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Milchpreis auf Rekordhoch - Landwirte profitieren aber kaum

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Symbolbild Kuh Milch Milchpreise. Das Bild zeigt einen Melkroboter des Königswälder Landwirts Alexander Wetzel.
Der Preis-Abstand von der Bio-Milch zur konventionellen Milch beträgt nur noch wenige Cents. Das Bild zeigt einen Melkroboter des Königswälder Landwirts Alexander Wetzel. © Eberth, Carolin

Werra-Meißner – In den vergangenen Wochen sind die Milchpreise in Deutschland stark gestiegen und erreichten ein Rekordhoch.

Dabei handelt es sich um eine Parallelentwicklung zu den steigenden Betriebskosten, sagt Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Werra-Meißner. Er erklärt, dass höhere Milchpreise nicht automatisch bedeuten, dass die Landwirte mehr Gewinn machen. Vor allem Strom und Transport stellen für Betriebe mit Milchvieh hohe Kostenfaktoren dar. Pro Milchkuh müsse ein Landwirt etwa 25 Tonnen an Futter und weitere zirka 25 Tonnen an Ausscheidungen transportieren. Steigende Dieselkosten würden sich entsprechend stark zeigen.

Höhere Kosten für Strom machen sich laut Roth dadurch bemerkbar, dass Melkmaschinen betrieben und die Milch mit Kühlanlagen konstant auf vier Grad Celsius gekühlt werden muss. Rund 50 000 Kilowattstunden Strom benötigt Andreas Thiele aus Oberhone nach eigenen Angaben im Jahr für seinen Betrieb mit rund 100 Kühen plus weiblicher Nachzucht. „Milchproduktion ist sehr stromintensiv“, erklärt er. Hinzukommen laut Thiele höhere Kosten für Maschinen, Dünger, Spritzmittel für die Landwirtschaft und die Bezahlung von Lohnunternehmern. Dürreperioden im vergangenen Jahr hätten sich durch das Zukaufen von Futter zusätzlich darauf ausgewirkt.

„Es ist nicht so viel mehr übrig geblieben“, sagt er mit Blick auf die höheren Milchpreise und die gleichzeitig gestiegenen Kosten in anderen Bereichen. Er erinnert sich an Zeiten 2016, in denen der Milchpreis unter 30 Cent pro Liter gelegen habe. Diesel, Strom und Maschinen hätten allerdings ebenfalls weniger gekostet. Rückblickend spricht Thiele von einem guten Jahr. Den Preis für einen Liter Milch an „Thiele’s Milchtankstelle“ hat er im April 2022 von einem Euro pro Liter auf 1,20 Euro angehoben und werde ihn vorerst so belassen. Dies Milchtankstelle mache nur einen kleinen Anteil aus. Etwa 860 000 Liter Milch hat der Hof 2022 abgegeben. Im Dezember 2022 bekam er 61 Cent pro Kilo Milch von der Molkerei DMK in Erfurt. Die Preise bei der Molkerei fallen laut ihm für Januar wieder um zwei Cent. Die Kosten zu decken sei dabei noch möglich.

Erfreulich sei laut Roth, dass es seines Wissens nach keine Landwirte im Kreis gebe, die ihren Milchbetrieb aufgeben wollen. Dennoch liege die Zahl der milchviehhaltenden Betriebe im Kreis unter 100.

60,6 Cent pro Kilo waren Höchststand

Bis Oktober 2022 sind die Milchpreise in Deutschland stark angestiegen. Zeitweise lag der durchschnittliche Preis in Deutschland laut Ife-Institut bei 60,6 Cent pro Kilo. Das Ife-Institut geht davon aus, dass der Milchpreis nun zu Jahresbeginn sinken werde. Drei wichtige Indikatoren hierfür sind laut Agrarheute neben dem Rohstoffwert die Preise, die am Spotmarkt gezahlt werden, und der Börsenmilchwert aus den Preisen für Butter und Magermilchpulver.

Von Eden Sophie Rimbach

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