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Manfred Graf hat sein Glück selbst in die Hand genommen

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Von: Emily Spanel

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Glücksfall für die Bewahrung des Kulturgutes Pferd: Manfred Graf hat sich der Pferdezucht verschrieben.
Glücksfall für die Bewahrung des Kulturgutes Pferd: Manfred Graf hat sich der Pferdezucht verschrieben. © Graf/privat

Manfred Graf, Eigentümer des Gestüts Altefeld, wird heute 70 Jahre alt.

Altefeld – Das Glück, sagt Manfred Graf, müsse man schon beim Schopfe packen, wenn es einem begegne. Denn das Glück, in seiner Natur so flüchtig und rar, laufe niemandem hinterher.

Manfred Graf, der am heutigen Mittwoch seinen 70. Geburtstag feiert, lebt nach dieser Maxime. Und so ist der Eigentümer des Hauptgestüts Altefeld, der Familienvater, Unternehmer, Autor und Mäzen nun in erster Linie ein glücklicher Mann.

„Man muss wissen, was man will“, sagt Manfred Graf. Und wie selbstverständlich fügen sich bei ihm, der sein Glück stets selbst in die Hand genommen hat, unternehmerisches Geschick, der Blick für das Besondere, Empathie und Leidenschaft fein ineinander.

„Alles war mir eine Ehre und Freude – und für dieses Glück bin ich dankbar.“

Manfred Graf

Die Verbundenheit zur Natur, die ihm bis heute ein Antrieb ist, wurde ihm in die Wiege gelegt: Aufgewachsen ist Manfred Graf mit drei Schwestern und einem Bruder auf dem elterlichen Gut in Unterschleißheim im oberbayerischen Landkreis München. Und hier, wo früher noch die Rinder der Familie Graf geweidet wurden und sich deren Äcker befanden, legte der Unternehmer Manfred Graf vor Jahrzehnten den Grundstein für den Edison-Park, ein repräsentatives Gewerbegebiet mit 23 000 Quadratmetern Büroflächen. Weltkonzerne wie Microsoft wurden schnell auf das innovative Konzept – der heute viel strapazierte Begriff der Nachhaltigkeit war schon damals oberste Prämisse – aufmerksam und zogen ein.

Architektonische Inspiration fand Manfred Graf in den USA und Kanada, wo er die geschäftlichen Interessen der Familie vertrat. „Freundschaften, die in Nordamerika geknüpft wurden, bestehen bis heute“, sagt der Jubilar, der sogar lange Zeit im Besitz des kanadischen Passes war. Mit Menschen unterschiedlichster Nationalitäten arbeitete, lebte und feierte er zusammen: „Das hat mich geprägt. Vorurteile und Schubladendenken gegenüber Menschen waren und sind nicht meine Welt“.

Trotz aller Erfolge: etwas fehlt. Schon in Übersee besichtigt Manfred Graf Gestüte, „beeindruckend schöne Bauten wie aus ,Vom Winde verweht‘“ – höher schlug sein Herz aber nie.

Bis zum Herbst des Jahres 1981. Zurück in Deutschland, mit mondänem Wohnsitz in Rottach-Egern am Tegernsee, fuhr Manfred Graf an einem wenig einladenden Tag durch den nebeligen Werra-Meißner-Kreis. Plötzlich riss die Wolkendecke auf, und „Altefeld in der Herbstsonne liegend, das war für mich ein Schlüsselerlebnis.“ Ohne den Hauch eines Zögerns unterschrieb Manfred Graf am 15. November 1981 den Notarvertrag, der fortan sein Leben bestimmte.

Das Gestüt ist für Manfred und seine Ehefrau Doris Graf sowie die vier gemeinsamen Kinder Heimat geworden. „Um Altefeld dreht sich unser Mikrokosmos“, sagt der mittlerweile hoch dekorierte Züchter stolz.

So wurde neben der Pferdezucht etwa die Pensionshaltung ausgebaut. Eigene Hengste wurden gehalten; eine Deckstation aufgebaut. In der erfolgreichen Entwicklung der Zucht und der Pflege des Stutenstammes stecken vor allem das Herzblut von Doris und Tochter Elsa Graf, die sich um das Zuchtmanagement und die Ausbildung der jungen Pferde kümmern.

Zur Pferdezucht wurde die Flächen des Gestüts auch landwirtschaftlich betrieben. Von Anfang an wurden nur „wirtschaftseigene Düngemittel“ eingesetzt. Der Verzicht auf chemische Stoffe soll der Umwelt und besonders den auf Gestüt Altefeld befindlichen Pferden und Rindern zum Vorteil sein. 1999 eine wegweisende Entscheidung: Der Betrieb stellte auf ökologische Landwirtschaft um. Heu und Stroh werden selbst produziert. Zusätzlich wurde eine Herde mit Angus-Rindern angeschafft, um die Rentabilität des landwirtschaftlichen Betriebes zu erhöhen. „Mit der Einrichtung des Gestütsmuseums haben wir Altefeld geöffnet“, sagt Manfred Graf: Auf rund 100 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist eine Dokumentation der Altefelder Gestütshistorie zu sehen. Bilder verschiedener Epochen berühmter Pferdemaler, Skulpturen, Sättel, Zaumzeug sowie die architektonische Gestütsentwicklung zeugen von Kleinoden aus der Geschichte rund um das Pferd.

Recherchen zu Altefeld, zum Ringgau und seiner Leidenschaft, der Kunst, hat Manfred Graf in Büchern veröffentlicht. „Das Interesse war riesig, und ich konnte den Menschen der Region auf diese Weise etwas zurückgeben.“ Arbeit, nein, das sei nichts in seinem Leben gewesen. „Alles war mir eine Ehre und Freude – und für dieses Glück bin ich dankbar.“

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