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Musikschule in Eschwege: Noch keine Lösung für das Defizit

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Von: Tobias Stück

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Braucht Unterstützung: die Musikschule Werra-Meißner.
Braucht Unterstützung: die Musikschule Werra-Meißner. © Tobias Stück

Bei einer Eingliederung der Musikschule Werra-Meißner in den Eigenbetrieb Volkshochschule (VHS) steht ein Defizit von rund 400 000 Euro zu Buche.

Eschwege – Das hat der Leiter des Eigenbetriebs, Matthias Schulze, errechnet und im Finanzausschuss des Kreistags vorgestellt. Gleichermaßen wurden die Kosten vorgestellt, die bei einer Beibehaltung der Musikschule als Verein mit Honorarerhöhungen für die Mitarbeiter entstehen werden.

Vorgeschichte

Der Musikschule Werra-Meißner fällt es schwer, Musikpädagogen zu binden, weil sie wesentlich geringere Honorare zahlen als vergleichbare Musikschulen in der näheren Umgebung. Deswegen entsandte Leiter Ulrich Bernhard ein Gesuch an den Werra-Meißner-Kreis, unter dessen Dach aufgefangen zu werden. Seit Jahresanfang laufen nun Gespräche, wie diese Integrierung vonstattengehen könnte. Vier Szenarien wurden dem Finanzausschuss im Juni vorgestellt. Den Modellen kommunaler Zweckverband und GmbH wurde bereits eine Absage erteilt. Der Vorsitzende des Finanzausschusses Karl Jeanrond forderte mehr Details, die jetzt vorgestellt wurden.

Eigenbetrieb

Die Musikschule würde eine eigene, fünfte Sparte im Eigenbetrieb Volkshochschule werden, führte Betriebsleiter Schulze aus. Er rechnet mit 2,3 Stellen in Leitung und Verwaltung, 6,5 Vollzeitstellen unter den Musikpädagogen und 16 Lehrern auf Honorarbasis.

Dadurch würden Personalkosten von 864 000 Euro entstehen. Das sei eine Steigerung von 370 000 Euro zu den bisherigen Personalkosten der Musikschule aus dem Jahr 2021 (+ 60 Prozent). Unter dem Strich blieben für den Werra-Meißner-Kreis Kosten von 394 500 Euro, die nicht gedeckt seien, berichtet Schulze. Das letzte Defizit der VHS habe bei 29 000 Euro gelegen, mit der Musikschule seien es insgesamt 423 000 Euro.

Finanzierungsmöglichkeiten dieses Defizits seien die Dividende der EAM, ein höherer Zuschuss durch den Werra-Meißner-Kreis, Rücklagen des Eigenbetriebs, eine höhere Beteiligung der Kommunen oder weitere alternative Ideen.

Zusatzeinnahmen

Die Bemühungen der Musikschule, zusätzliche Einnahmen zu generieren, stellte Landrätin Nicole Rathgeber vor. Die frühkindliche musikalische Bildung könnte verstärkt werden, Musikunterricht am Nachmittag an den Regelschulen des Kreises angeboten werden, der Instrumentalunterricht auf mehrere Standorte im Kreis erweitert werden und Musik für Senioren, insbesondere Demenzkranke, angeboten werden.

Verein

Das Modell, das Frederik Geier aus der Verwaltungsleitung vorstellte, sieht eine Honorarsteigerung von 37 Prozent ab dem Jahr 2023 für die Musikpädagogen vor. Das würde dann 90 Prozent dessen entsprechen, was Angestellte nach dem Tarifvertrag Öffentlicher Dienst (TVÖD) verdienen würden.

184 000 Euro pro Jahr müssten nach Geiers Berechnung zugeschossen werden. Nicht inbegriffen ist die Lohnsteigerung für Verwaltungs- und Leitungspersonal. Diese Kosten werden nachgereicht. Vorteil des Vereinsstatus: Weiterhin könnten Förderer und Sponsoren eingebunden werden. Die Musikschule würde weiterhin attraktiv für Spender bleiben. Im Gegensatz zur Integration in den Eigenbetrieb VHS wären hier die Verwaltungskosten niedrig.

In einer nächsten Sitzung sollen Für und Wider der beiden vorgestellten Formen verglichen werden. Bis Jahresende soll eine Entscheidung im Kreistag herbeigeführt werden. Die Überführung der Musikschule Werra-Meißner in eine andere Rechtsform würde frühestens 2024 greifen.

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