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Mobbing verschärft sich: Schikane dringt durch das Internet stärker in Privatsphäre ein

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Jugendlicher Betroffener von Cybermobbing.
Cybermobbing unter Jugendlichen wird zum immer größeren Problem – oft mit schwerwiegenden Folgen. © imago/Symbolbild

Werra-Meißner – Für die Schüler im Werra-Meißner-Kreises hat vorigen Montag wieder die Schule begonnen. Manche besuchen mit ungutem Gefühl den Unterricht.

Offizielle Zahlen darüber, wie viele von ihnen von Mobbing und Schulangst betroffen sind, gibt es zwar nicht. Aber: „Nach Einschätzung der Fachkräfte und nach der Auswertung von Beratungsanfragen an die Sozialarbeit an Gesamtschulen hat sich das Problem in den vergangenen Jahren in Intensität und Anzahl deutlich verschärft“, teilt der Kreis mit.

Birgit Reppmann ist Schulpsychologin des Staatlichen Schulamts für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg und den Werra-Meißner-Kreis. Sie erklärt, dass Mobbing unter Schülern aller hessischen Schulen und in jeder Schulform eine Rolle spielt. Die Schulen im Aufsichtsbereich des Schulamtes würden sich intensiv damit auseinandersetzen. Wichtig sei nicht nur fachkundige Intervention, sondern vor allem Prävention. Laut Kreis seien bereits in den unteren Klassen Inhalte zum sozialen Lernen, wie sie gerade die Schulsozialarbeit biete, wichtig. Diese würden zu einer guten Klassendynamik beitragen, in der jedes Kind seinen Platz finde: „Herrscht ein Klima des gegenseitigen Respekts und der Achtsamkeit, wird Mobbing nicht stattfinden.“

Es kommt häufiger zu Cyber-Mobbing

Reppmann verweist auf Programme wie „Gemeinsam Klasse sein“, das sich an fünfte Klassen richtet. Sie erklärt, dass kleinere Gemeinheiten und Hänseleien zu Mobbing werden können, wenn sie in einer nicht gefestigten Klassengemeinschaft nicht gestoppt werden. Manchmal entstehe es aus einem Konflikt heraus, der sich verfestigt und in den andere Personen eingebunden werden.

„Durch die technische Entwicklung des vergangenen Jahrzehnts kommt es zusätzlich häufig zu Cyber-Mobbing“, teilt der Kreis mit. In diesem Fall findet Mobbing im Internet statt. Die Mechanismen und Folgen beschreibt Reppmann als identisch. Hinzukomme jedoch, dass Betroffene auch zuhause nicht mehr sicher sind. Mobbing über Soziale Medien dringe noch weiter in den privaten Bereich ein: „Wenn sich Betroffene nicht offenbaren, ist das von außen noch schwerer zu erkennen.“

Auch das Mobbinggeschehen, das ausschließlich in der Schule stattfindet, bleibe oft verborgen. Akteure würden andere Schüler zum Schweigen verpflichten und Betroffene aus Scham nichts sagen. Entwickeln können Betroffene unter anderem eine Schulangst.

Ausgrenzen bis hin zu körperlichen Angriffen

Laut Schulpsychologin Birgit Reppmann handelt es sich bei Mobbing immer um ein Gruppenphänomen. Der Betroffene kann die Situation nicht aus eigener Kraft lösen und erhält keine Hilfe. Dies geschieht über einen längeren Zeitraum. Handlungen, die zu Mobbing zählen, reichen von Ausgrenzen und Ignorieren über Hänselei, Beleidigung, Verleumdung bis hin zu Beschädigen oder Wegnehmen von Gegenständen, Bedrohungen und körperlichen Angriffen.

Von Eden Sophie Rimbach

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