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Mehr Drogendelikte im Kreis erwartet

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Von: Marvin Hinrichsen

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Polizei sieht Legalisierung von Cannabis kritisch
Polizei sieht Legalisierung von Cannabis kritisch © Hendrik Schmidt

Die von der Bundesregierung geplante Legalisierung von Cannabis soll dafür sorgen, dass die Anzahl der verfolgten Konsumdelikte zurückgeht.

Werra-Meißner –   Das könnte Auswirkungen für den Werra-Meißner-Kreis haben. Die Zahl der Strafverfahren ist hier laut Polizeistatistik wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz im vergangenen Jahr von 224 (2020) auf 285 Strafverfahren deutlich angestiegen.

„Vor dem Hintergrund der polizeilichen Erfahrung im Werra-Meißner-Kreis ist anzunehmen, dass langjährige Akteure des organisierten Drogenhandels nach einer Legalisierung von Cannabis ihre Tätigkeiten nicht einstellen werden“, sagt Jörg Künstler, Sprecher der Polizei im Kreis. Vielmehr sei zu befürchten, dass weiterhin illegal produziert und verkauft werde. „Da sich die Kriminellen nicht an staatliche Kontrollen und steuerliche Vorgaben wie die legalen Produzenten halten müssen, können sie ihre Produkte günstiger verkaufen“, erklärt Künstler. Ein Beispiel dafür sei der illegale Zigarettenschmuggel und -handel.

Staaten hätten nach der Legalisierung von Cannabis unterschiedliche Erfahrungen gemacht. So hätte die Duldung weicher Drogen in den Niederlanden das Geschäft mit harten Drogen begünstigt. Hier seien Coffeeshops weiterhin von kriminellen Netzwerken beliefert worden, welche dann zusätzlich auch illegal Kokain und Ecstasy anboten. In Kanada hätte die Legalisierung zu einem erheblichen Anstieg des Konsums geführt und der Schwarzmarkt könne nicht vollends aufgelöst werden.

Cannabis ist auch bei Suchtberatungsstellen Thema.

Laut Hessischer Landesstelle für Suchtfragen (HLS) liegt der Anteil der Betroffenen mit dem Hauptproblem Cannabis bei 23 Prozent.

„Ich denke, der Konsum wird anfangs stark zunehmen“, sagt der psychologische Berater und Suchtexperte Berthold Franke, der bei der Suchtberatungsstelle „Die Chance“ arbeitet. Die Verharmlosung von Joints sieht er kritisch. „Das Gehirn verharzt regelrecht, wenn es Betroffene mit dem Kiffen übertreiben“, berichtet Franke. Es sei eine Einstiegsdroge.

„Bei vorbelasteten Konsumenten können Joints zudem auch Psychosen auslösen“, erklärt der Suchtberater. Diese Gefahr herunterzuspielen sei ein Ablenken von der Suchtproblematik. Für ihn sei dennoch klar, dass der Konsum nicht mehr unter Strafe stehen sollte. Vielmehr sei es sinnvoll, Präventivarbeit zu leisten.

(Marvin Hinrichsen)

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