Naturschutzbehörden wollen gegen Verlandung vorgehen

Nur noch 1,30 Meter tief: Frau-Holle-Teich am Hohen Meißner schwindet

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Aussehen vor 100 Jahren: Diese Postkarte mit einer Ansicht vom Frau-Holle-Teich in Richtung Osten stammt höchstwahrscheinlich von 1921.

Der Frau-Holle-Teich auf dem Hohen Meißner droht mehr und mehr zu verlanden und wird über kurz oder lang ganz verschwunden sein.

Das haben limnogeologische Untersuchungen ergeben. Der sagenumwobene Teich ist an seiner tiefsten Stelle nur noch 1,30 Meter tief – 1937 waren es noch 2,60 Meter. Geologen gehen davon aus, dass der See in 100 Jahren verschwunden sein wird. Deswegen planen die Untere und Obere Naturschutzbehörde jetzt, der Verlandung entgegenzuwirken.

Natürliche Prozesse sorgen dafür, dass der See immer kleiner wird, erklärt Geschäftsführer Marco Lenarduzzi vom Geo-Naturpark Frau-Holle-Land, zu dessen Aushängeschildern das Gewässer zählt. Laub fällt in den See, die Röhrichtpflanzen am Ufer beschleunigen zusätzlich die Verschlammung. 

Verlandung hat in vergangenen zehn Jahren zugenommen

Über den Zulauf des Hollebachs werden Sedimente mit eingetragen, heißt es in einer wissenschaftlichen Arbeit der Geografin Julia Sprafke. Gerade in den vergangenen zehn Jahren habe die Verlandung zugenommen. Physikalisch-chemische Analysen der Wasserqualität hatten ergeben, dass der Flachsee ein „intaktes Ökosystem“ vorweise.

„Deswegen und weil der Frau-Holle-Teich kulturell unglaublich wertvoll ist, müssen wir handeln“, erklärt Lenarduzzi. Die Lösung: Der Faulschlamm muss aus dem See – ohne allerdings die Tonschicht zu beschädigen. Das hatte 1938 dazu geführt, dass der See bei Arbeiten unfreiwillig trockengelegt wurde, wie es im Buch von Dr. Karl Kollmann und Stefan Forbert nachzulesen ist.

Zur Rettung des Sees gibt es zwei Möglichkeiten: Ein Schwimmbagger entfernt den Faulschlamm mechanisch. „Der Eingriff wäre aber massiv und teuer“, sagt Lenarduzzi. 220.000 Euro und die Entsorgung der Biomasse stehen zur Debatte. Günstiger wäre es, den Teich biologisch zu entschlammen. Dafür würde dem Wasser Sauerstoff zugeführt. Der Faulschlamm reduziert sich, das Röhricht wird zurückgedrängt. Eine Entscheidung, welche Lösung angegangen wird, fällt nach den Sommerferien. 

Die kulturelle Bedeutung des Sees

Den Sagen nach ist der Frau-Holle-Teich unendlich tief und der Eingang zum Reich der Frau Holle. Hier soll sich ein silbernes Schloss mit Garten und vielen Blumen sowie Obst und Gemüse befinden, die sie vor allem an Frauen und Mädchen verschenkt. Lange hielt sich der Glaube, dass aus dem „Hollenteich“ die kleinen Kinder kommen und die Seelen der Verstorbenen in seine Tiefen zurückgeführt werden.

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