Weil die Lager voll sind

Maisernte im Werra-Meißner-Kreis erst im Dezember: Bauern dreschen erst jetzt das Korn

Ungewohntes Bild: Maisernte im Dezember wie hier bei Niederdünzebach ist für die Landwirtschaft im Werra-Meißner-Kreis eher selten.
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Ungewohntes Bild: Maisernte im Dezember wie hier bei Niederdünzebach ist für die Landwirtschaft im Werra-Meißner-Kreis eher selten.

Warum stand in den vergangenen Wochen noch so viel Mais im Werratal auf den Feldern? Denn die Erntezeit beginnt eigentlich Mitte September.

Werra-Meißner – Der ein oder andere Spaziergänger wird sich in den vergangenen Wochen gewundert haben: Warum steht noch so viel Mais im Werratal auf den Feldern? Erntezeit ist doch eigentlich Mitte September bis Anfang Oktober. Und warum sehen die Pflanzen so vertrocknet aus? Die Antwort gibt Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Werra-Meißner:

„Für Silomais gab es in diesem Jahr Überkapazitäten. Deswegen haben einige Landwirte die Pflanzen stehen lassen und ernten jetzt Körnermais.“ Genau wie für Zuckerrüben war der Ertrag für Silomais in diesem Jahr richtig gut, schildert Roth die aktuelle Situation. Die Witterung war für beide Pflanzen in diesem Jahr ideal.

Die Futtersilos der Bauern sind voll und auch die Biogasanlagen haben ihre Lagerungskapazitäten ausgeschöpft. Das sei in unserer Region eher selten der Fall. Zuletzt wurde 2012 Körnermais geerntet. Damals hatten einige Getreidesorten den Winter nicht überlebt. Als im Frühjahr nachgesät wurde, stand nur noch Mais zur Verfügung, der dann als Korn geerntet wurde.

Während Silomais gehäckselt wird, wird Körnermais wie Getreide gedroschen. Das passiert zwar mit klassischen Maishäckslern, wie in der vergangenen Woche zu beobachten war, wird aber anders bearbeitet.

Das Gebiss des Häckslers schneidet die Pflanzen ebenso ab, dann wird die Pflanze aber nicht gehäckselt. In der Dreschtrommel wird das Korn vom Rest getrennt und auf Anhängern abtransportiert. Der Abfall wird wie Stroh auf das Feld ausgebracht. „Allerdings wird es nicht wie Stroh aufgenommen und gepresst, sondern untergeackert“, erklärt Uwe Roth, der die Einsätze der vergangenen Woche koordiniert hat. Die Biomasse führt dem Boden anschließend Nährstoffe zu.

Die gute Ernte hat für die Landwirte doppelten Nutzen. Die Silos sind mit Silage gut gefüllt und der Körnermais lässt sich derzeit gut verkaufen. „Die Preise sind top“, sagt Roth. Allerdings nur, wenn die Landwirte nicht zu viel in die Trocknung investieren müssen. Das sei derzeit allerdings der Fall. Denn obwohl es in diesem Herbst noch nicht ausreichend geregnet hat, sind die Maiskörner feucht und müssen extra behandelt werden. „Bei der Wirtschaftlichkeit spielen die Trocknungskosten eine entscheidende Rolle“, heißt es in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Praxisnah“. Könne diese über eine eigene Trocknung oder attraktive Händlerangebote gering gehalten werden, so erziele Körnermais einen überdurchschnittlichen Reinertrag. Von 25 bis 35 Prozent Feuchtigkeit muss das Korn auf maximal 16 Prozent Restfeuchtigkeit getrocknet werden.

Für die Einbindung des Körnermaises in die Fruchtfolge sprechen laut Klaus Strotmann von „Agrar heute“ das hohe Ertragsniveau, eine einfache Kulturführung, eine effektive Nährstoffausnutzung und ein vergleichsweise geringer Pflanzenschutzaufwand.

Körnermais ist eines der Grundnahrungsmittel der Bevölkerung Afrikas und Lateinamerikas. Das glutenfreie Getreide ist zudem auch für Personen mit Überempfindlichkeit gegen Klebereiweiß (Zöliakie) tauglich. (Von Tobias Stück )

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