Wolfsmanagement wird niemandem gerecht

Kreis-Bauernverband: „Naturschutz wegen Wolf in Gefahr“

Jeden Morgen mit Bauchschmerzen zur Weide: Landwirt Kurt Schüler aus Wölfterode kontrolliert inzwischen zweimal täglich den Strom der Zäune um die Mutterkuhweiden seiner Herford-Rinder.
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Jeden Morgen mit Bauchschmerzen zur Weide: Landwirt Kurt Schüler aus Wölfterode kontrolliert inzwischen zweimal täglich den Strom der Zäune um die Mutterkuhweiden seiner Herford-Rinder. 

Kritik und klare Forderungen zum Umgang mit dem Wolf in Hessen formuliert der Kreisbauernverband Werra-Meißner.

Wölfterode - Der kürzlich von Hessens Umweltministerin Priska Hinz (B90/Grüne) vorgelegte Wolfsmanagementplan zeige deutlich, dass der Ministerin weder die Landwirte noch der Tierschutz von Weidetieren wichtig seien, so die Verbandssprecherin Stefanie Wittig.

Der Verband fordert, dass die Erfassung von Wolfsrissen und das Monitoring der wachsenden Wolfspopulation in Hessen unbürokratisch funktionieren müsse. Zudem müsse die Beweislast umgekehrt werden.

Beweislast von Wolfsriss muss umgekehrt werden

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Welt und Geologie (HLNUG), das zuständig für die genetische Beprobung und Erfassung ist, müsse beweisen, dass es sich bei Weidetierrissen nicht um dem Wolf gehandelt habe. Nicht umgekehrt – wie die Praxis derzeit – betroffene Weidetierhalter den Wolfsnachweis erbringen müssten. Denn nur bei dem Nachweis, der aufgrund äußerer Einflüsse oft nicht erbracht werden kann, fließen auch Entschädigungszahlungen an die Weidetierhalter.

Ausgenommen von Entschädigungen sind bisher allerdings Rinder- und Pferdehalter. Zum sogenannten Grundschutz ihrer Tiere sind sie aber verpflichtet.

So wie Kurt Schüler aus Sontra-Wölfterode, der seit gut 20 Jahren Herford-Rinder züchtet. Auf seinen Weiden, die sich alle im Ein-Kilometer-Radius um den kleinen Ort befinden, stehen 20 Mutterkühe mit sieben Kälbern, im Juli und August folgen 14 weitere Kälber.

Bauer rüstet auf eigene Kosten auf

Schon im vorigen Jahr, als sich die Wolfssichtungen und Übergriffe bei Blankenbach und Wölfterode häuften, hat der Nebenerwerbslandwirt technisch auf eigene Kosten aufgerüstet. Auf 1,20 Meter Höhe sind inzwischen ein Teil seiner Weiden eingezäunt – mit je zwei starken Stahldrähten und zwei Litzen unter Strom.

„Das habe ich gemacht, damit ich nachts halbwegs ruhig schlafen kann“, sagt Schüler. Inzwischen fahren er oder seine Frau morgens und abends die Weiden ab, um den Strom zu kontrollieren. „Vor allem morgens hab ich immer Bauchschmerzen, wenn ich rausfahre.“ Denn nicht alle seiner Flächen kann der Rinderhalter so aufwendig einzäunen. Das geben weder Geländestruktur noch der Boden her. Und auch darin liegt ein Kernpunkt der Kritik des Kreisbauernverbandes.

„Ohne die sichere Haltung von Weidetieren wird die gesamte Naturschutzarbeit von Jahrzehnten zerstört“, sagt Stefanie Wittig. Denn auf vielen schwer zugänglichen Flächen sei Landschaftspflege nun mal nur durch Beweidung möglich. Könne die nicht mehr stattfinden, würde die hiesige Kulturlandschaft verbuschen oder einfach wieder Wald werden. Auch Kurt Schüler schüttelt über die „Wolfsromantik“ den Kopf: „Die Verbraucher fordern Fleisch aus Weidetierhaltung, aber zugleich soll sich der Wolf ausbreiten – das passt hinten und vorne nicht.“

Wolf soll ins Jagdrecht aufgenommen werden

Seiner Ansicht nach solle der Wolf auch in Hessen ins Jagdrecht aufgenommen werden, um problematische Tiere entnehmen zu können, seine Vertreibung müsse erlaubt sein. Denn allein über Entschädigungen – auch wenn sie für alle kommen – sei das Problem nicht zu lösen. „Ich weiß nicht, was ich tue, wenn da plötzlich drei tote Kälber liegen. Aufgeben vielleicht.“ (Stefanie Salzmann)

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