„Das Schweigen brechen“

Lern- und Gedenkort in Abteroder Synagoge ist eröffnet

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Vor der ausgestellten Tora-Rolle: Dekan Dr. Martin Arnold, Anna und Manuel Pelz vom Verein „Freundinnen und Freunde des jüdischen Lebens“ im Lern- und Gedenkraum.

Ein Lern- und Gedenkort für jüdisches Leben ist in der ehemaligen Synagoge Abterode eröffnet worden. 

Im Lern- und Gedenkort für jüdisches Leben, der in der ehemaligen Synagoge Abterode eröffnet wurde, können Gruppen von rund 20 Personen, vor allem Schüler, Einblicke in die Zeit bekommen, als Juden und Christen in den Dörfern des Werra-Meißner-Kreises als Nachbarn zusammenlebten.

Medial zeitgemäß aufbereitet am großen Wandbildschirm, können sie historische Fotos betrachten oder Videos mit Zeitzeugenberichten ansehen. Zur Eröffnungsfeier drängten sich mehr als 200 Menschen in den Raum mit den erhaltenen Wandmalereien und zeigten damit, wie groß das Interesse ist und wie wichtig das Thema, denn viele andere Besucher passten gar nicht mehr hinein und mussten in der Kirche auf den nächsten Programmpunkt warten.

Dachstuhl saniert 

Matthäus Mihm hatte das Projekt als Vorstand des Vereins „Aufwind“ einst angestoßen – der Verein hat das Gebäude gepachtet und betreibt im Untergeschoss einen Laden –, jetzt hat Aufwind-Vorstand Andrea Röth das Heft übernommen. Das Lager unter dem Dach wurde leergeräumt, der Dachstuhl fachgerecht saniert und der Lern- und Gedenkort mit Fördermitteln des Modellvorhabens Land(auf)Schwung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft umgebaut und medial eingerichtet.

Inhaltlich hat Dekan Dr. Martin Arnold das Zepter übernommen, der Verein „Freunde und Freundinnen des jüdischen Lebens“, dem er vorsitzt, wird das Projekt tragen, mit Leben und Expertise füllen.

Viele Menschen aus dem Kreis stellten historische Dokumente zur Verfügung, die digitalisiert wurden. „Es hat viel Zeit gebraucht, bis wir über das Thema der einstigen jüdischen Mitbürger im Kreis wieder offen miteinander sprechen können“, sagte Landrat Stefan Reuß. „Jetzt müssen wir das Schweigen brechen.“ 

Der Meinung ist auch Bürgermeister Friedhelm Junghans: „Wenn wir erkennen, dass heute ein Viertel der Bevölkerung antisemitische Gedanken hegt, dann müssen wir sagen: Das ist zu viel!“ Sie alle wollen dem Negativtrend entgegentreten. Ruth Bar Ilan aus Israel, deren jüdische Vorfahren einst in Eschwege gelebt hatten, bedankte sich bei den Machern des Projekts.

Einblicke in das Leben der jüdischen Gemeinde

Dr. Karl Kollmann gab als Historiker Einblicke in das Leben der jüdischen Gemeinde in Abterode im 17. Jahrhundert, während Sabine Knappe im Gemeindehaus einen Imbiss mit jüdischen Spezialitäten zubereitet hatte: Für die musikalische Untermaltung sorgten die „Landstreicher.

Anschließend zeigte die Klezmer-Band „Aufwind“ aus Berlin, die fröhliche Seite der jiddischen Musik bei einem Konzert in der Kirche. Mitwippen war angesagt. Beifall spendete das Publikum am Ende einer rundum gelungenen Eröffnungsfeier.

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