulleitungen nicht, solche Tests an Schulen durchzuführen, Test-Kits umzupacken oder die Test-Durchführungen an der Schule zu organisieren, so Kreisvorsitzender Richard Maydorn. Und VBE-Landeschef Wesselmann fordert: „Die Schulen brauchen Unterstützung durch medizinisches Fachpersonal.“

Den Schulen sollen Testpaten vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) an die Seite gestellt werden, damit die Schüler üben und Erfahrung sammeln können, wie man die Testung richtig vornimmt, erklärte Philipp Bender, stellvertretender Pressesprecher des Kultusministeriums. Für diese Idee gebe es eine vom DRK zugesagte Kooperation. Für den Verband Bildung und Erziehung ist es nach den Worten Wesselmanns aber „schwer vorstellbar, dass das DRK die Schulen in Hessen flächendeckend mit so vielen Paten versorgen kann, dass in allen Klassen nach den sehr genauen Vorgaben des Kultusministeriums getestet werden kann“.

Der VBE als auch die GEW sehen außerdem bei der jetzigen hessischen Teststrategie in den Schulen Probleme im Falle positiver Testergebnisse auf die Schulen und Lehrer zukommen.

Denn die Schüler sollen dann aus dem Klassenraum begleitet und so lange betreut werden, bis sie aus der Schule abgeholt werden. Zudem könnten in der Schule positiv getestete Schüler stigmatisiert und traumatisiert werden, da die ganze Klasse dies ja mitbekomme, wird als weiteres Argument gegen das Testen in der Schule angeführt.

DRK-Kreisverbände wollen Schulen unterstützen

Die DRK-Kreisverbände Eschwege und Witzenhausen bemühen sich, „im Rahmen ihrer Möglichkeiten“ die Schulen zu unterstützen, so wird von beiden Verbänden versichert.

„Wir arbeiten auch bereits an Konzepten und Lösungsmöglichkeiten“, sagt auf Anfrage Wolfgang Frühauf, stellvertretender Kreisvorsitzender des DRK Witzenhausen. Er spricht angesichts der Tätigkeiten im Covid-19-Impfzentrum, in den unterschiedlichen Corona-Teststellen und anderen Verpflichtungen von einer „großen Herausforderung“. Das Engagement des DRK in den Teststellen soll nicht eingeschränkt werden, so Frühauf, da „die Nachfrage sehr groß ist“.

Der Betrieb von DRK-Teststellen für die kostenlosen Corona-Bürgertests im Landkreis werde derzeit sogar ständig erweitert, teilt Thomas Wuth, Kreisgeschäftsführer des DRK Eschwege, mit.

Um die patenschaftliche Begleitung einer Einführung von Antigenschnelltests zur Selbstanwendung an den Schulen sicherzustellen, überlegt man laut Wuth, dass ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter des DRK als fachkundige Paten in der Anfangsphase als Ansprechpartner bei Fragen und Unsicherheiten in der Testanwendung zur Verfügung stehen.

Eine Lösung soll laut der DRK-Vertreter nächste Woche in einer gemeinsamen Besprechung mit allen Schulleitungen und dem Schulamt gefunden werden.

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