Lilith Schmidt-Gebhardt plant neues Angebot für 20 Kinder

Lehrerin will Hofschule als inkluisve Grundschule in Oberrieden gründen

Entsteht hier bald neue Grundschule? Das ehemalige Pfarrhaus in Oberrieden wäre ein möglicher Standort der Hofschule: Lilith Anja Schmidt-Gebhardt würde die Immobilie gerne mieten.
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Entsteht hier bald neue Grundschule? Das ehemalige Pfarrhaus in Oberrieden wäre ein möglicher Standort der Hofschule: Lilith Anja Schmidt-Gebhardt würde die Immobilie gerne mieten.

Eine Hofschule für 20 Grundschulkinder will die Agraringenieurin und Waldorf-Lehrerin Lilith Anja Schmidt-Gebhardt in Oberrieden gründen. Mit einem Kreis von zehn Mitstreitern, größtenteils Eltern, bereitet sie seit Mai die Eröffnung im Jahr 2022 vor.

Oberrieden - „An der Handlungspädagogik von Dr. Peter Guttenhöfer orientiert sich das Konzept, das ich seit mehr als zehn Jahren in zahlreichen Projekten umsetze“, berichtet Schmidt-Gebhardt. Die Idee: Kinder arbeiten mit Bauern und Handwerkern. Sie pflanzen Gemüse an und ziehen Küken groß, gerben Leder, binden Bücher oder bauen einen Schrank. Sie sehen, wie die Erwachsenen Dinge abwiegen, Holz vermessen und Sachverhalte notieren.

„So erwacht bei den Schülern von ganz alleine der Wunsch, Rechnen, Lesen und Schreiben zu lernen“, erläutert die Lehrerin. Ein weiterer Vorteil: Es gebe weniger Verhaltensauffälligkeiten. Die Schüler seien ganz bei der Sache. Niemand schaue auf die Uhr, wann die Schulstunde endlich vorbei ist. Im Gegenteil: „Manche Kinder bleiben nach dem Unterricht freiwillig sitzen, weil sie noch nicht alles von der Tafel abgeschrieben haben.“

Bisher hat Schmidt-Gebhardt ihre handlungspädagogischen Projekte an der Waldorf-Schule in Eschwege umgesetzt. In der Hofschule soll der gesamte Lehrplan – im Einklang mit den Vorgaben des hessischen Kultusministeriums – auf Guttenhöfers Ansatz basieren. Die Lehrerin hat sich in den vergangenen Jahren im Werra-Meißner-Kreis ein Netz von Partnern aufgebaut, das sie künftig nutzen will. Auch Landfrauen sind mit von der Partie.

Mit zwei Studentinnen der Agrarwissenschaften aus Witzenhausen – Lena Franke und Teresa Gläser – hat sie ihr Konzept in den vergangenen Monaten zu Papier gebracht. „Der Austausch und die kritischen Fragen haben mir geholfen, meine Vision zu konkretisieren“, sagt die Pädagogin. Gläser organisierte zudem eine Online-Konferenz mit 35 Interessierten, bei der auch Guttenhöfer sprach. Damit ist der Startschuss für die Umsetzung gefallen.

„Die Schule soll möglichst in Oberrieden entstehen, wo ich seit 20 Jahren lebe“, sagt Schmidt-Gebhardt. Der Ort verfügt über eine Busanbindung, es gibt eine Sporthalle und einen Sportplatz. Auch ein mögliches Gebäude hat die Lehrerin gefunden: das alte Pfarrhaus. Die evangelische Gemeinde will das Gebäude mit der großen Linde im Garten vermieten, eventuell auch verkaufen. Mehrere Personen hätten Interesse an der Immobilie gezeigt. „Wenn wir den Zuschlag erhalten, kann die Gemeinde die Klassenzimmer abends und am Wochenende weiter nutzen“, verspricht die Lehrerin. Schmidt-Gebhardt hat Agrarwissenschaften studiert und sieben Jahre auf einem Hof gearbeitet. Sie machte dann eine zweijährige Zusatzausbildung zur Waldorflehrerin, an die sich noch ein Assistenzjahr anschloss. Seit zwölf Jahren unterrichtet sie an der Waldorfschule in Eschwege Grundschüler.

Von Michael Caspar

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