Nachruf auf Naturschützer

Die Natur verliert ihr Sprachrohr: Wolfram Brauneis mit 84 Jahren verstorben

Nie ohne sein Fernglas: Einen Großteil seines Lebens verbrachte Wolfram Brauneis in der Natur. „Nur wenn ich genau weiß, welche Arten wo brüten und Futter suchen, kann ich ihnen helfen“, sagte der Naturschützer einst. Archivfoto: Salewski
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Nie ohne sein Fernglas: Einen Großteil seines Lebens verbrachte Wolfram Brauneis in der Natur. „Nur wenn ich genau weiß, welche Arten wo brüten und Futter suchen, kann ich ihnen helfen“, sagte der Naturschützer einst. Archivfoto: Salewski

Am Donnerstag ist der Naturschützer und Träger des Bundesverdienstkreuzes Wolfram Brauneis im Alter von 84 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Eschwege – Wenn man Wolfram Brauneis erreichen wollte, musste man früh aufstehen – oder Glück haben, dass er für eine kurze Frühstücks- oder Mittagspause mal eben zu Hause war. Denn Brauneis war bis zuletzt für den Naturschutz ständig unterwegs und im Einsatz.

Auszeichnung für Wiederansiedelung des Wanderfalken

Sein Leben und Lebenswerk galt dem Schutz der Natur. Er war ihr Sprachrohr und setzte sich für sie ein wie kein Zweiter. Dass er sich dabei nicht nur Freunde machte, war ihm klar. Er habe unbequeme Positionen vertreten, sagte er einmal selbst. Zusammen mit anderen Naturschutzverbänden war Brauneis beispielsweise maßgeblich daran beteiligt, dass die Autobahn 44 ein wenig naturverträglicher gebaut wurde. Auch gegen den Braunkohleabbau am Meißner setzte er sich ein. Zu den ruhmreichen Errungenschaften seines Schaffens zählten die Wiederansiedlung des Wanderfalken und die Schaffung von Biotopverbünden in den Werraauen.

Bundesverdienstkreuz für Wetterbeobachtungen

Das Bundesverdienstkreuz wurde ihm überraschenderweise für seine Mitarbeit als ehrenamtlicher Beobachter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) verliehen. Dabei hatte er sich aber auch auf die Tier- und Pflanzenwelt konzentriert. Brauneis hat über vier Jahrzehnte die Eintrittszeiten verschiedener Vegetationsstadien von Wildpflanzen, der Forst- und Obstgehölze sowie der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen ermittelt, notiert und an den Deutschen Wetterdienst weitergeleitet.

Geboren wurde Brauneis am 25. Oktober 1936 in Schwepnitz bei Dresden. Mit seinem Großvater lernte er in der Oberlausitz die Tier- und Pflanzenwelt kennen und schätzen. Die Aufstände in der DDR 1953 veranlassten ihn, in den Westen zu gehen. 1956 kam er nach Eschwege, erlernte den Beruf des Bäckers und Konditors und arbeitete im Café Heinemann in Eschwege und in der Bäckerei Schill in Frankershausen.

Einsatz für Werra und gegen Windkrakftanlagen

Sein Wissen über die Natur eignete er sich selbst an. Zu verdanken hat er das seinen unzähligen Beobachtungen. „Nur wenn ich genau weiß, welche Arten wo brüten und Futter suchen, kann ich ihnen auch helfen“, sagte er einst. Seine Expertise hatte sich schnell herumgesprochen und war in der gesamten Republik gefragt. Gerade die Vögel hatten es dem Naturschützer angetan. Über sie hat er fast ein Dutzend Bücher verfasst. Für die Auswilderung des Wanderfalken erhielt er mit seinen Mitarbeitern den Landesnaturschutzbrief. In den vergangenen Jahren setzte er sich besonders für die Verbesserung der Wasserqualität der Werra und gegen den Bau von Windkraftanlagen im Meißnervorland und im Ringgau ein, die zahlreichen Vögeln das Leben kosten würde.

Brauneis hinterlässt seine Frau Marieanne und die Familien seiner beiden erwachsenen Kinder. (Tobias Stück)

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