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Werra-Meißner-Kreis: Mehr Süchtige in Behandlung

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Von: Denise Dörries

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Weg vom Alkohol: Alleine ist das oftmals nur schwer möglich. Von der Alkoholsucht Betroffene finden Hilfe bei ihrem Hausarzt und in Selbsthilfegruppen wie dem „Wegweiser“ von Gerald König.
Weg vom Alkohol: Alleine ist das oftmals nur schwer möglich. Von der Alkoholsucht Betroffene finden Hilfe bei ihrem Hausarzt und in Selbsthilfegruppen. © Silas Stein/dpa

Zahlen für ärztliche Behandlungen aufgrund von Alkohol- oder Drogenkonsum im Werra-Meißner-Kreis liegen deutlich über bundesweitem Schnitt, zeigt eine Auswertung der Barmer Krankenkasse. Der Landkreis führt damit die Spitze Nordhessens an.

Werra-Meißner – Der Konsum von Alkohol und Drogen führt in Nordhessen zu mehr ärztlichen Behandlungen als im Rhein-Main-Gebiet. Das zeigt eine Auswertung der Barmer Krankenkasse. Am stärksten betroffen zeigt sich der Werra-Meißner-Kreis. Hier sind rund 29 von 1000 Personen aufgrund von Alkohol- oder Drogenkonsum in ärztlicher Behandlung.

Damit liegt der Landkreis deutlich über dem hessischen Durchschnitt von 17 Fällen je 1000 und sogar 60 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt (18 je 1000). Die hohe Behandlungszahl bedeute aber nicht automatisch was Schlechtes, sagt Andrea Böhnke, Leiterin der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention des Diakonischen Werks Werra-Meißner.

Suchterkrankung entwickelt sich über Jahre

„Die Zahlen können als positiv gesehen werden, da es sich hierbei um Suchtkranke in Behandlung handelt. Die Dunkelziffer ist viel höher.“ Woran die dennoch hohen Zahlen liegen, lässt sich laut Böhnke nicht festmachen und diese seien auch nicht objektivierbar.

Eine seelische und körperliche Suchterkrankung entwickele sich nicht kurzzeitig, sondern über mehrere Jahre hinweg, sagt Böhnke. Die Leiterin der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention erklärt die Suchterkrankung als Versklavung, wobei der Süchtige zum Sklaven der Droge wird. Das große Problem läge in der Gesellschaft, wie Böhnke feststellt: „Es gilt immer noch als was Positives, wenn jemand viel Alkohol verträgt.“

Die Gesellschaft als großes Problem

Suchtkranke versuchen oft, ihren Umgang mit Alkohol oder illegalen Drogen auch wegen der noch immer bestehenden gesellschaftlichen Stigmatisierung zu verbergen. Nicht selten kämen Betroffene zunächst wegen körperlicher Folgen der Suchterkrankung ins Krankenhaus, die zum Beispiel Auslöser für internistische oder auch neurologische Erkrankungen sein kann, erklärt Prof. Dr. Martin Ohlmeier, ärztlicher Direktor des Ludwig-Noll-Krankenhauses in Kassel. Er biete Patienten mit einer Suchterkrankung als Nebendiagnose dann auch eine ergänzende suchtmedizinische Behandlung an, sagt der Chefarzt der Kasseler Klinik. (Denise Dörries)

Hilfe für Suchtkranke und Angehörige

Die Fachstelle für Suchthilfe und Prävention des Diakonischen Werks Werra-Meißner bietet kostenlose Beratungen bei Problemen mit Alkohol, illegalen Drogen, Medikamenten, Glücksspielsucht, exzessiver Mediennutzung und Essstörungen an. Auch Angehörige werden hier beraten. Die Suchthilfe erreichen Sie telefonisch unter 0 56 51/33 94 29 2 und die Suchtprävention unter 0 56 51/33 94 29 6 oder per E-Mail suchthilfe@diakonie-werra-meissner. (ded)

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