LOST PLACES

Letzte Predigt vor 220 Jahren - Förderkreis erhält Totenkirche in Abterode

Übrig sind die Grundmauern: Die Kirchenruine Abterode.
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Übrig sind die Grundmauern: Die Kirchenruine Abterode.

Lost Places – verlassene Orte – haben ihre ganz besondere Faszination: Das Morbide, das sie in sich tragen, und der Geist vergangener Zeiten, der einen anweht. Wir stellen verlassene Orte im Landkreis vor. Heute die Totenkirche in Abterode.

Abterode – Wo einst Leben herrschte, sind heute nur blanke Mauern übrig. Ohne Dach schneit es im Winter in den Innenhof hinein, aus dem inzwischen ein groß gewachsener Baum herausragt. Die Kirchenruine in Abterode wirkt kühl, verlassen. Manchmal verirren sich Hobbyfotografen dorthin, die nach spannenden Motiven für sogenannte Lost-Place-Fotografie suchen.

Förderkreis pflegt Ruine und deren Umfeld

Die Ruine Abteröder Totenkirche ist allerdings nicht ganz so verlassen, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. Seit 2009 gibt es einen Förderkreis, der den Platz rund um die Kirchenruine pflegt und für die Erhaltung der Ruine sorgt. Hinter der Kirchenruine steckt dennoch eine interessante Geschichte. Die genaue Baugeschichte der Kirche ist unbekannt, jedoch wird die Erbauungszeit durch architektonische Merkmale in das 14. Jahrhundert datiert. Sie ist eine wehrhafte Kirche gewesen, die ursprünglich keine Fenster, sondern nur vier Schießscharten hatte. Für mehr Licht im Innenraum wurden im Jahr 1523 zwei der Schießscharten durch große Fenster ersetzt. Die Nutzung der Kirche ist nicht genau benannt, sie könnte aber als Pfarrkirche für die Abteröder genutzt worden sein. Später aber wurde sie nur noch für Begräbnisse genutzt, weshalb sie auch Totenkirche genannt wird. Im Jahr 1801 fand die letzte Predigt von Pfarrer Weber statt. In den 1840er-Jahren folgte ein Abbruch des Daches und der Turmaufsatz stürzte ein.

Runie wird inzwischen wieder genutzt

Aus der Kirche wurde zwar eine verlassene Ruine, allerdings wird sie mittlerweile wieder genutzt. Rainer Gruber vom Förderkreis Kirchenruine Abterode erzählt, dass Taufen, Hochzeiten und auch einige Konzerte in der Ruine stattfinden. Besucht werden kann die Totenkirche zu jeder Zeit. Seit 2012 sorgt eine vom Förderkreis installierte Beleuchtungsanlage auch in der Dunkelheit für Atmosphäre.

Der Förderkreis engagiert sich auch weiterhin, den Platz rund um die Ruine zu pflegen. Mehr als 2000 Stunden gemeinnützige Arbeit haben die Aktiven bereits investiert, berichtet Rainer Gruber. Zuletzt forschten sie zu den Grabsteinen auf dem alten Friedhof vor der Kirchenruine (wir berichteten). Von den 44 Grabmonumenten konnten sie 32 Namen der dort beerdigten Menschen ermitteln. Darunter beispielsweise Catharina Wolff, die 1752 im Alter von 39 Jahren starb und Wilhelmine Schirmer, verstorben im Jahr 1873, sie ist wahrscheinlich die letzte Person gewesen, die dort beerdigt wurde.

Zu finden ist die Kirchenruine am Ortseingang von Abterode, auf der rechten Seite. Für die Wanderer im Werra-Meißner-Kreis führt der Premiumweg P 23 Höllental direkt über das Gelände der Kirchenruine und bietet somit eine interessante Ruhemöglichkeit. (Patrizia John)

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