Schmarotzerpflanze steht nicht unter Naturschutz

Weihnachtsbrauch: Die Mistel ist auf dem Vormarsch

In den Pappeln: Im Werratal haben sich Laubholzmisteln zu Hauf in hohen Bäumen angesiedelt, hier entdeckt auf einer Werra-Insel in Bad Sooden-Allendorf.
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In den Pappeln: Im Werratal haben sich Laubholzmisteln zu Hauf in hohen Bäumen angesiedelt, hier entdeckt auf einer Werra-Insel in Bad Sooden-Allendorf.

Werra-Meißner – Küssen unter Mistelzweigen, die in der Wohnung aufgehängt sind, gehört zu den Weihnachtsbräuchen in den USA und England. Auch in unseren Breiten wird die Mistel als ein schmückendes Element zu Weihnachten immer beliebter.

Die Nutzung und der Handel zu kommerziellen Zwecken dieser immergrünen Pflanze, die im Winter auch blüht, ist stark eingeschränkt. Dabei ist das Ernten von Misteln derzeit verlockend, eben wegen Weihnachten. Überall ist die Mistel im Werratal zu finden. Zumeist aber doch in eher nicht erreichbaren Höhen. Denn sie wächst nur auf Bäumen und nicht auf der Erde.

Bevorzugte Wirtspflanzen sind Apfelbäume, Linden, Ahorn, Pappeln und Robinien. Laubholzmisteln besitzen keine Wurzeln, sondern nur eine Art Anker, der sich in die Wirtspflanze bohrt. Als Halbschmarotzer entziehen sie ihnen so Wasser, Mineralien und Nährstoffe, erzeugen mit ihren grünen Blättern eigene Nährstoffe.

Seit rund 20 Jahren ist die Mistel in unserer Region stark verbreitet, sagt der Eschweger Naturschützer Dr. Jörg Brauneis. Als Ursachen für die Ausbreitung würden mehrere Faktoren verantwortlich gemacht, zählt der die Klimaerwärmung und die zunehmend heißen und trockenen Sommer ebenso auf wie die Vermutung, dass die Schmarotzerpflanze von vielen, alten Obstbäumen in den Gemarkungen nicht mehr regelmäßig entfernt werden. In Streuobstbeständen, sagt Brauneis, könnten Misteln schon zum Problem werden.

Übrigens: Kirschbäume würden laut Literatur übrigens nicht von Misteln befallen, was ja für die vielen alten Kirschbäume rund um Witzenhausen nicht uninteressant ist.

Besonders in Flussauen wie an der Werra sind Misteln in diesen Tagen in den laublosen Bäumen gut zu entdecken. Denn neben dem Anspruch an bestimmte Bäume ist die Mistel auf eine hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen. Die Mistel bevorzugt geschützte Lagen. An ihren Vorkommen bildet sie oft größere Bestände auf einem oder mehreren Bäumen aus.

Gelegentlich können Misteln lokal gehäuft vorkommen und viele Bäume verletzen. Den stark betroffenen Bäumen bei Bad Sooden-Allendorf und auch zwischen Wanfried-Aue und Meinhard-Frieda beispielsweise bereiten sie keine Probleme.

Die Mistel ist laut Bundesartenschutz-Verordnung nicht besonders geschützt. Sie darf also geerntet werden. „Werden nur geringfügige Mengen gesammelt, bestehen aus naturschutzrechtlicher Sicht keine Bedenken“, sagt Kreis-Sprecherin Sylvia Weinert. Für den gewerbsmäßigen Verkauf braucht man eine Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde.

Zwei Faktoren muss man aber im Umgang mit Misteln beachten: 1. Schneidet man die Misteln auf fremden Grundstücken, ist es Diebstahl. 2. Man darf den Baum beim Abschneiden nicht verletzen. (Stefan Forbert/Tobias Stück)

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