Nach der Ölkrise war Schluss

Günter Homeier und Stefan Koch erinnern an Eschweger Firma Keller und Prahl

Vergangene Zeiten: Günter Homeier (rechts) als Lehrling im Zeichensaal der Konstruktionsabteilung mit (von links) Chefingenieur Fritz Renke und Konstruktionsleiter Karl Gothe.
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Vergangene Zeiten: Günter Homeier (rechts) als Lehrling im Zeichensaal der Konstruktionsabteilung mit (von links) Chefingenieur Fritz Renke und Konstruktionsleiter Karl Gothe.

In diesem Jahr wäre die Eschweger Firma Keller und Prahl 100 Jahre alt geworden. Wir blicken auf die Historie.

Eschwege - Gegründet wurde sie 1921 von dem Ingenieur Karl Keller, der mit seiner Familie von Hanau nach Eschwege gekommen war. Bis 1976 stellte der Maschinenbauer vor allem Spezialmaschinen für das Lackieren von Drähten sowie Maschinen für das Beschichten beziehungsweise Imprägnieren von Papier her – zuerst mit Schellack, später mit Kunststoff.

In der aktuellen Ausgabe der Eschweger Geschichtsblätter haben Günter Homeier, der bis 1976 als Leiter der Konstruktion in der Firma arbeitete, sowie Stefan Koch, der Enkel des Firmengründers, die Geschichte des Betriebs nachgezeichnet.

Die Firmengründung

So begann die Firma in den 1920er-Jahren mit vielversprechendem Wachstum und zog schon 1923 zusammen mit dem neuen Geschäftspartner Bruno Prahl in die Niederhoner Str. 58 in Eschwege ein (wo sich heute Aldi befindet).

Hier konnte die Firma einen nicht fertiggestellten Rohbau einer anderen Firma übernehmen und später auch neue Hallen und Gebäude hinzu bauen. Zunächst stellte der Betrieb für den deutschen Markt her, exportierte aber auch nach Italien, Frankreich, England und in die Sowjetunion.

Im Nationalsozialismus

Während des Nationalsozialismus brachen die internationalen Kunden jedoch weg. Die Firma belieferte im Zweiten Weltkrieg die deutsche Rüstungsindustrie und beschäftigte Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter, sodass sie 1945 Ziel von Luftangriffen wurde, bei denen die Werkshallen schwer beschädigt wurden.

Nach dem Krieg

Nach dem Krieg übernahm Karl Kellers Ehefrau Gretel die Geschäftsführung, sodass der Betrieb schnell wieder aufgebaut werden konnte, und tatsächlich gelang der erneute Aufschwung. 1958 gab es bereits wieder 120 Mitarbeiter.

Ausbildungsbetrieb

1952 hatte Günter Homeier im Betrieb als Maschinenschlosser angefangen, sattelte dann jedoch um und wurde technischer Zeichner. Ein Bild von damals zeigt ihn als Lehrling im neu gebauten Zeichensaal zusammen mit Chefingenieur Fritz Renke und Konstruktionsleiter Karl Gothe.

Günter Homeier hat die Firmengeschichte aufgeschrieben.

„In den 1950er-Jahren war die Firma Keller und Prahl einer der ersten Lehrbetriebe in Eschwege“, erinnert sich Günter Homeier. „Die anderen Maschinenbauer waren ja noch sehr kleine Firmen, aber wir hatten bereits fünf bis sechs Lehrlinge pro Jahr.“

Konkurrenz

Nach dem Tod von Karl Keller 1963 übernahm dessen Tochter Edith Koch. Ihr Ehemann, Dr. Paul Koch, fuhr schließlich einen harten Sanierungskurs. Zwar vertrieb die Firma ihre Maschinen weltweit erfolgreich, doch der schnelle technische Fortschritt machte es dem kleinen Unternehmen aus Eschwege nicht immer leicht, mit der Konkurrenz mitzuhalten.

Zwischenzeitlich hatte sich die Firma breiter aufgestellt, entwickelte auch Sondermaschinen für die Förderung von Schüttgut, stellte Mixkneter für Großbäckereien her, Brems- und Fahrfunktionsprüfstände für den Kfz-Bereich und sogar Portalkräne für Rolltreppen. „Der Betrieb war ungeheuer vielseitig“, sagt Günter Homeier, der damals die Konstruktionsabteilung übernommen hatte und sich somit auf vielen Feldern ausprobieren konnte.

Niedergang

Doch nach der Ölkrise und Wirtschaftsrezession der 1970er-Jahre musste der Betrieb aufgeben. 1976 meldete die Geschäftsführung Konkurs an. Günter Homeier ging anschließend nach Bad Hersfeld, wo er viele Jahre für die Firma Babcock weltweit im Außendienst tätig war.

Mitarbeitertreffen

Heute ist er im Ruhestand. Zum 100-jährigen Jubiläum von Keller und Prahl würde er jedoch gerne am 1. Dezember 2021 ein Treffen mit ehemaligen Mitarbeitern der Eschweger Firma organisieren. Wer Interesse hat, daran teilzunehmen, kann sich bei ihm unter Tel. 0 56 51/2 16 16 melden.

Info: Der Aufsatz „Keller und Prahl – Maschinen aus Eschwege weltweit gefragt“ ist in den „Eschweger Geschichtsblättern“ 32/2021 erschienen.

(Kristin Weber)

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