Vor allem Großkunden betroffen

Negativzinsen jetzt bei fast allen Banken im Werra-Meißner-Kreis

Schlechte Nachrichten für Sparer: Wer mehr als 100.000 Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten hat, muss darauf Zinsen zahlen.
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Schlechte Nachrichten für Sparer: Wer mehr als 100.000 Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten hat, muss darauf Zinsen zahlen. Sparbücher sind ausgenommen.

Mit Ausnahme der Sparda-Bank erheben seit diesem Monat alle mit Filialen vertretenen Banken im Werra-Meißner-Kreis Negativzinsen auf Tagesgeldkonten und Verwahrgebühren auf Girokonten.

Das ergab eine Umfrage unserer Zeitung.

Die VR-Bank-Mitte, die sich lange dagegen gewehrt hatte, informierte ihre Mitglieder vergangene Woche über diesen Schritt, Deutsche Bank und Postbank zogen am Montag nach. Die Sparkasse Werra-Meißner erhebt die Zusatzkosten schon seit Dezember 2019, da kein Ende der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank in Sicht ist.

Den Großteil der sogenannten „kleinen Sparer“ und anderen Bestandskunden betrifft das aber noch nicht: Bislang müssen sich aber bei allen Banken nur sehr vermögende Kunden und Neukunden auf die Zusatzkosten von minus 0,5 Prozent pro Jahr einstellen – die meisten Banken haben für Neukunden einen Freibetrag von 100 000 Euro. Erst auf weiteres Guthaben werden Negativzinsen oder Verwahrentgelte fällig. Zudem sprechen alle Banken ihre Groß- und Firmenkunden gezielt an, um ihnen renditeträchtigere Angebote zu machen und Gebühren zu vermeiden, sagt etwa eine Sprecherin der Commerzbank auf Anfrage. Auf Sparbücher dürfen keine Verwahrentgelte erhoben werden, erklärt VR-Bank-Sprecher Florian Hartleib.

„Aktuell liegt die Zahl der Kunden, welche ein Verwahrentgelt zahlen, im niedrigen zweistelligen Bereich“, sagt Lutz Römer, Sprecher der Sparkasse Werra-Meißner. Dabei habe „mehr als jeder zweite Bürger“ im Landkreis ein Konto bei der Sparkasse. Bei der VR-Bank Mitte, deren Geschäftsgebiet sich über vier Landkreise erstreckt, seien zehn Prozent der insgesamt 40 000 Kunden aus dem Werra-Meißner-Kreis betroffen, sagt Hartleib.

Seit Beginn der Corona-Pandemie bemerken vor allem die lokal verwurzelten Geldinstitute, dass bei ihnen die Nachfrage nach neuen Konten steigt oder mehr Geld bei ihnen angelegt wird. „Das ist eine sehr ähnliche Entwicklung, wie wir sie bereits in anderen Krisensituationen erlebt haben, etwa in der Finanzkrise 2008“, sagt Sparkassen-Sprecher Römer. VR-Bank-Sprecher Hartleib sieht bei manchen Kunden auch ein Versuch, ihr Geld auf mehrere Banken zu verteilen, um sich abzusichern – und im Fall von Wohlhabenden vielleicht auch das Bemühen, die Freibetragsgrenzen für die Negativzinsen zu umgehen. 

EZB will Konjunktur ankurbeln

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte 2014 den Einlagezins auf null Prozent, 2019 gar auf minus 0,5 Prozent: So sollen Kredite günstiger, Investitionen in Wirtschaft, Immobilien und Infrastruktur attraktiver werden. Gut für Häuslebauer, unattraktiv für Sparer. „Haben Banken mehr Einlagen als sie Kredite vergeben, legen sie das Geld bei der EZB an und müssen einen Strafzins – minus 0,5 Prozent – zahlen“, so Patrick Walter (VR-Bank) – eine Milliardenbelastung für Banken.

Eine Übersicht über die Regelungen der einzelnen Banken im Kreis lesen Sie in unserer Donnerstagsausgabe.

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