Neuartiges Bakterium

Meisensterben im Frühjahr? Tote Tiere dem Nabu melden

Wer sie in der Natur sieht, soll sie melden: die Blaumeise.
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Wer sie in der Natur sieht, soll sie melden: die Blaumeise.

Ein Bakterium befällt die Meisen. Der Naturschutzbund (Nabu) bittet die Bevölkerung im Werra-Meißner-Kreis darum, tote Vögel zu melden.

Werra-Meißner – Rückblick: Ab März 2020 wurde unter Blaumeisen eine sich schnell ausbreitende, rätselhafte Krankheit beobachtet, an der auch im Werra-Meißner-Kreis viele Tiere starben. Ironischerweise geschah dies parallel zur Ausbreitung der ersten Welle der Covid19-Pandemie beim Menschen. Die kranken Blaumeisen saßen aufgeplustert herum, spreizten alle Federn vom Körper ab. Sie hatten Durst, waren darüber hinaus aber apathisch. Wenn sich ihnen ein Mensch näherte, flogen sie oft nicht weg, sondern blieben sitzen, steckten den Kopf unter das Gefieder und dösten.

Viele Menschen folgten dem Aufruf des Nabu und stellten die Meisen-Fütterung ein, da auch bei den Meisen das „social distancing“ eine gute Methode war, die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen. Erste Mutmaßungen, womit sich die Vögel damals angesteckt haben könnten, gingen in Richtung einer Infektion mit Bakterien oder Trichomonaden (Parasiten). Der Nabu sammelte Daten über die Sichtung von kranken Vögeln und ließ tote Vögel in Laboren untersuchen.

Inzwischen hat der Nabu die Daten ausgewertet und einen Rückblick auf die Ergebnisse im Jahr 2020 vorgelegt: Bis Ende 2020 wurden über 24 000 Verdachtsmeldungen der Epidemie aus ganz Deutschland abgegeben. Mehr als 400 tote Vögel wurden untersucht und werden es weiter. Das Ergebnis: Ziemlich genau die Hälfte der bisher beprobten Vögel sei an einer Infektion mit dem in Deutschland neuartigen Bakterium „Suttonella ornithocola“ gestorben, meldet der Nabu. Dieses wurde somit als Auslöser der Epidemie identifiziert.

Das bisher vor allem aus Großbritannien bekannte Bakterium befällt fast ausschließlich kleine Meisenarten wie die Blaumeise und verursacht Lungenentzündung. Ein großer Teil der übrigen Vögel sei einem Schädeltrauma, etwa durch den Anflug gegen eine Glasscheibe, erlegen.

„Die Epidemie begann im März, hatte um den 10. April ihren Höhepunkt und war Ende April schon fast wieder vorbei“, erklärt der Nabu. „Da die Krankheit saisonal im Frühjahr auftritt, ist aber damit zu rechnen, dass im kommenden März und April eine weitere Welle auf die Meisen wartet.“

Hauptsächlich betroffen sei laut Angaben des Naturschutzbunds ein geografischer Streifen von Luxemburg bis Thüringen gewesen sowie vom Ruhrgebiet bis ins nördliche Niedersachsen. Bei der anschließenden Nabu-Vogelzählung, der „Stunde der Gartenvögel“ Mitte Mai, wurden 22 Prozent weniger Blaumeisen gezählt als im Vorjahr und damit so wenige wie noch nie.

Dabei sanken die Zahlen besonders stark in den Gebieten, in denen viele betroffene Vögel gemeldet worden waren.

Der Naturschutzbund bittet aufmerksame Tierfreunde und Gartenliebhaber darum, auch in diesem Frühjahr wieder die Augen auf zu halten und kranke und tote Meisen zu melden. (Von Kristin Weber)

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