Nebulöses Kreuz gibt Wehretalern Rätsel auf

Auf dem Spitzenberg steht ein Holzkreuz, an dem auch der Coronaopfer gedacht wird

Ein Holzkreuz steht auf einer Wiese zwischen Bäumen.
+
Ein Holzkreuz bei Reichensachsen beschäftigt Kirche, Gemeinde und Vereine. Woher es kommt und wer es aufgestellt hat, ist unklar.

Im Wald bei Reichensachsen in der Gemeinde Wehretal steht ein mysteriöses Holzkreuz in der Nähe des Wichtelbrunnens.

Wehretal – Warum es dort steht und wer es aufgestellt hat, wissen weder der stellvertretende Dekan Ralph Beyer, die Mitglieder des Werratalvereins Reichensachsen und Eschwege die den Wichtelbrunnen betreiben, noch das Forstamt Wehretal. Auch Bürgermeister Timo Friedrich ist ratlos. „Wir wissen nicht, wer es dort aufgestellt hat.“

Das rätselhafte Kreuz entdeckt hatten Wanderer, die über den Stahrenberg bei Reichensachsen unterwegs waren. So auch Reinhardt Siegel vom Werratalverein Reichensachsen, der vermutet, dass das über zwei Meter große Holzkreuz seit dem dritten Advent dort steht. Und Siegel hat noch mehr beobachtet. „An dem Kreuz ist ein Kästchen, in dem ein Buch liegt. Dort schreiben die Menschen rein, dass sie vor Ort waren, sie erinnern aber auch an die Opfer der Coronakrise“, berichtet der Reichensächser.

Kreuz darf bleiben

Ob das Kreuz auch als Mahnmal für die, die an und mit Covid-19 gestorben sind, erinnern soll, ist unklar. Doch auch wenn die Rechtmäßigkeit des errichteten Gedenkortes fraglich bleibt, hat Bürgermeister Timo Friedrich zunächst keine Einwände gegen dessen Weiterbestehen.

„Wir dulden das Kreuz zunächst, solange wir kein Hintergrundwissen haben. Es sieht ja auch sehr professionell errichtet aus“, stellt Friedrich anhand von „Beweisfotos“ fest. Am Wochenende will sich der Bürgermeister aber auch noch einmal persönlich ein Bild vor Ort machen.

Sollte das Kreuz vor allem im Gedenken an die Coronaopfer aufgestellt worden sein, sehen das die Vertreter des Kirchenkreis Werra-Meißner kritisch. „Es wird ja am Ende eines jeden Gottesdienstes gebetet, da haben auch die Corona-Opfer eine Rolle“, erklärt Pfarrerin Sieglinde Repp-Jost, von der Eschweger Stadtkirchengemeinde. Es sei wichtig, auch an medizinisches Personal und Angehörige von Corona-Erkrankten zu denken. Repp-Jost hält einen speziell Corona gewidmeten Gedenktag bisher für nicht zwingend notwendig. „Am Ewigkeitssonntag wird dann auch der Toten gedacht, die mit und an dem Coronavirus gestorben sind.“

Trauer ist privat

Aktuell sieht Pfarrerin Repp-Jost stattdessen die Unterstützung von Angehörigen und Hinterbliebenen als zentral an. Das Bedürfnis der Menschen nach persönlichem Austausch und Kontakt sei gerade sehr prägnant, so die Pfarrerin. Zurzeit sei deshalb das Einrichten einer Telefonseelsorge im Gespräch.

Die Betreuung und Begleitung auch indirekt von der Coronapandemie Betroffener sieht auch Ralph Beyer, stellvertretender Dekan im Werra-Meißner-Kreis als wesentlich an. „Wir unterstützen ältere Menschen in Altenheimen, Menschen die trauern und junge Menschen, die Wege durch die Krise suchen“, führt Beyer an. Hilfreich seien unter anderem Nachbarschaftshilfe und helfende Hände, erklärt er. Ganz gleich, ob Einkaufshilfen oder ein offenes Ohr für die Nöte und Sorgen der Mitmenschen – Beyer schaut auf die Solidarität seit Beginn der Pandemie im Kreis zurück und ist sich sicher, dass diese Maßnahmen gerade am wirkungsvollsten Hilfe leisteten.

Das Gedenken an die Verstorben der Coronakrise sieht Beyer dagegen, wie auch Repp-Jost, zunächst im Privaten. Gemeinschaftliches Gedenken an die Toten der Corona-Krise sieht der stellvertretende Dekan eher kritisch. „Dann müssten wir uns fragen, für wen zum Beispiel Kreuze stehen. Nur für jene die an Corona starben oder wie definieren wir dieses Gedenken“, fragt Beyer. Stattdessen sieht er die individuelle Trauer am Grab eines jeden Verstorbenen. „Ob es einmal einen Gedenkort für die Zeit der Pandemie geben wird, kann sich erst in einem späteren Miteinander finden“, schließt Beyer ab.

Von Kim Hornickel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.