Gruppe will auf Klimakrise aufmerksam machen

Aktivisten gegen das Logistikgebiet besetzen Acker bei Neu-Eichenberg

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Zelte sollen Acker retten: Seit dem Pächter der Flächen bei Hebenshausen 2018 gekündigt wurde, werden die Felder nicht bestellt. Auf der sich seither entwickelnden Brachfläche schlugen Aktivisten gegen das geplante Logistikgebiet am Samstag ihr Protestcamp auf.

Aktivisten der „Aktionsgruppe Acker bleibt“ haben Teile der Fläche besetzt, auf der bei Hebenshausen das geplante Logistikgebiet gebaut werden könnte. Das Land duldet das Protestcamp vorerst.

Ein großes buntes Zelt steht neuerdings auf der Fläche für das geplante Logistikgebiet nahe dem Verbindungsweg zwischen Hebenshausen und Berge im Werra-Meißner-Kreis. Spaziergänger können am Sonntagmorgen zudem ein Küchenzelt mit Spültisch, Müllbehälter, einen Pavillon, einen Wohnwagen sowie zwei Kompost-WCs bestaunen – sowie eine Gruppe Menschen, die sich an einer Feuerstelle wärmt und frühstückt. Folien schützen frisch gepflanzten Salat und Mangold vor der Kälte. Willkommen im Protestcamp gegen das geplante Logistikgebiet bei Neu-Eichenberg.

In den frühen Morgenstunden des Vortags hatten Mitglieder und Unterstützer der Aktionsgruppe „Acker bleibt“ mit dem Aufbau ihres Lagers begonnen. Ihr Ziel: der Dietz AG zeigen, dass es Menschen gibt, die sich gegen den Bau des Logistikgebiets und die damit verbundene Versiegelung von Ackerflächen und Zerstörung von Lebensgrundlagen stellen. Falls Dietz abspringe, wüssten auch künftige Investoren, dass sie bei vielen Menschen in der Region nicht willkommen seien, sagt Luca Rosenberg von der Aktionsgruppe. Einige wenige Konzerne hätten die Macht, so den Klimawandel voranzutreiben, kritisiert er. Um das zu verhindern, brauche es einen Wandel des Systems.

Die Aktiven kommen laut Rosenberg aus Neu-Eichenberg und Witzenhausen, zudem seien Unterstützer ausKassel und Göttingen angereist. Aus den umliegenden Dörfern gäbe es viel Unterstützung: Ein Anwohner habe einen Anhänger Brennholz gebracht, ein anderer einen Stromanschluss ermöglicht.

"Neue Nachbarn": So stellten sich die Aktivisten, die auf dem Acker neben dem Dorf campieren, am Samstag bei den Menschen in Hebenshausen, Berge, Eichenberg-Dorf und -Bahnhof vor.

Die Protestcamps im Hambacher Forst, mit denen Aktivisten 2018 einen vorläufigen Stopp der Rodung des Waldes für den Kohleabbaus erreicht hatten, seien ein Vorbild für ihre Aktion, sagt Rosenberg. „Es braucht Orte, an denen die Klimakrise praktisch und sichtbar wird. Wir fangen hier in Neu-Eichenberg an.“ Jeder, der mitmachen wolle, sei willkommen – mit oder ohne Zelt. Das Ziel sei, länger auf dem Acker zu bleiben, um zu zeigen, dass der Protest nicht nur ein Event sei, sondern alltäglich.

Die Aktivisten planen viele Aktionen – Workshops für Kletteraktionen, eine Einführung in „aktive Demokratie“ mit Infos zu zivilem Ungehorsam, Verhalten während Polizeieinsätzen und den Rechten der Aktivisten, aber auch eine Kleidertauschbörse und Siebdruck-Werkstatt. Zudem haben sie in Hebenshausen, Berge, Eichenberg-Dorf und -Bahnhof Flyer an alle Haushalte verteilt und die Anwohner und „neuen Nachbarn“ zu einem Konzert am Samstag und einem Kennenlern-Picknick am Sonntag eingeladen.

Polizei: Land duldet Camp vorerst

Zu Spitzenzeiten seien am Samstag 50 Personen auf einmal vor Ort gewesen, sagt die Aktionsgruppe. Offenbar wird sie vom Eigentümer, dem Land Hessen – vertreten durch die Hessische Landgesellschaft – zunächst geduldet. Das bestätigt die Polizei. Laut den Beamten gilt die Duldung, so lange alles ruhig und friedlich bleibt.

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