Kandidaten nehmen Stellung

Landratswahl im Werra-Meißner-Kreis: Mehr Zuzug, Ärzte und Energie als Ziele

Bei der Diskussionsrunde: Die Landratskandidaten Friedel Lenze (SPD, 2. von links), Frank Hix (CDU), Nicole Rathgeber (Freie Wähler) und Daniel Herz (parteilos). Sie ließen sich am Donnerstagabend in einem Livestream den Redaktionsleitern von WR und HNA, Tobias Stück und Friederike Steensen, im Studio der Firma Hessensound auf den Zahn fühlen.
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Bei der Diskussionsrunde: Die Landratskandidaten Friedel Lenze (SPD, 2. von links), Frank Hix (CDU), Nicole Rathgeber (Freie Wähler) und Daniel Herz (parteilos). Sie ließen sich am Donnerstagabend in einem Livestream den Redaktionsleitern von WR und HNA, Tobias Stück und Friederike Steensen, im Studio der Firma Hessensound auf den Zahn fühlen.

Bei der Live-Diskussion von HNA/Witzenhäuser Allgemeine und Werra Rundschau am Donnerstagabend haben sich die vier Landratskandidaten vorgestellt.

Werra-Meißner – Am 24. Oktober findet die Landratswahl im Werra-Meißner-Kreis statt. Zur Wahl stehen: Friedel Lenze (SPD), Frank Hix (CDU), Nicole Rathgeber (Freie Wähler) und Daniel Herz (parteilos). Sie haben am Donnerstagabend den Redaktionsleitern Friederike Steensen und Tobias Stück Rede und Antwort gestanden. Ein Überblick:

Schule und Bildung

Zur Zukunft der schulischen Bildung gefragt, geht Nicole Rathgeber davon aus, dass Schule auch künftig nicht nur in Präsenzform stattfinden werde. Schulen müssten aber gerade nach der Corona-Pandemie wieder zu Orten der Begegnung werden. Die bessere Ausstattung mit Hardware alleine reiche nicht, die gesamte „Schulfamilie“ müsse mitgenommen werden. Auch die Lehrer müssten bei der Ausbildung in den Methoden des digitalen Unterrichts gut ausgebildet werden.

Frank Hix will, dass der Landkreis mehr Geld für die Modernisierung der Schulen in die Hand nimmt, damit alle Kinder gleiche Bildungschancen erhalten. „Unser Kinder haben die beste Bildung und Ausstattung verdient.“ Für soziale Gerechtigkeit bei der Bildung sollen allen Schülern Endgeräte wie Notebooks oder Tablets zur Verfügung gestellt werden, sagte Friedel Lenze. In die Schulen investiere der Kreis bereits jetzt zwischen 7 und 8 Millionen Euro jährlich.

Die Zukunft der Schule sieht auch Daniel Herz in Hybridformen. Interessenvertretungen wie der Hessische Städte- und Gemeindebund und das Schulamt sollten sich mit den Landkreisen beim Land Hessen dafür einsetzen, dass Lehrer besser für die digitale Schule qualifiziert werden.

Wirtschaft/ Tourismus

Wie wollen die Kandidaten dafür sorgen, dass es in der heimischen Wirtschaft weiterhin genügend Arbeitsplätze gibt? Die Antwort von Nicole Rathgeber ist, junge Start-up-Unternehmen in den Kreis zu ziehen. So könne man den Kreis verjüngen. „Indem wir das Know-how, das wir im Werra-Meißner-Kreis haben mit dem Jungen, das frisch rein kommt, verbinden, können wir neue Arbeitsplätze und den Zuzug von Familien schaffen.“

Auch Frank Hix sieht große Chancen für den ländlichen Raum: „Das ist genau das, was Menschen jetzt suchen: naturnah, mit Wäldern, mit Wasser – um Energie zu tanken.“ Neben Start-up Unternehmen sieht er die Zukunft in Co-Working-Spaces (Gemeinschaftsarbeitsplätzen). Die Menschen würden in den Kreis ziehen, müssten dort aber auch die Möglichkeit haben, zu arbeiten. Dafür müssten die Rahmenbedingungen stimmen: der Breitbandausbau und ein flächendeckendes Mobilfunknetz.

Hier stimmt Daniel Herz zu: Es gäbe noch zu viele „graue Flecken“ im Werra-Meißner-Kreis. Er spricht außerdem die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) an, die die Unternehmen vor Ort unterstützt. Mangeln würde es an dieser Stelle aber an genügend Personal. Darum sieht er als eine der ersten Aufgaben für den neuen Landrat, die WFG mit weiteren Mitarbeitern zu unterstützen.

Die WFG weiter stärken will auch Friedel Lenze: „Unsere WFG kann sehr viel und wir werden sie deutlich personell aufstocken und noch mehr in die Fläche bringen.“

Gesundheitswesen

Einig waren sich alle vier Kandidaten darüber, dass der Erhalt der beiden Krankehausstandorte in Eschwege und Witzenhausen wichtig sei, ebenso darüber, dass die wohnortnahe Versorgung mit Hausärzten abseits der Städte vielerorts ein Problem darstellt.

Für Friedel Lenze sei dann die Versorgung zufriedenstellend, wenn jeder Bürger innerhalb von 10 bis 15 Kilometern einen Hausarzt erreichen könne. Da laut der Kassenärztlichen Vereinigung der Kreis auf dem Papier allerdings mit Hausärzten ausreichend versorgt sei, weil die Fahrtwege nicht berücksichtigt werden, müsse hier verhandelt werden. Dem schloss sich auch Daniel Herz an. Um junge Ärzte auf das Land zu locken, müsse das Konzept der Versorgungszentren vorangetrieben werden, sagte Lenze.

Nicole Rathgeber möchte, dass junge Ärzte finanzielle Anreize erhalten, um aufs Land zu kommen und um sie an die Region zu binden. Für Frank Hix soll das neue Stipendienprogramm deutlich erweitert werden. Der Werra-Meißner-Kreis müsse für junge Ärzte attraktiv werden.

Klimaschutz

Nicole Rathgeber setzt im Bereich Klimaschutz auf „ein Konglomerat“ aus Windrädern, Fotovoltaik und Biogas, findet aber, dass mehr auf Fotovoltaik gesetzt werden müsse, weil die zukunftsweisend sei. Konkret nennt sie die Lärmschutzwände der Wehretalbrücke, die sich laut der Kandidatin gut für das Anbringen von Photovoltaikanlagen eignen würden.

„Der Mix machts“ findet auch Friedel Lenze, der vor allem im Bereich Windkraftanlagen die Bürger mit einbinden will. Er appelliert an die Menschen, sich an ihre regionalen Energieversorger zu wenden. Denn: „Die Organisation der Energiewende muss vor Ort passieren.“

Daniel Herz sieht beim Thema erneuerbare Energien vor allem ein Problem: „Dort wo diese Anlagen entstehen sollen, egal ob es Photovoltaikanlagen oder Windkraftanlagen sind, möchte sie niemand haben.“ Gegenüber dem Argument dass sie nicht schön seien, stehe nachhaltiger Strom. Beides könne man nicht von der Hand weisen, aber man müsse Prioritäten setzen.

Auch in Bad Sooden-Allendorf sind erneuerbare Energien Thema: Hier würde laut Frank Hix sogar die Altstadtsatzung Fotovoltaik auf den Hausdächern zulassen. Für ihn ist aber der erste Schritt, die kreiseigenen Gebäude zu bestücken. Daneben würde aber kein Weg daran vorbei gehen, auch über Wasser- oder Windkraft zu sprechen. Bei den Bürgern könne man Akzeptanz für dezentrale Energieerzeugung schaffen, indem man „die Bevölkerung mitnimmt und partizipieren lässt an den monetären Vorteilen durch das Bilden von Genossenschaften“, so Hix. Für die Kommunen wäre dies eine Möglichkeit, Geld für die Haushalte einzunehmen, um die Bürger von hohen Grundsteuern zu entlasten.

Einig sind sich alle Kandidaten beim Thema Suedlink, den sie „mit aller Kraft verhindern wollen“, so Nicole Rathgeber. (Stefanie Salzmann und Wiebke Huck )

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