Er überzeugte mit Blumen

65 Jahre verheiratet: Schreivogels feiern Eiserne Hochzeit

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Mit Schleier vor den Trau-Altar: Am 5. Juli 1952 wurden Marianne und Siegfried Schreivogel in Berlin-Friedenau getraut.

Neu-Eichenberg. Kennengelernt haben sich Siegfried und Marianne Schreivogel 1949 in einem Berliner Kino, wo sie zufällig nebeneinander sitzen. Siegfried bringt sie nach Hause und kommt am nächsten Tag mit einem Blumenstrauß wieder.

Mariannes Mutter Erna ist sehr angetan von Siegfrieds höflichem Auftreten und erlaubt, dass er mit ihrer Tochter ausgeht. Heute, 65 Jahre später, feiern Siegfried und Marianne Schreivogel ihre Eiserne Hochzeit.

Mitte der 1950er Jahre arbeitet Siegfried aus Technischer Assistent bei der Bahn in Westdeutschland, während Marianne Sprechstundenhilfe in einer Berliner Zahnarztpraxis bleibt. 1957 erfolgt ein Umzug nach Braunschweig, 1961 wird Siegfried nach Göttingen versetzt. Ihr erster Urlaub führt Siegfried und Marianne Mitte der 1960er Jahre nach Südtirol, ihr erstes Auto ist 1966 ein NSU Prinz, Baujahr 1965. Das Auto hatte nur 500 Kilometer auf dem Tacho, da der Vorbesitzer kurz nach der Erstzulassung verstorben ist, erinnert sich das Paar.

Beide träumen vom Haus im Grünen, pachten zeitweise einen kleinen Garten im Schedetal bei Hann. Münden. Bauunternehmer Erich Lück aus Unterrieden, der für die Bahn arbeitet, erzählt dem Paar vom Wochenendgebiet „Auf dem Kriegerkopf“ in Hebenshausen. 1971 kaufen sie ein 650 Quadratmeter großes Grundstück und bauen sich ein Häuschen – als Altersruhesitz. Jetzt beginnt Siegfrieds langjähriges Engagement in der Gemeinde Neu-Eichenberg. Er engagiert sich bei der Feuerwehr, im Festausschuss der damaligen Hebenshäuser Kirmes, als Gründungsmitglied der Festgemeinschaft Kriegerkopf sowie bei der SPD. Marianne hingegen hätte sich gewünscht, dass ihr Mann öfter Zuhause gewesen wäre. „Aber da sind wir ja kein Einzelfall!“ sagt sie schmunzelnd.

Nach einem Einbruch im Winter 1977/78 entschließen sich Siegfried und Marianne, gänzlich in ihr Häuschen zu ziehen. Ihre Göttinger Wohnung behalten sie bis Ende 1992, bis Marianne in Rente geht. Dann kümmert sich Marianne 1,5 Jahre lang um Siegfrieds schwer kranke Tante Anneliese und pendelt deswegen von Neu-Eichenberg nach Bad Orb, Hessisch Lichtenau und Fulda. 1995 geht Siegfried in Pension, nicht ohne sein 50-jähriges Dienstjubiläum gefeiert zu haben. Das größte Glück ist für Siegfried und Marianne die Geburt ihres Enkels Alexander Siebrecht im 1999. Der frischgebackene Opa kann sein Enkelchen einen Tag nach dessen Geburt in die Arme schließen, die Oma muss noch voller Ungeduld das Ende ihres Türkeiurlaubs abwarten.

Dankbar für die Familie

„Leicht waren diese 65 Jahre nie, geschenkt wurde uns nichts.“ Dankbar sind Siegfried und Marianne aber dennoch, an ihrem Lebensabend Familie um sich herum zu haben. „Nichts ist schlimmer, als alleine zu sein. Da sind wir froh, dass unser Sohn und unser Enkel für uns da sind!“ Am Liebsten sitzen Siegfried und Marianne auf ihrer Terrasse und blicken über das Dreiländereck. „Hier in Neu-Eichenberg haben wir unsere Heimat gefunden!“ (red/fst)

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