Drei Funkamateure aus dem Raum Eschwege beherrschen die Kommunikationsform

Morsen ist Kulturerbe

Morsetelegrafie ist seit diesem Monat immaterielles Kulturerbe: Hartmut Vogt aus Eschwege beherrscht diese Fähigkeit noch. Auf dem Bild ist er mit Mikrofon und Morsetaste an seiner Kurzwellenfunktstation zu sehen. Foto: privat

Wanfried. Das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes hat die heutzutage für kommerzielle Zwecke nicht mehr praktizierte Morsetelegrafie als Erbe aufgenommen.

Insgesamt wurden 27 Anträge gestellt, darunter zum Beispiel. die Schwäbisch-Alemannische Fastnacht, der Rheinische Karneval, die Genossenschaftsidee oder die Deutsche Brotkultur. Mit dem erfolgten Eintrag ist nun auch die Morsetelegrafie als Kulturerbe anerkannt.

Im Eschweger Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Clubs beherrschen und praktizieren noch drei Funkamateure die Kommunikationsform im manuellen „Geben“ und „Hören“ von Morsezeichen.

Überwiegend im Kurzwellenbereich können mit kleinsten Sendeleistungen weltweite Verbindungen auch unter Störungseinflüssen oder Störsendern ermöglicht werden.

Dr. Michael Ludwig aus Eschwege, Martin Steyer aus Eltmannshausen und Hartmut Vogt aus Wanfried haben den Schwerpunkt ihrer Freizeitaktivitäten als lizensierte Funkamateure auf diese Funkbetriebsart gelegt. Sie sind jeweils im Besitz eines international gültigen Rufzeichens der Bundesnetzagentur, mit dem sie nach einer Prüfung die Genehmigung erlangt haben, weltweite Verbindungen im Kurzwellenfrequenzbereich mit anderen Gleichgesinnten in der Welt durchführen.

Sie gehören damit zu der einzig verbliebenen Personengruppe, die in Deutschland das Morsen mit ihren Kurzwellensendern und Empfängern noch am Leben erhält.

Immer weniger Spezialisten

Auch weltweit gibt es immer weniger Spezialisten die noch diese Kommunikationsfähigkeit beherrschen. Alle drei haben das Morsen im Eschweger Ortsverband des Amateur-Radio-Clubs schon vor Jahrzehnten erlernt. Hartmut Vogt hat die Telegrafie noch in den sechziger Jahren beim Bundesgrenzschutz in Eschwege als Wehrdienstleistender praktiziert. Der Morsefunkverkehr zwischen den damaligen Grenzschutzgruppen und dem Innenministerium war mit dieser Übertragungsmethode damals noch an der Tagesordnung.

Die Eschweger Funkamateure freuen sich über die nun erfolgte offizielle Anerkennung als immaterielles Kulturgut, denn genau genommen ist das Morsen der Beginn des Grundprinzips moderner Digitaltechnologie, so Martin Steyer. Ergänzend erläutert Dr. Michael Ludewig, dass durch nur zwei Zustände kurzer und langer Zeichen das Morsen mittlerweile seit 150 Jahren die wirkliche erste Digitaltechnologie ist.

Für künftige Generationen

Im Antrag zur Aufnahme ging es vor allem darum, die Kenntnisse der Morsetelegrafie, die nach ihrer weltweiten Bedeutung als verbreitetste Langstreckenkommunikationsform des 19. und 20. Jahrhunderts heute nur noch bei Funkamateuren zu finden ist, auch für künftige Generationen zu erhalten. (red)

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