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Ukraine-Russland-Krieg: Menschen und Institutionen aus dem Werra-Meißner-Kreis beziehen Stellung

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Von: Emily Spanel, Konstantin Mennecke, Jessica Sippel

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Demonstranten mit Nationalflagge der Ukraine am Kanzleramt in Berlin: Wenige Stunden nach dem russischen Angriff auf die Ukraine fanden am Donnerstag Mahnwachen und Demonstrationen bundesweit statt.
Demonstranten mit Nationalflagge der Ukraine am Kanzleramt in Berlin: Wenige Stunden nach dem russischen Angriff auf die Ukraine fanden am Donnerstag Mahnwachen und Demonstrationen bundesweit statt. © Foto: john macdougall/Afp

Russland ist in die Ukraine einmarschiert, in Europa ist ein Krieg ausgebrochen. Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis beziehen Stellung zu diesem Konflikt.

Werra-Meißner – Der Krieg in der Ukraine hat Menschen auf der ganzen Welt erschüttert – ebenso im Werra-Meißner-Kreis. Wir haben die Landrätin Nicole Rathgeber, Sprecher der Bürgermeister Friedel Lenze, Friedensaktivist Wolfgang Lieberknecht, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft sowie Bundestagsabgeordneten Michael Roth und Dekanin Ulrike Laakmann um eine Stellungnahme gebeten.

Kundgebung in Eschwege

Gegen den Krieg in der Ukraine gibt es heute, 25. Februar, am Eschweger Stad um 15 Uhr eine Kundgebung.

Die Landrätin Nicole Rathgeber

„Erschüttert über die Tatsache, dass Russlands Präsident Putin einen vollkommen ungerechtfertigten Angriffskrieg in Europa begonnen hat“, ist Nicole Rathgeber, Landrätin des Werra-Meißner-Kreises. „Meine Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine, die jetzt um ihre Freiheit und ihr Leben fürchten müssen. Die Menschen dort verdienen unsere volle Solidarität“, erklärt sie auf Anfrage unserer Zeitung. „Ich bin mir sehr sicher, dass Präsident Putin nicht für alle Menschen in Russland spricht. Viele Menschen dort sehnen ich schon lange nach echter Demokratie und persönlicher Freiheit.“ Genau diese Werte verachte Putin zutiefst, das habe er jetzt auf schlimmste Weise bewiesen.

„Unsere Antwort kann aber nicht nur die Solidarität mit dem ukrainischen Volk sein, der unverzeihliche Angriff auf das Völkerrecht kann nicht hingenommen werden. Es muss nun entsprechende Sanktionen geben“, erklärt Nicole Rathgeber. Präsident Putin müsse deutlich spüren, dass die Demokratien dieser Welt eine solche Aggression nicht hinnehmen können und werden.

Der Angriff der russischen Armee zeige eindeutig, wie gefährlich die Machtansprüche von Autokraten für den Frieden seien und er werde zugleich zeigen, dass die Demokratien in Europa und im Rest der Welt wehrhaft sind und die Freiheit zu verteidigen. „Auch wenn Sanktionen für uns in Deutschland Belastungen mit sich bringen werden, so sind sie doch alternativlos, denn, wenn wir jetzt nicht ein klares Stopp-Zeichen setzen, dann ist unser aller Freiheit langfristig gefährdet.“

Nicole Rathgeber
Landrätin Nicole Rathgeber © Stefanie Salzmann

Die Kreisversammlung: Friedel Lenze

Auch Friedel Lenze, Sprecher der Kreisversammlung Werra-Meißner, sagt, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nach Innen und nach Außen täglich verteidigt werden müssen. „Wir alle hatten die Hoffnung, dass durch internationale Zusammenarbeit so stabile Kooperationen entstehen, dass keine Kriegsgefahr mehr droht“, sagt er.

Seit dem Zweiten Weltkrieg herrsche in Westeuropa Frieden, Deutschland habe das Geschenk der Wiedervereinigung erhalten. Er sorge sich nun um den Frieden in Europa. „Wir alle sind über die derzeitige Erfolglosigkeit der Diplomatie enttäuscht, entsetzt und fühlen uns ohnmächtig. Wir sorgen uns um die Menschen in der Ukraine, Belarus und Russland und fürchten eine größere Ausweitung“, sagt Lenze.

Friedel Lenze, Sprecher der Kreisversammlung
Friedel Lenze, Sprecher der Kreisversammlung © Tobias Stück

Wolfgang Lieberknecht: Internationale Friedensfabrik Wanfried

Der Angriff Russlands wird viele Menschleben kosten und verletzt internationales Recht, sagt Wolfgang Lieberknecht von der Internationalen Friedensfsabrik in Wanfried. Als Putins Beweggründe erklärt er, die westlichen Staaten hätten einst versprochen, die NATO nicht über Deutschland hinaus auszudehnen. In der Charta von Paris sei 1990 der Aufbau einer Sicherheitsarchitektur zudem mit Russland beschlossen worden.

„Nach der Auflösung des Warschauer Pakts wurde dieses Versprechen aber gebrochen. Russland glaubt, sich nicht auf internationale Abmachungen verlassen zu können, sondern nur auf eigene militärische Stärke“, sagt der Friedensaktivist. In Europa koste das jetzt viele Menschenleben. Die Sanktionen hätten bei uns nicht nur wirtschaftliche Folgen, betont Lieberknecht, auch die Atomwaffen bedrohen das Überleben der Menschheit.

„Wir brauchen jetzt Friedensinitiativen, die von unten die Menschen zusammenbringen. Wir müssen selbst Vertrauen zwischen den Völkern aufbauen – nicht nur wegen des Konflikts in der Ukraine. Ein noch größerer militärischer Konflikt zwischen den USA und China zeichnet sich bereits ab.“

Wolfgang Lieberknecht, Internationale Friedensfabrik Wanfried
Wolfgang Lieberknecht, Internationale Friedensfabrik Wanfried © Archiv: Funk

Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner

Die wirtschaftliche Auswirkung des Krieges auf den Kreis hängt entscheidend davon ab, welche Sanktionen es noch geben wird, sagen Lars Kleeberg und Peter Döring von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Allein die Ankündigung der bisherigen Sanktionen habe die Märkte in Unruhe versetzt

„Die eingeleiteten und anstehenden Sanktionen beeinflussen aufgrund der globalen Verflechtungen letztendlich auch die heimische Wirtschaft, indem unter anderem Energie- und Rohstoffpreise weiter steigen und Lieferengpässe zunehmen. Der Russland-Ukraine-Konflikt wird damit zum Inflationstreiber.“  esp/jes Foto: salzmann, stück, funk, WFG

Lars Kleeberg, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung
Lars Kleeberg, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung © Wirtschaftsförderung

Bundestagsabgeordneter Michael Roth (SPD): Tiefer Respekt gilt Menschen in Ukraine

„Ich bin schockiert von den Ereignissen in der Ukraine, mit denen der Krieg zurückgekehrt ist auf unseren Kontinent. Dies ist ein schwarzer Tag für Europa und eine tiefe Schande für den russischen Herrscher Putin“, erklärt Michael Roth (SPD), heimischer Bundestagsabgeordneter und seit dem vergangenen Jahr Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses in Berlin. „Meine Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei allen Bürgerinnen und Bürgern in der Ukraine, die Angst um ihr Leben und die Sicherheit ihrer Familien, ihrer Freundinnen und Freunde haben. Ihnen und den Menschen im östlichen Europa, die in Freiheit und Sicherheit leben wollen, gilt meine volle Solidarität.“

Nach der furchtbaren Rede von Montagabend, in der Putin mit Lügenmärchen die Grundlage für diesen Angriff geschaffen habe, lasse er nun Panzer, Raketen und Soldaten sprechen. „Verantwortlich für dieses Verbrechen ist alleine er. Darunter leiden werden aber viele tausend Menschen. Es war richtig, dass die Bundesregierung in sehr enger Abstimmung mit ihren europäischen Partnern schon nach den Ankündigungen von Montag schwerwiegende wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland auf den Weg gebracht hat“, bekräftigt Michael Roth. „Ich bin sicher, dass die EU gemeinsam mit den anderen Nato-Verbündeten nun sehr schnell weitere empfindliche Strafmaßnahmen beschließen wird, die vor allem das System um Wladimir Putin ins Mark treffen werden.“

Es könne nicht sein, dass diejenigen, die von Putins Machenschaften profitierten, bei uns ungestört Bankgeschäfte tätigten, Luxuswohnungen kauften oder unsere Badestrände und Skigebiete genießen könnten.

„Mein tiefster Respekt gilt den Menschen in der Ukraine, die sich trotz der deutlichen Anzeichen für einen russischen Einmarsch nicht haben provozieren lassen. Ich möchte appellieren, dass wir uns in Deutschland viel stärker in ihre Lage hineinversetzen, denn sie mussten schon seit vielen Jahren in Angst vor Russlands Aggression leben und sind nun diejenigen, die sich völlig unverschuldet in einem Kriegsgebiet wiederfinden. Ihnen sollten heute unsere Gedanken und unsere Unterstützung gelten.“

Michael Roth
Michael Roth (SPD), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis 169. © Christophe Gateau/dpa

Dekanin Ulrike Laakmann, Kirchenkreis Werra-Meißner

Die Situation in der Ukraine ist seit dem frühen Donnerstagmorgen Thema in der hessischen Kirche. „Wir haben mit einem Friedensgebet eröffnet“, sagt Dekanin Ulrike Laakmann vom Evangelischen Dekanat Werra-Meißner, die unsere Anfrage während einer Konferenz der Dekaninnen und Dekane aus dem Nordbereich der Landeskirche erreicht.

In Witzenhausen wurde bereits in dieser Woche bei den Montagsgebeten mit Bitten für den Frieden für die Menschen in der Ukraine gebetet. „Und so zünden wir eine Kerze an – für Menschen in der Ukraine und in Russland – gerade jetzt. Für Menschen, die in dieser Welt auf der Flucht vor Gewalt und Unrecht, Armut und Krankheit Hilfe und Heimat suchen“, hieß es dazu vor der Liebfrauenkirche. „Ich denke an Menschen in der Ukraine und in Russland – und auch an ihre Angehörigen in unseren Gemeinden und bete für alle, die sich auch jetzt noch für Verhandlungen und Frieden einsetzen“, sagt Ulrike Laakmann.

Die Kirchen im Werra-Meißner-Kreis haben sich zudem dem Aufruf der evangelischen Kirche in Hessen angeschlossen, um 12 Uhr die Glocken landesweit für den Frieden läuten zu lassen. Die Kirchengemeinden selbst laden die Gemeinde auch weiterhin zu Friedensgebeten ein.

Ulrike Laakmann
Ulrike Laakmann, Dekanin © Privat

Weitere Infos zum Krieg und den Entwicklungen in der Ukraine gibt es regelmäßig in unserem News-Ticker.

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