Anders als bei Fundtieren: Gemeinden müssen Kosten nicht tragen

Diskussion über Tierarztkosten für Streuner in Neu-Eichenberg

Hebenshausen. Er war als Streuner bekannt, der rote Kater, der am 31. August von Hannelore Erfurth zum Tierarzt gebracht wurde, weil er wohl angefahren worden war.

Nun stehen die Kosten für seine Behandlung im Raum.

Sie sei von Anja Steidl vom Tierschutzverein Werratal gebeten worden, den verletzten Kater abzuholen und zum Tierarzt zu bringen, berichtet Erfurth, die selbst Mitglied im Tierschutzverein Witzenhausen ist. Auf dem Weg zum Tierarzt habe sie am Gemeindebüro gehalten und angekündigt, dass die Tierarztrechnung an die Gemeinde gehen werde, berichtet Erfurth.

Beim Tierarzt wurde festgestellt, dass der Kater zu schwer verletzt war und eingeschläfert werden musste. Zudem wurde bei der Untersuchung eine Gewehrkugel im Hinterlauf des Tiers entdeckt.

Die angekündigte Rechnung über 132,20 Euro ging, wie von Erfurth angekündigt, an die Gemeinde, die diese am 8. September an die Tierarztpraxis retournierte. Laut Begleitschreiben fallen diese Kosten nicht in die Zuständigkeit der Gemeinde. Diese sei als Fundbehörde verpflichtet, Fundsachen „entgegenzunehmen, zu erhalten und zu verwahren“. Voraussetzung sei allerdings, dass es sich um ein Fundtier handele, das einem Besitzer zuzuordnen sei.

„Ich finde, die Gemeinde ist in der Pflicht“, sagt Hannelore Erfurth. Sie habe der Tierärztin gesagt, dass sie die Rechnung gegebenenfalls aus eigener Tasche zahle, die Gemeinde solle jedoch Öffentlichkeitsarbeit machen, damit Katzenbesitzer ihre Tiere kastrieren lassen.

Das Schreiben berufe sich auf einen Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Kassel vom Mai 2017, erklärt Neu-Eichenbergs Bürgermeisterin Ilona Rohde-Erfurth (SPD). Für Streunerkatzen sei die Gemeinde nicht zuständig. „Eine Übernahme von Kosten wäre eine freiwillige Leistung, die aufgrund der angespannten Haushaltslage der Kommunen nicht erbracht werden kann.“

Diese Streunerkatzen stammen von ortsansässigen Bauernhöfen, erklärt dazu Anja Steidl. In diesem Jahr seien dem Verein bisher drei Tiere gemeldet worden, für die Tierarztkosten von rund 150 Euro getragen wurden. Von Gemeinde oder Kreis erhalte der Verein keine finanzielle Unterstützung.

Eine ideelle Unterstützung ist laut Ilona Rohde-Erfurth vorhanden. „Jede Frage zu diesem Themenkomplex wird Nachfragenden ordnungsgemäß beantwortet und Informationen zu möglicherweise helfenden Vereinen gegeben.“ Der Tierschutzverein Eschwege erhalte seit Jahren, entsprechend einer kreisweiten Vereinbarung, einen jährlichen Zuschuss von 25 Cent pro Einwohner.

Eine wie in Witzenhausen beschlossene Kastrationspflicht würde Anja Steidl begrüßen. Im Neu-Eichenberger Parlament wurde sie jedoch laut Rohde-Erfurth noch nicht diskutiert.

Rubriklistenbild: © Hermann

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