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Montagsinterview: Ulf Abhau ist seit 1981 Johannisfestreiter

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Ulf Abhau ist seit 1981 Johannisfestreiter. Hier ist er im Stall des Reit- und Fahrvereins Eschwege mit Pferd Anneli zu sehen. Anneli war mit ihm am Donnerstag beim Johannisfest im Einsatz.
Ulf Abhau ist seit 1981 Johannisfestreiter. Hier ist er im Stall des Reit- und Fahrvereins Eschwege mit Pferd Anneli zu sehen. Anneli war mit ihm am Donnerstag beim Johannisfest im Einsatz. © Eden Sophie Rimbach

Eschwege – In Verkleidung und auf dem Pferd: So ist Ulf Abhau den Eschwegern bekannt. Bereits als 13-Jähriger wurde er Johannisfestreiter und ist es bis heute geblieben. Uns gab er einen Einblick in diese Aufgabe und erklärte, wie er das Johannisfest seither erlebt.

Herr Abhau, Sie haben vor 41 Jahren als Johannisfestreiter angefangen. Wie kamen Sie so jung dazu?

Die Geschichte des Johannisfestreiters Abhau beginnt damit, dass es zu Beginn der 80er-Jahre niemanden beim Reit- und Fahrverein Eschwege gab, der diese Aufgabe übernehmen wollte. Damals fielen zwei von vier Reitern aus. Ich bin mit Pferden aufgewachsen, hatte mit zwölf Jahren mein Reit- und zwei Jahre später das Fahrabzeichen. Außerdem habe ich mit elf Jahren angefangen, Jagdhorn zu blasen. Daher war ich 1981 als 13-Jähriger zum ersten Mal Johannisfestreiter – allerdings mit Begleitschutz. Es gibt Leute, die sind noch länger dabei. Udo Wenderoth, der Herold, macht es seit 49 Jahren.

Sie mussten als Jugendlicher damals begleitet werden?

Mit den Begleitern haben wir damals angefangen, aber nur, weil ich zu jung war. Es steht eine gewisse Verantwortung dahinter, aber es war eine Ehre für uns, dass wir Johannisfestreiter sein durften. Heute haben wir immer Begleiter dabei. Sie kennen sich mit Pferden aus und reagieren, wenn das Pferd eine Phase hat, in der es mal etwas angespannter ist. Vor etwa 15 Jahren musste ein Pferd während der Veranstaltung ausgetauscht werden. Auch das hat gut funktioniert.

Was ist das Besondere an dieser Aufgabe und sorgt dafür, dass Sie bis heute gern Johannisfestreiter sind?

41 Jahre hören sich sehr lang an, aber man macht es ja nur an drei oder vier Tagen im Jahr. Wenn man das auf die Jahre hochrechnet, dann sind es 160 Tage – ein halbes Jahr in Uniform. Ich mache das jetzt seit über 30 Jahren als erster Reiter am Donnerstag. Man bringt das Johannisfest zu den Menschen, die nicht hinkommen können. Wenn du nicht kommst, ist das Johannisfest nicht angekommen. Am Donnerstagabend habe ich wieder von vielen Menschen gehört, dass das Fest für sie ohne Reiter nicht beginnt. Auch am Samstag sind wir wieder bei den Seniorenheimen und den Menschen, die zuhause sind. Für viele ist es auch ein Stück Heimat. Mit dem Klang stellt sich bei ihnen das Festgefühl ein. Nicht nur die Bayern können „Mia san Mia“ sagen. Wir Eschweger können das auch.

Wie haben Sie dieses erste Johannisfest nach zwei Jahren erlebt?

Die Menschen haben teilweise Schilder geschrieben und uns damit erwartet. In der Pontanistraße sangen acht bis zehn Jahre alte Kinder das Dietemannslied. Allein am Donnerstag wollten bestimmt 25 Kinder mit dem Pferd fotografiert werden. Da sieht man einfach, wie die Kinder schon in dieses Johannisfest-Feeling eingebunden werden. Eine Neuheit gibt es in diesem Jahr. Wir sind keine vier Reiter mehr, wir sind fünf. Holger Joop ist mit dabei, nachdem er eigentlich schon 2020 zum ersten Mal mitreiten sollte. Jeder von uns reitet dann mindestens zweimal. Und bei Ausfällen steht jemand bereit.

Jedes Pferd ist sicherlich nicht für den Einsatz am Johannisfest geeignet?

Die Pferde selbst brauchen keine große Trainingsvorbereitung. Wenn ein Pferd von Natur aus kein Problem mit den Geräuschen hat, kann es auch mit der Hektik vor Ort gut umgehen und ist geeignet. Außer am Donnerstag sind wir zudem mit mehreren Pferden unterwegs. In der Gruppe beruhigen sie sich gegenseitig. Wir haben ein sehr gutes Team. Unter den Reitern funktioniert die Zusammenarbeit super. Wir sind dankbar für das gesamte Team mit Begleitern, Tierarzt Ernst-Wilhelm Kalden und denjenigen die für die Kostüme sorgen. Der Tierarzt guckt während des Johannisfests jeden Abend nach den Pferden, was wir den Tieren nach dem Reiten auf Stein schuldig sind. Und es ist ideal, dass wir zum Reit- und Fahrverein kommen dürfen. Der Verein sorgt sehr gut für alles. Das ist nicht selbstverständlich.

Sie haben eben davon gesprochen, wie die Kinder beim Fest mitfiebern. Wie sah das für Sie aus, als Sie mit 13 Jahren Johannisfestreiter wurden?

Ich war Leuchtbergschüler. Die ersten zwei Jahre bin ich noch mitgelaufen, aber dann war ich im Festzug auf dem Pferd. Am Maienzug habe ich natürlich trotzdem noch teilgenommen. Aber eigentlich habe ich seit 30 Jahren keinen Johannisfestzug gesehen. Dafür konnte ich einige auf Video angucken.

Waren Sie eigentlich als mit einem Abstand von etwa zehn Jahren jüngster Johannisfestreiter in 1981 aufgeregt?

Also ich bin heute noch aufgeregt. Es ist ja nicht so, dass das alles unspektakulär ist. Das ist auch das Spannende daran. Aber wenn man auf dem Pferd sitzt, zum ersten Mal wieder zusammen geblasen hat und merkt, was für eine gute Truppe man ist, dann geht die Anspannung relativ schnell weg. Und es macht natürlich Freude.

Was ist Ihnen als Johannisfestreiter wichtig?

Wir wünschen den Zuschauern natürlich eine große Freude an uns, aber wir freuen uns auch, wenn der Respekt von ihrer Seite aus gegeben ist. Das Wichtigste ist, dass sie die Pferde nicht beunruhigen, und mit dem Auto mal kurz warten, bis wir vorbeigeritten sind. Beispielsweise in der Herrengasse sollten sie darauf achten, dass es für uns nicht zu eng wird. So kann diese Tradition aufrecht erhalten werden. Denn mit ihrer Rücksichtnahme tragen sie dazu bei, dass fast nichts passieren kann. Es hat schon lange keine Zwischenfälle gegeben und wir hoffen, dass das auch so bleibt. Beispielsweise das Pferd am Donnerstag hat seine Arbeit sehr gut gemacht. Für die Tiere ist es immer ein Verkehrstraining. Wir haben superbrave, ganz tolle Pferde, die fahr- und reittechnisch auf Straßen unterwegs sind. Und trotzdem bleibt das Risiko immer bei uns und wir freuen uns jedes Mal, wenn wir wieder gut zuhause angekommen sind.

Von Eden Sophie Rimbach

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