Direkterzeuger im Werra-Meißner-Kreis

Markthalle für regionale Produkte: Eine Perspektive für die Landwirtschaft

Spargelköpfe aus der Erde.
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Leckerer Spargel: Nach einiger Verzögerung ist das beliebte Stangengemüse auch im Werra-Meißner-Kreis erntebereit.

In Eschwege ist eine Markthalle geplant, wo Landwirte ihre Produkte direkt vermarkten können. Landwirte aus dem Kreis schildern, welche Absatzprobleme sie haben.

Ute Lorenz-Roth, auf deren Hof in Wanfried am Mittwoch auch Hessens Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen), Station auf ihrer diesjährigen Sommertour durch das Land machte, schilderte die Anfänge. „Wir haben als junge Familie mit zehn Hühnern angefangen. Über den Verkauf der Eier haben wir zumindest die Windeln für unsere Kinder finanziert bekommen“, erzählt sie.

Irgendwann waren es einige Hundert Hennen, ein kleiner Wochenmarkt wurde auf dem Hof etabliert. Als das nicht mehr möglich war, habe man versucht, die nahen Supermärkte zu erreichen.

„Wir mussten die Marktleiter massiv überreden, uns aufzunehmen“, erzählt Ute Lorenz-Roth. Heute hat die Familie neben Milchvieh und Freilandschweinen 1000 Legehennen – als ein Standbein des Betriebes.

Auch andere Projekte, Regionalität beim Essen und Trinken zu etablieren, erwiesen sich im Werra-Meißner-Kreis als schwierig. So sollte das Essen in der Nachmittagsbetreuung an Schulen aus heimischer Quelle kommen. Das, so Landrat Stefan Reuß, scheiterte letztendlich an der Schallgrenze von 2,90 Euro pro Schulessen. „Beim Thema Direktvermarktung bedarf es eines langen Atems, neuer Ansätze, Ideen und frischen Mutes“, sagt Reuß.

Was sich hingegen inzwischen als Erfolgsmodell zu etablieren scheint, sind die Feierabendmärkte, die es inzwischen in Witzenhausen, Bad Sooden-Allendorf, Ringgau, Sontra und Wehretal gibt. „Das sind Projekte, die als Impulsgeber funktionieren“, sagt Sabine Wilke vom Verein für Regionalentwicklung. Dazu gehörten auch die Milchautomaten, die verschiedene Betriebe im Kreis betreiben.

Viele Landwirte würden über Direktvermarktung vom Hof Nischen füllen und für ihre Familien ein Zusatzeinkommen generieren, so Thomas Möller, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Werra-Meißner. Niemand hätte noch vor 15 Jahren an den großflächigen Anbau von Erdbeeren oder Spargel gedacht. Im Landkreis gebe es heute gerade mal noch 60 Milchviehbetriebe und 40 Sauenhaltungsbetriebe, kaum noch Schweinemastbetriebe. „Die Tierhaltung blutet aus in der Region aus, obwohl wir hier in Nordhessen viel Grünland haben“, sagte er. „Viele Landwirte wollen aufhören.“

Damit das nicht geschehe, soll die Ökomodellregion weiter ausgebaut werden, so Priska Hinz. Die zentral in Eschwege geplante Markthalle Werra-Meißner, deren Öffnungstermin noch nicht feststeht, sei ein weiterer Baustein. „Wir müssen unseren Landwirten Zukunftsperspektiven eröffnen – denn wir brauchen sie.“ (Stefanie Salzmann)

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