Maske in der Klasse funktioniert

Schulleiter im Kreis sehen Vor- und Nachteile beim Wechselunterricht

Die Schüler im Kreis halten sich diszipliniert an die Corona-Regeln wie das Tragen der Maske.
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Die Schüler im Kreis halten sich diszipliniert an die Corona-Regeln wie das Tragen der Maske.

Für die Schulen im Kreis ändert sich durch die neuen Corona-Beschränkungen, die in dieser Woche erlassen wurden, nur wenig, da in Hessen bereits vorher strenge Regeln galten.

Werra-Meißner – So auch in der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf, wie die stellvertretende Schulleiterin Michaela Deutschmann-Weise berichtet. Seit Anfang November besteht ab der 7. Klasse in Hessen Maskenpflicht. Die Schüler der Rhenanus-Schule tragen schon ab der 5. Klasse die Maske im Unterricht. „Die Schüler machen das echt gut“, lobt Deutschmann-Weise. An der Rhenanus-Schule wird auch während des Sportunterrichts Maske getragen. Dafür mache man aber nicht das übliche Programm, sondern verzichte zum Beispiel auf Dauerlauf und Kontaktsportarten wie Handball.

Aus der Schülerschaft würden immer wieder Anfragen kommen, ob man nicht erneut den Unterricht abwechselnd zwischen Schule und zu Hause stattfinden lassen könnte. „Dieser Wunsch ist nachvollziehbar, zumal wir es vor den Sommerferien relativ erfolgreich gemacht haben.“ Allerdings gebe es auch Schüler, die damit abgehängt werden, weil sie sich entweder nicht so gut organisieren können, daheim keinen ruhigen Arbeitsplatz haben oder ihnen das Endgerät für den digitalen Unterricht fehle. Eine halbe Klasse bringe deutlich mehr Ruhe und mit 28 Personen im Klassenzimmer sei Abstand halten schlichtweg nicht möglich.

Was der stellvertretenden Schulleiterin Sorgen macht, sind die Kinder, die aufgrund eines Attestes keine Maske tragen und dennoch normal die Schule besuchen. „Man kann den Eltern anbieten, dass das Kind daheim beschult wird, aber die Kinder haben natürlich auch ein Recht darauf, die Schule zu besuchen.“ Dort könne man dann nur versuchen, die Kinder weitestgehend von der Klasse zu separieren mit Plexiglasscheiben und separaten Tischen. Michaela Deutschmann-Weise hofft, dass das Hessische Kultusministerium dafür noch eine Regelung findet.

An den Beruflichen Schulen (BS) in Witzenhausen sei die Akzeptanz für die Einhaltung der Regeln bei allen Beteiligten da, es gebe aber auch Verunsicherung, weil man dort über einen langen Schultag viele Menschen trifft, sagt Vize-Schulleiterin Begga Breiding. Es gebe Klassen mit bis zu 30 Schülern, der Unterricht dauere oft von 7.45 Uhr bis 16.30 Uhr. Deshalb wünschten sich einige Lehrer geteilte Klassen.

Grundsätzlich sei man gut auf Distanzunterricht vorbereitet, in fast allen Räumen gebe es digitale Tafeln, auch habe man eine datenschutzkonforme digitale Lernplattform, so Breiding. Dank des Digitalpakts könnten Server- und Netzwerk-Kapazitäten ausgebaut werden. Es fehlten aber noch Headsets, Kameras und Mikrofone für alle knapp 100 Lehrer, da sei der Markt derzeit leergefegt. Falls es nach Weihnachten zu einem kompletten Lockdown komme, hofft Breiding, dass die Internetverbindung für einen Videounterricht in allen Klassen ausreicht.

Dass der Unterricht ab 200 Neuinfektionen pro Woche in der Region eingeschränkt werden soll, sieht Breiding mit gemischten Gefühlen: Diese Inzidenz sei vier Mal so hoch wie die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts. Andererseits käme im Videounterricht die pädagogische Hilfestellung oft zu kurz. Deshalb sei Präsenzunterricht wichtig, gerade für Lernschwächere und für Schüler der Abschlussklassen – davon haben die BS derzeit 500. Gut sei, dass man für jede Schule eine Lösung entwickeln könne, statt starre Vorgaben aus Wiesbaden zu bekommen. Auch an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau klappt das Tragen des Mund-Nase-Schutzes im Unterricht erstaunlich gut, berichtet Schulleiter Björn Faupel: „Die Kollegen haben viel Aufklärungsarbeit geleistet“. Die Masken gehören aber auch seit März zum Schulalltag der Kinder. Der Schulleiter lobt den verantwortungsvollen Umgang der Schüler mit den Regeln, auch in der Pause, wo jeder Jahrgang einen eigenen Pausenbereich habe, damit die Gruppen unter sich bleiben.

Die Vorgaben wie Lüften, Hände waschen und Abstand halten haben sich bewährt, findet Faupel. So gab es an der Schule bisher keine Infektion, die auf Schulkontakt zurückzuführen ist. Dennoch sind die Lehrer auf Wechselunterricht vorbereitet, auch wenn der nicht das Ziel sei. Mit diesem wäre es dann aber auch für die Schüler möglich, in den öffentlichen Verkehrsmitteln besser Abstand zu halten.

Im Sportunterricht tragen die Schüler hier keine Maske, jedoch wird auch auf Kontaktsportarten verzichtet, sagt Faupel. Stattdessen spiele man Badminton, biete Rückentraining oder Bauch-Bein-Po mit ausreichend Abstand an. Zudem werde die Turnhalle durch Oberlichtfenster immer quer gelüftet.

Schüler sind diszipliniert

Die Corona-Einschränkungen werden im Kreis gut akzeptiert, sagt auch Anita Hofmann, Leiterin des Schulamtes: „Die Schüler halten sich in der Regel diszipliniert an das Tragen des Mund-Nase-Schutzes.“ Nur vereinzelt gebe es Eltern, die sich über die Maskenpflicht beschweren.

Im Schulbetrieb entstehen durch die besonderen Bedingungen aber viele organisatorische Fragen, wie zum Beispiel Elternsprechtage oder Vorlesewettbewerbe umsetzbar sind. „Eine große Herausforderung sind auch die Betriebspraktika“, sagt Hofmann. Viele Betriebe könnten verständlicherweise keine Plätze anbieten, wenn die Mitarbeiter keinen Kontakt mehr zu betriebsfremden Personen haben sollen oder im Homeoffice sind. „Es besteht einfach ganz viel Regelungsbedarf“, sagt Hofmann, dabei sei das Schulgesetz rechtlich gut ausgefeilt.

Am drängendsten sei aktuell die Frage, wie die Leistungen von Schülern bewertet werden sollen, die dauerhaft im Distanzunterricht sind. Die Schüler würden dann zwar in der Schule in einem separaten Raum ihre Arbeiten schreiben, aber hier benötigt man noch Regelungen, die justiziabel sind.

Generell erhalten die Schüler trotz der erschwerten Bedingungen ihre Noten nach den normalen Regeln zur Leistungsbewertung. Zum Ende des vergangenen Schuljahres war das anders, als galt, dass durch den Lockdown für den Schüler kein Nachteil entstehen soll.

Herausfordernd ist auch der Umgang mit Schülern, die aufgrund eines Attestes keine Maske tragen müssen, denn da müssen die Schulen das Recht auf Unterricht genauso wie das Recht auf Schutz berücksichtigen, erklärt Hofmann. Wenn Unterricht zuhause keine Option ist, sei die einzige Möglichkeit, den Schüler in der Klasse soweit wie möglich zu separieren und Abstand zu schaffen. „Es gibt Schulen, in denen das gut geht. Da kann der Schüler aus einem Nebenraum digital am Unterricht teilnehmen“, berichtet die Leiterin des Schulamtes.

(Evelyn Ludolph/Friederike Steensen)

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