Hessen Forst hatte in den Schlierbach eingeladen

Mit hopp, hopp durchs Brombeergestrüpp - Als Treiber auf der Treibjagd

Aufgeregt: Die Hunde können den Start des Treibens kaum erwarten. Die Hundeführer statten ihre Tiere mit leuchtenden Schutzwesten und GPS aus.
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Aufgeregt: Die Hunde können den Start des Treibens kaum erwarten. Die Hundeführer statten ihre Tiere mit leuchtenden Schutzwesten und GPS aus.

Kein Anblasen, kein Halali und keine Ansprache – jagdliches Brauchtum bleibt 2020 auf der Strecke, als sich die rund 90 Schützen, Hundeführer und Treiber auf Einladung von Hessen Forst zu einer der größten Treibjagden des Jahres am Fuße des Schlierbachwaldes versammeln.

Eschwege - Statt Waidmannsheil heißt es Listen ausfüllen, Abstand halten, Maske tragen und auf Order warten, wo man sich einzufinden hat.

Trotz des Fehlens jedweder Feierlichkeit und feuchtkalter Temperaturen knapp über Null-Grad sirrt die Luft vor Erwartung und Aufregung, flankiert vom ungeduldigen Bellen der Hunde. Bis alle rund 90 Jäger auf ihren Hochsitzen über den ganzen Schlierbach verteilt im Wald Platz genommen haben, Hundeführer samt ihrer Tiere startklar sind, vergehen mehrere Stunden.

Während die Jäger warten, kommen die Treiber ins Schwitzen

Und dann ist plötzlich alles auf den Beinen: Hunde und knallorange gekleidete Treiber beginnen aus allen Richtungen den Wald in breiten Reihen zu durchlaufen. Das dauernde laute Rufen von „Hopp, hopp, hopp“ soll nicht nur das Wild auf die Beine bringen, sondern den Jägern auch immer signalisieren, wo die Treiber sind. Denn Schüsse fallen alle paar Minuten – mal aus dieser, mal aus jener Richtung.

Während die Jäger am grauen Dezembermorgen fröstelnd auf Wildschweine und Rehwild warten, kommen die Treiber ordentlich ins Schwitzen. Denn im Schlierbach geht es nicht fröhlich über raschelndes Herbstlaub, sondern bergauf und bergab nicht selten durch dichtes Brombeergestrüpp und unwilliges Unterholz. Was den Hunden mühelos gelingt, wird für manch menschlichen Treiber zur Stolperfalle. Und der Treibjagdneuling hört auf, sich zu wundern, warum die Profis Helme mit Visier beim Treiben tragen.

„Sauen nach rechts“

Mit einer Mischung aus Jagdfieber und Todesangst vor einem möglicherweise schlecht gelaunten Keiler oder Querschläger kämpfen sich die Neulinge aus dem Jungjägerkurs durch den Wald – die Worte des erfahrenen Hundeführers im Ohr: „In 95 Prozent der Fälle weichen die Schweine dem Menschen aus.“ Für das Restrisiko von fünf Prozent weist er auf das riesige Jagdmesser an seinem Gürtel und lacht verwegen.

In Orange: Die Treiber sind in leuchtenden Neonfarben gekleidet, um immer gesehen zu werden.

Die fünf Prozent sind vergessen, als das erste Mal der Ruf „Sauen nach rechts“ ertönt und zwei Stücke Schwarzwild aus dem dichten Unterholz rasen und über den nächsten Hang flüchten. Die Schüsse folgen einige Minuten später.

Treibjagdneuling geht verloren

Währendessen ist ein Treibjagdneuling aus dem Jägerkurs verloren gegangen, sein Hilferuf hat das Handy noch erreicht, antworten ist unmöglich, der Schlierbach ist funknetzfrei. Der Mann taucht später unversehrt wieder auf, verlassen von seiner Gruppe hat er Schutz unterm Hochsitz eines Jägers gesucht.

Augen auf heißt es nicht nur für Jäger, sondern auch für die Treiber.

Um 14.30 Uhr ist die Jagd zu Ende, die Hundeführer sammeln ihre Hunde wieder ein, deren Position sie dank GPS-Sender permanent kennen. Für die Jungjäger-Anwärter heißt es nun, zu lernen wie erlegtes Wild aufgebrochen wird. Die Jäger haben das längst erledigt – doch auch das traditionelle Streckelegen fällt in diesem Jahr aus, ebenso wie das sogenannte Schüsseltreiben nach der Jagd, das gemeinsame Trinken und Essen. Wenn auch nicht gelegt, gibt es natürlich eine Strecke: 63 Rehe und 58 Wildschweine. (Stefanie Salzmann)

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