Einige Kommunen melden Anstieg an illegalen Ablagerungen

Zahl der Müllsünder steigt im Werra-Meißner-Kreis

Müll und Schutt in rauhen Mengen: In der Gemeinde Wehretal hat sich die Menge des abgelagerten Mülls deutlich erhöht – Für die Verwaltung bedeutet dies einen deutlich höheren Arbeitsaufwand.
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Müll und Schutt in rauhen Mengen: In der Gemeinde Wehretal hat sich die Menge des abgelagerten Mülls deutlich erhöht – Für die Verwaltung bedeutet dies einen deutlich höheren Arbeitsaufwand.

In einigen Kommunen des Kreises steigt die Zahl des illegal abgelagerten Mülls.

Werra-Meißner – Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen haben dazu geführt, dass zahlreiche Menschen ihre Freizeit genutzt haben, um auszumisten. Der Müll landete anschließend aber nicht nur auf der Deponie, einige Kommunen im Kreis melden auch mehr illegale Ablagerungen. Dazu kommt, dass vom Zweckverband Abfallwirtschaft seit 2021 erstmals eine Gebühr für die Sperrmüllabholung erhoben wird.

Großalmerodes Bürgermeister Finn Thomsen berichtet, dass es in den vergangenen Jahren neben den üblichen Ansammlungen in Form einzelner Säcke circa drei größere Vorfälle gab. „Im ersten Halbjahr 2021 waren es bereits vier größere Ansammlungen.“ Hierbei habe es sich allerdings weniger um Sperrmüll, sondern mehr um Bauschutt, Haus- und Mischmüll gehandelt. Mit vielen wilden Müllablagerungen habe die Hessisch Lichtenauer Verwaltung schon seit Jahren zu tun, sagt Bürgermeister Michael Heußner. Durch die Kostenpflicht des Abfallzweckverbands zum Abtransport von Sperrmüll sei diese nicht signifikant gestiegen. „Hauptproblem sind die Abfälle aus den Schnellrestaurants, die sich an den verschiedensten Stellen wiederfinden und ,in guter Absicht‘ abgelegter Grünschnitt.“

Einen aktuell extremen Anstieg an Biomüll gibt es auch in Sontra, teilt Bürgermeister Thomas Eckhardt mit. Dieser sei möglicherweise den Wetterverhältnissen in diesem Jahr geschuldet.

Eine Zunahme beobachtet auch Waldkappels Bürgermeister Frank Koch – vor allem an Elektroschrott, Altreifen und Hausmüll. Insgesamt seien es 40 bis 50 Prozent mehr als bisher. Wehretals Bürgermeister Timo Friedrich berichtet von einem deutlichen Anstieg gegenüber den Vorjahren an kleineren, vor allem aber größeren Mengen an Sperrmüll in Wald und Flur.

Mehrere hundert Kilo Müll sind bei den jüngsten beiden Vorfällen von illegaler Entsorgung zusammengekommen, berichtet Wehretals Bürgermeister Timo Friedrich.

Auf die Mitarbeiter des Bauhofes komme damit reichlich Mehrarbeit zu. Sie sammeln den Müll ein und bringen ihn zur Deponie. Wird ein Müllsünder festgestellt, so kommt laut Friedrich ein Ordnungswidrigkeitenverfahren auf diesen zu. Das bedeute Mehraufwand für die Verwaltung – auch durch das Einziehen des Bußgeldes durch die Kasse, vor allem, wenn dann noch ein Mahnverfahren oder eine Stundung kommen.

Sontras Bürgermeister Thomas Eckhardt berichtet, dass der Zeitaufwand zur Entsorgung des Mülls „bedauerlicherweise kontinuierlich“ zunehme. Waldkappels Bürgermeister Frank Koch beziffert den Mehraufwand für den Bauhof mit rund 20 Stunden im Gegensatz zu den Vorjahren sowie für das Ordnungsamt mit 3 Stunden. Großalmerodes Bürgermeister Finn Thomsen ergänzt, dass auch die Ermittlungsarbeit Aufwand verursache, „auch wenn nur äußerst selten ein Verursacher gefunden werden kann“.

Für Eschwege sagt Bürgermeister Alexander Heppe, dass auf mehr Kontrollen und Ortsbegehungen gesetzt werde, „die auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre und bereits vorgefundener illegaler Ablagerungen beruhen“. In Eschwege würde nach dem pandemiebedingten großen häuslichen Ausmisten 2020 in diesem Jahr die illegalen Ablagerungen wieder leicht sinken – das berichtet Bürgermeister Gerhold Brill auch für Meinhard.

Zweckverband

Die Anzahl der Anträge zur Sperrmüllabholung wurden 2021 – dem ersten Jahr, in dem Gebühren fällig wurden – bisher geringer, allerdings in höherem Umfang als die jeweilige Menge.

Wie Friedhelm Junghans, Meißners Bürgermeister und Vorsitzender des Zweckverbands Abfallwirtschaft, berichtet, gab es etwa von April bis Juni vergangenen Jahres 2257 Sperrmüllaufträge, 2021 waren es im Vergleichszeitraum 958 – das sind knapp 58 Prozent weniger. Allerdings waren es 2020 in der Menge 578 Tonnen im Gegensatz zu diesem Jahr mit 352 Tonnen und damit gut 39 Prozent weniger.

Dass während der Corona-Pandemie der Trend zum Entrümpeln zunahm, lassen laut Junghans die Sperrmüllabholungen 2019 und 2020 vermuten. Während es 2019 noch 9441 Aufträge waren, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 10 836 und damit knapp 14,8 Prozent mehr. Um knapp 13,9 Prozent stieg die Menge an. 2019 waren es 2528 Tonnen, im vergangenen Jahr 2879.

„Eine deutliche Steigerung der gesammelten und verwerteten Abfallmengen lässt sich auch bei den Elektro-Altgeräten feststellen“, so Junghans. 2019 waren es 274 Tonnen und 2020 dann 391 Tonnen – eine Steigerung um 42,7 Prozent. Der Trend setze sich auch 2021 fort, bisher seien bereits 188 Tonnen gesammelt worden (2019: 129 Tonnen, 2020: 176 Tonnen).

Selbstanlieferung

Auch legal entsorgter Müll wurde mehr. Gabriele Maxisch von der Kreisverwaltung berichtet, dass 2020 an die Deponie Weidenhausen 26 Prozent mehr Müll aus Haushalten und Gewerbebetrieben angeliefert wurde als 2019. Auch für dieses Jahr sei eine Steigerung zu erwarten.

2020 wurden rund 358 Tonnen Sperrmüll von Privathaushalten und Gewerbebetrieben selbst an der Deponie in Weidenhausen angeliefert, berichtet Gabriele Maxisch von der Kreisverwaltung. Das waren 26 Prozent mehr als 2019 mit rund 284 Tonnen. Als Grund wird die durch die Corona-Pandemie gestiegene An zahl an Entrümpelungen vermutet.

Von Januar bis Juli 2021 wurden rund 229 Tonnen Sperrmüll angeliefert. Hochgerechnet auf das Jahr ist laut Maxisch erneut mit einer knapp zehnprozentigen Steigerung zu rechnen – wohl geschuldet den erstmals erhobenen Gebühren. (nde)

Sperrmüll-Abholung kostet 30 Euro

13 der 16 Gemeinden im Werra-Meißner-Kreis sind im Zweckverband Abfallwirtschaft. Nicht dabei sind Eschwege, Witzenhausen und Sontra. Zu Anfang des Jahres wurde im Zweckverband neu eingeführt, dass für die Entsorgung von Sperrmüll jeweils 30 Euro Anmeldegebühr anfallen. Eschwege hat auch zu 2021 eine Gebühr für die Sperrmüll-Abholung in Höhe von 30 Euro eingeführt, in Witzenhausen besteht diese schon länger. In Sontra ist die Abholung noch kostenfrei. (nde)

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