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Nach Schockanruf: Geldübergabe am Autofenster vor Bäckerei in Eschwege

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Von: Stefanie Salzmann

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Tatort: im Bereich der Bäckereifiliale Gerlach an der Reichensächser Straße in Eschwege hat am Montag die Geldübergabe stattgefunden.
Tatort: im Bereich der Bäckereifiliale Gerlach an der Reichensächser Straße in Eschwege hat am Montag die Geldübergabe stattgefunden. © STEFANIE SALZMANN

Schockanrufer erleichtern Eschweger um viel Bargeld – anderem Opfer wird Konto geplündert.

Eschwege – Es wird in den Medien hoch und runter vor den perfiden Maschen von Telefonbetrügern gewarnt. Doch trotz der vielen publizierten Beispiele, die sich in der Regel im Ablauf sogar ziemlich ähneln, Warnungen und Tipps und haben die Täter weiterhin Erfolg.

Erst am Montagmittag mündete eine Betrugsmasche in Eschwege vor der Filiale der Bäckerei Gerlach wie in einem schlechten Krimi. Das Opfer, ein 67-jähriger Mann aus Eschwege, reichte eine hohe fünfstellige Bargeldsumme – verpackt in mehrere Briefumschläge – durch die geöffnete Scheibe seines Autos an den kriminellen „Abholer“. Der verschwand danach mit dem Geld in unbekannte Richtung, berichtet die Polizei.

Was war geschehen? Am Montagmorgen hatten die Betrüger telefonisch Kontakt zu dem Eschweger Ehepaar aufgenommen und sich – um der Geschichte mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen – als Angehörige von Polizei und Staatsanwaltschaft aus Kassel ausgegeben. Sie tischten dem Paar die Geschichte auf, dass eine nahe Angehörige des Ehepaares, die einen schweren Verkehrsunfall verursacht habe, bei dem eine Frau samt ihrer Kinder ums Leben gekommen seien. Der Angehörige sitze nun in Haft und würde aber gegen eine Kaution auf freien Fuß gesetzt werden können. Ansonsten drohe eine hohe Haftstrafe.

Den Betrüger gelang es bei dem ersten Telefonat, das zunächst per Festnetz stattfand, den Mann zu überreden mit dem Mobiltelefon die Kommunikation mit den Betrügern fortzusetzen. „Dies führte in der Folge dazu, dass die Betrüger mehr und mehr Einfluss auf ihr Opfer nehmen konnten und dessen Handlung gezielt ‘steuern' konnten‘“, schildert Polizeisprecher Jörg Künstler. Und das gelang. Die Betrüger lotsten den 67-jährigen zu der Bäckereifiliale an der Reichensächser Straße, wo der Mann dann um 13.10 Uhr das Geld übergab. Dass es sich hier um eine Betrugsmasche gehandelt hatte, erkannte das Paar erst, als es die Angehörige, die angeblich den tödlichen Unfall verursacht haben soll, anrief und sich die ganze Geschichte als „Schockanrufmasche“ entpuppte.

Der Täter, der das Geld von dem Mann in Empfang nahm, wird wie folgt beschrieben: zirka 40 Jahre alt ist und am Montag mit einem grauen Kapuzenpullover, einer grauen Jacke und einer schwarzen Hose bekleidet war.

Mithilfe gefragt

Die Kriminalpolizei bittet in dem Fall die Bevölkerung um Mithilfe. Für die Ermittler wichtig sind vor allem verdächtige Beobachtungen am Montag gegen 13.10 Uhr nahe der Bäckereifiliale „Gerlach“ an der Reichensächser Straße in Eschwege. Die Ermittler interessiert dabei, ob der Vorgang eventuell beobachtet wurde und ob der beschriebene Abholer eventuell noch Kontakt zu anderen Personen hatte oder im Nahbereich in ein Fahrzeug gestiegen ist.

Der Bankentrick

Genauso erfolgreich, wenn auch mit einer anderen Masche, waren Betrüger am Wochenende bei einem 43-jährigen Eschweger. Der war am Samstag von einem angeblichen Bankmitarbeiter angerufen worden, der ihn auffordertet einen sogenannten „Push-Tan-Link“ auf eine Internetseite der Bank einzufügen. Bei dieser Internetseite handelte es sich aber um eine Fakeseite, über die die Betrüger dann an sensible Bankdaten ihres Opfers gelangten. Diese Daten nutzen sie dann während des Wochenendes und tätigen zahlreiche Überweisungen vom Konto ihres Opfers und erleichterten den Mann um knapp 10 000 Euro.

Banken und Verbraucherzentralen warnen eindringlich davor, auf solchen Websites Daten einzugeben, weil diese sofort in die Hände von Betrügern gelangen, die im schlimmsten Fall Konten komplett leer räumen.

Hinweise im Fall des Schockanruf-Betruges an die Kripo Eschwege, Tel. 0 56 51/9250.

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