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Die Empörung ist groß - erste Meinharder Kunden kündigen Konten

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Von: Stefanie Salzmann

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Seit Donnerstag geschlossen: die Servicestelle der Sparkasse in Grebendorf.
Seit Donnerstag geschlossen: die Servicestelle der Sparkasse in Grebendorf. © Julia Dilling-Neitzel, weber, tobias stück, Privat

Schließung des Sparkassenautomaten in Grebendorf sorgt weiter für Unmut

Grebendorf – Die Schließung des inzwischen zweiten Sparkassen-Geldautomaten in Grebendorf innerhalb eines Jahres (WR berichtete) sorgt auch bei langjährigen Kunden des kommunalen Kreditinstitutes für Unmut. Es gibt Fälle, in denen Konten gekündigt wurden. Die Sparkasse hat den letzten Geldautomaten an der Oberen Dorfstraße in Grebendorf am Donnerstag endgültig geschlossen.

Gerhard Menthe aus Grebendorf hat nicht gezögert, als er das Schreiben der Sparkassen vor einigen Wochen erhielt, in dem ihm als Kunden die Schließung der Grebendorfer Servicestelle – die nicht nur für Bargeld, sondern auch für Überweisungen diente – mitgeteilt wurde. Er hat sein Konto bei der Sparkasse, bei der der 63-Jährige seit Ende der 1980er-Jahre Kunde ist, aufgelöst. „Die Bank kann sich nicht alles erlauben“, sagt Menthe. Unbegreiflich für ihn ist die Argumentation der Sparkasse, dass die Servicestelle nicht ausgelastet sei. „In der Servicestelle in Grebendorf war es immer voll.“

Mit dem gleichen Unverständnis reagiert das Ehepaar Martina und Jochen Jahns aus Grebendorf. „Ich bin schon mein ganzes Leben lang bei der Sparkasse, aber das ist nicht mehr attraktiv“, sagt die 58-jährige Martina Jahns. Eine Möglichkeit, noch Bargeld in Grebendorf zu bekommen, ist der Geldautomat im Edeka – dort kostet die Abhebung jedes Mal 4,50 Euro Gebühren. Erreichbar ist der Automat nur zu den Öffnungszeiten des Supermarktes. Auch an der Kasse kann man sich bis 200 Euro auszahlen lassen – das setzt aber einen Mindesteinkauf im Supermarkt voraus. Darüber hinaus können sich Kunden Bargeld bis zu 500 Euro nach Hause schicken lassen.

Auch Martina Jahns beschreibt die Kundenfrequenz in der Servicestelle als hoch. „Wenn ich da rein bin, habe ich immer viele Menschen angetroffen, Grebendorfer, Leute aus den Bergdörfern, aber auch aus Kella.“ Vor allem für die älteren, immobilen Menschen auf dem Dorf sei die Schließung des Automaten schlimm. „Es gibt so viele alte Leute, die nicht mehr Auto fahren und auch nicht mehr den Bus nehmen können“, sagt sie. Auch das Ehepaar Jahns erwägt, sich von der Sparkasse zu trennen.

Sparkasse: Servicestelle zu wenig ausgelastet

Die deutlich zu geringe Auslastung sei ein Grund für die Stilllegung des Grebendorfer Automaten, teilte die Sparkasse gegenüber unserer Zeitung mit. Die Auslastung liegt laut Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill bei 20 000 Verfügungen im Jahr. Kostendeckend ist ein Geldautomat laut Sparkasse ab 80 000 Verfügungen jährlich. „Die Zahlungsgewohnheiten unserer Kundschaft haben sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt“, sagt Sparkassen-Vorstand Dietmar Janz. Außerdem bestünden Sicherheitsrisiken. Alle Kunden wurden vor einiger Zeit informiert.

Sprechzeiten im Grebendorfer Rathaus noch unklar

Das Angebot der Sparkasse, in den Räumen des Grebendorfer Rathauses einmal wöchentlich eine Sprechstunde für Sparkassenkunden (ohne Geldabhebung und Überweisungen) zu tätigen, nennt Martina Jahns den „blanken Hohn“. „Die Leute wollen nicht reden, die wollen Überweisungen tätigen und Bargeld abholen.“

Bisher entschieden ist über das Angebot der Sparkasse nicht. Denn Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill stellt Forderungen: „Im Sinne der Gleichbehandlung soll die Sparkasse für eine Raumnutzung in der Verwaltung Miete zahlen. Außerdem wollen wir einen Zehn-Jahresvertrag.“ Damit will der Bürgermeister verhindern, dass die Bank nach einem halben Jahr wegen mangelnder Resonanz das Angebot einstellt.

Die Sparkasse hat ein eigenes Konzept: „Wir haben der Gemeinde Meinhard das gleiche Angebot dazu unterbreitet, wie wir es bereits in anderen Kommunen unseres Landkreises praktizieren. Die Annahme des Angebotes liegt in der Hoheit der Gemeindeverantwortlichen“, so Sparkassen-Sprecher Lutz Römer, der das Angebot verteidigt.

„Unsere Beratung einmal pro Woche vor Ort ist aus unserer Sicht gut geeignet, um die wichtigsten Themen auf kurzem Weg auch mal persönlich zu besprechen.“ Im Sinne der Gleichbehandlung werde man Meinhard nicht anders behandeln.

In Weißenborn beispielsweise, wo die Sparkasse ebenfalls im vorigen Jahr den letzten Automaten stillgelegt hat, bietet die Sparkasse jeweils am Donnerstagnachmittag eine dreistündige Sprechstunde im DGH an – ohne Auszahlung, ohne Überweisungen. „Allerdings kann man dem Mitarbeiter seine Überweisungsformulare mitgeben“, sagt Tatjana Sachs von der Gemeindeverwaltung. Bargeld kann man in Weißenborn bei der Bäckerei Stange während der Ladenzeiten bekommen. Auch die bis dato noch mit dem Bürgerbus von Weißenborn erreichbare Sparkassenfiliale in Netra war geschlossen worden. Die Gemeinde hatte eine Resolution eingereicht, ohne Erfolg. Meinhard erwägt Ähnliches.

Gerhard Menthe Empörter Kunde
Gerhard Menthe hat sein Konto bei der Sparkasse Werra-Meißner gekündigt und ist zur Spardabank gewechselt. © Stück, Tobias
Lutz Römer Sparkassen-Sprecher
Lutz Römer Sparkassen-Sprecher © Weber, Kristin

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