Vorkommen der Schmarotzerpflanze steigt im Kreis

Misteln mögen milde Winter - Warum man sie trotzdem nicht einfach abschneiden darf

Klassiker: An Pappeln in Flussauen – wie hier zwischen Aue und Frieda (Hintergrund) – gedeihen Misteln besonders gut.
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Klassiker: An Pappeln in Flussauen – wie hier zwischen Aue und Frieda (Hintergrund) – gedeihen Misteln besonders gut.

Überall ist im Werratal die Mistel, eine Schmarotzerpflanze, zu finden. EInfach so abschneiden darf man sie aber nicht.

Werra-Meißner – Die Nutzung und der Handel zu kommerziellen Zwecken ist stark eingeschränkt. Dabei ist das Ernten von Misteln derzeit verlockend. Überall ist die Schmarotzerpflanze im Werratal zu finden. Das Vorkommen von Misteln hat sich in den vergangenen 25 Jahren stark erhöht. Das bestätigt der Kreisvorsitzende der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) Wolfram Brauneis. Einfach so Abschneiden darf man sie aber nicht.

Rechtliches

Die Mistel ist laut Bundesartenschutz-Verordnung nicht besonders geschützt. Sie darf geerntet werden. „Werden nur geringfügige Mengen gesammelt, bestehen aus naturschutzrechtlicher Sicht keine Bedenken“, sagt Kreis-Sprecherin Sylvia Weinert.

Für den gewerbsmäßigen Verkauf braucht man eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde.

Zwei Faktoren muss man aber beachten: 1. Schneidet man die Misteln auf fremden Grundstücken, ist es Diebstahl. 2. Man darf den Baum beim Abschneiden nicht verletzen.

Verbreitung

Brauneis macht die Klimaerwärmung für diesen Prozess verantwortlich. „Misteln mögen milde Winter“, sagt Brauneis.

Besonders in Flussauen wie an der Werra sind sie in diesen Tagen in den laublosen Bäumen zu entdecken. Neben dem Anspruch an bestimmte Bäume ist die Mistel auf eine hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen. Sie kommt daher in Flusstälern und an Auen verstärkt vor. Sie bevorzugt geschützte Lagen.

An ihren Vorkommen bildet sie oft größere Bestände auf einem oder mehreren Bäumen aus. Gelegentlich können Misteln – etwa in Flusstälern – lokal gehäuft vorkommen und viele Bäume verletzen. Für die stark betroffenen Bäume zwischen Aue und Frieda bereiten die Misteln keine Probleme. „Wir müssen nicht eingreifen“, sagt Revierförster Hermann Müller.

Eigenschaften

Die Mistel wächst nur auf Bäumen und nicht auf der Erde. Bevorzugte Wirtspflanzen sind Pappeln oder Linden. Sie besitzt keine Wurzeln, sondern nur eine Art Anker, der sich in die Wirtspflanze bohrt.

Als Halbschmarotzer entzieht sie ihm so Wasser, Mineralien und Nährstoffe, erzeugen mit ihren grünen Blättern eigene Nährstoffe. Die Pflanze ist immergrün und blüht auch im Winter.

Heilpflanze

Die Mistel spielt laut Natur-Lexikon vor allem in der Krebstherapie eine wichtige Rolle – auch wenn sie immer noch kontrovers diskutiert wird. Etwa 40 bis 50 Prozent der Krebspatienten erhalten heute eine komplementäre Misteltherapie. Meist wird sie begleitend zu einer konventionellen Therapie wie Chemotherapie, Strahlentherapie oder Operationen eingesetzt.  ts

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