Fund soll teilweise restauriert und ausgestellt werden

Abterode: Verschollene jüdische Schriften aufgetaucht

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Sind voller Freude ob des Fundes: (von links) Dr. Karl Kollmann, der die jüdischen Schriften vor dem Verschwinden 1988 bereits schon einmal gesehen hat, Aufwind-Vorsitzender Matthäus Mihm sowie Dekan Dr. Martin Arnold.

Abterode. Verschollen geglaubte jüdische Schriften und Kultusgegenstände sind jetzt durch Zufall in Abterode wiederentdeckt worden.

Pfarrer Andreas Heimann hatte diese beim Aufräumen des alten Archivs der evangelischen Kirchengemeinde gefunden. Für Dekan Dr. Martin Arnold ist das ein „unglaublicher Glücksfall“. Er wisse nur von einer weiteren solchen Entdeckung dieses Umfangs in Hessen.

Der Fund beinhaltet neben ein- und zweisprachigen Bibelausgaben unter anderem auch eine große Pergamentschriftrolle, die Teil der Esther-Geschichte ist. Die handelt laut Arnold auch davon, wie schwer es jüdische Gemeinden als Minderheiten in der Ferne hatten und sie dennoch dank Gott behütet waren. „Es ist interessant, dass ausgerechnet ein Pergament-Stück mit dieser Geschichte in Abterode gefunden worden ist“, erzählt Arnold und spielt damit auf die Zeit des Nationalsozialismus’ an.

Als zweite große Besonderheit des Fundes nennt er einen Tora-Wimpel, auch Mappa genannt. „Das war das Beschneidungstuch der Jungen, das bestickt wurde“, erklärt der Dekan. Viele persönliche Informationen seien deshalb auf diesem Tuch enthalten, die nun entschlüsselt werden sollen. „Das ist ein interessanter Forschungsansatz.“

Denn wieder in der Versenkung verschwinden sollen die Schriften und die Gegenstände nicht: „Wir würden die gerne von einem Experten sichten, katalogisieren und einzelne Stücke dann restaurieren lassen“, spricht Arnold das weitere Vorgehen an, wie mit dem Fund umgegangen werden soll. Ausgestellt werden könnten die Exponate dann in dem gerade entstehenden Lern- und Gedenkort im Obergeschoss der ehemaligen Synagoge in Abterode, den der Verein Aufwind derzeit aufbaut und im Sommer 2019 eröffnen will. „Der wird sehr eindrücklich werden“, sagt Vereinsvorsitzender Matthäus Mihm. 

In Abterode lebte einst die größte jüdische Gemeinde im Kreis

Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelte sich in Abterode eine kleine jüdische Gemeinde von zuerst sieben Familien. Schnell entstand durch Ansiedlungen die größte Gemeinde in Nordhessen: Bereits im 18. Jahrhundert waren 22 Prozent der Einwohner Abterodes Juden. Sie bauten die noch heute erhaltene Synagoge mitten im Ort. 

Um diese herum spielte sich 1938 ein trauriges Kapitel ab: Am 8. November, einen Abend vor der Reichskristallnacht, versammelte sich eine Menschenmenge vor der Synagoge und verwüsteten das Innere. 1941 wurden die letzten im Ort wohnenden Juden, die nicht ins Ausland geflohen waren, ins Konzentrationslager Riga deportiert.

Verschollene jüdische Schrifte in Abterode gefunden

Seit Jahren verschollen geglaubte jüdische Schriften in Abterode gefunden.
 © Wüstefeld
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Seit Jahren verschollen geglaubte jüdische Schriften in Abterode gefunden.
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Seit Jahren verschollen geglaubte jüdische Schriften in Abterode gefunden.
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