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Holzige Biomasse kostet im Moment Geld - nur fünf Prozent der Mengen fließen in energetische Verwertung

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Von: Stefanie Salzmann

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Der Sammelplatz Holzige Biomasse in Meißner-Vockerode. Dort lagern etwas 100 Tonnen Baum- und Strauchschnitt.
Der Sammelplatz Holzige Biomasse in Meißner-Vockerode. Dort lagern etwas 100 Tonnen Baum- und Strauchschnitt. © Salzmann, Stefanie

Das Projekt der Holzigen Biomasse – ein Modellvorhaben des Werra-Meißner-Kreises zur Verwertung von Baum- und Strauchschnitt – ist nach drei Jahren Umsetzungsphase längst nicht dort, wo es sein sollte.

Werra-Meißner - „Energiepolitisch konnten wir die ursprünglichen Pläne bisher nicht verwirklichen“, sagt Friedhelm Junghans, Vorsitzender des Abfallzweckverbandes (AZV) im Kreis und damit zuständig für die 13 dem Verband angehörenden Kommunen (außer Eschwege, Sontra und Witzenhausen) im Kreis.

Denn vor allem das zunächst vorrangigste Ziel des Modellvorhabens – den anfallenden Baum- und Strauchschnitt zu sammeln und konzentriert als Energieträger für Strom und Heizungen zu verwerten – ist gescheitert. „Das liegt in erster Linie an der schlechten Qualität des Materials“, sagt Junghans. Das Schnittgut sei zu dünn, um in Heizkraftwerken verwendet werden zu können. Diese müssten zudem regelmäßig und verbindlich beliefert werden. „Das können wir gar nicht leisten.“

Aktuell werden lediglich fünf Prozent des gesammelten Schnittgutes energetisch verwertet. Der Rest wurde im Wesentlichen kompostiert, zehn Prozent als Einstreu in der Landwirtschaft verwendet. Im Jahr 2021 wurden im Kreis 787 Tonnen der sogenannten Holzigen Biomasse gesammelt – durch private Anlieferer und die Bauhöfe der Kommunen. Gekostet hat das im vergangenen Jahr rund 140 000 Euro. Positiv sei, dass das Angebot, Baum- und Strauchschnitt kostenlos abgeben zu können, von den Bürgern gut angenommen werde. „Dass wir damit Geld verdienen, davon müssen wir uns wohl verabschieden“, sagt der Verbandsvorsitzende. Dabei schränkt Junghans allerdings ein: „Das ist alles Abfall. Und Abfallentsorgung kostet eben.“

Zugleich stellen die Sammelplätze, die in jeder der 13 Mitgliedskommunen des AZV (außer in Meinhard) in den letzten Jahren eingerichtet wurden, Probleme dar. Denn nur für sechs Plätze – in Reichensachsen, Herleshausen, Hessisch Lichtenau, Bad Sooden-Allendorf, Großalmerode und Waldkappel – gibt es die Genehmigung, dass das Material auch vor Ort geschreddert werden darf. Das Sammelgut der sieben anderen Sammelplätze muss mit vielen Lkw-Ladungen an Aufbereitungsplätze wie zum Beispiel nach Eschwege transportiert werden, um dort verarbeitet zu werden. „Auch das ist eigentlich ökologischer Wahnsinn“, sagt Junghans.

Projekt ist Investition in die Zukunft

Auch wenn sich die Ziele des Modellvorhabens „Holzige Biomasse“ im Werra-Meißner-Kreis vor allem in puncto der energetischen Verwertung in den vergangenen drei Jahren nicht wie geplant umsetzen ließen, gebe es doch nach Ansicht von Kreisumweltdezernent Rainer Wallmann durchaus Erfolge. „Wir haben mit den Sammelplätzen eine gute Infrastruktur für die Zukunft geschaffen“, sagte Wallmann am Donnerstag, als er gemeinsam mit der Grünen- Landtagsabgeordneten und energiepolitischen Sprecherin der Fraktion, Kaya Kinkel, den Sammelplatz bei Meißner-Vockerode besuchte. Dort lagern aktuell um die 100 Tonnen Baum- und Strauchschnitt, die nach dem Sommer nach Eschwege zum Schreddern transportiert werden müssen.

Wallmann verteidigte das Modellvorhaben auch gegen die vielfach geäußerte Kritik der vielen Transportfahrten -– sowohl der privaten Anlieferer als auch der Transporte zu den Aufbereitungsstellen. „Die Transportwege wären eh angefallen, stattdessen wurde das Material aber früher verbrannt. Jetzt wird es energetisch oder auch stofflich als Dünger in der Landwirtschaft verwertet. „Das ist allemal besser, als alles zu verbrennen“, so Wallmann.

Er räumte aber ein, dass vor allem die Genehmigungsverfahren für die Sammelplätze eine große Hürde darstellen. Viele Plätze befinden sich im Außenbereich, deshalb darf dort nicht geschreddert werden. „Wenn wir das Material dort bereits verwerten, wo es anfällt, kommen wir schneller einer Lösung näher.“ Diese Botschaft richtete er auch an Kaya Kinkel, die das Problem in die Landesregierung tragen soll.

Angesicht der aktuellen Energiekrise gehen Wallmann und Junghans allerdings davon aus, dass auch die technische Entwicklung zur Verwertung von Holziger Biomasse – auch schlechterer Qualität – jetzt massiv an Fahrt aufnehmen werde.

Auch im Zuge von Quartierssanierungen und geplanten Nahwärmenetzen gebe es viel Potenzial für die Holzige Biomasse. „Deshalb müssen wir das Projekt weiterentwickeln“, sagte Wallmann.

Die Kosten

Bis auf die Gemeinde Meinhard sind in allen Städten und Gemeinden des Abfallzweckverbandes Sammel- und Verwertungsplätze eingerichtet. In Waldkappel, Großalmerode, Wehretal und Bad Sooden-Allendorf laufen die immissionsschutzrechtlichen Verfahren für die Sammel- und Aufbereitungsplätze. Das RP fordert für diese Plätze zusätzliche Lärmschutzgutachten. Diese sind beauftragt; Kosten: zirka 11 000 Euro. Für Wehretal liegt bereits ein positives Ergebnis vor. Die Gesamtkosten des Projektes Holzige Biomass in 2021 betrugen 140 000 Euro und verteilen sich wie folgt:

. 104 000 Euro für Transport, Behandlung und Verwertung

. 30 000 Euro Verwaltungskostenerstattung an Mitgliedskommunen

. 3000 Euro Genehmigungsgebühren für Plätze

. 2000 Euro zusätzliche Planungskosten in Waldkappel.

Für 2022 finden die Sammlungen von Baum- und Strauchschnitt am 29. Oktober und 5. November statt.

(Stefanie Salzmann)

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