Am Mittwoch Aktion in Wiesbaden

Email eines Gegners des Logistikgebiets Neu-Eichenberg: CDU-Mann ist fassungslos

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So könnte es aussehen: Das geplante Logistikgebiet am Ortsrand von Hebenshausen.

Neu-Eichenberg. „Tief beunruhigt“ ist Hans-Heinrich Schröter darüber, dass und wie einige Meinungsäußerungen zum geplanten Logistikgebiet bei Hebenshausen ausuferten.

Sie gingen über „legitime sachliche Kritik“ hinaus, beklagt der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der Neu-Eichenberger Gemeindevertretung. Konkret bezieht sich Schröter auf eine E-Mail, die ihm wenige Tage nach der Bürgerversammlung zu den Plänen mit dem Sondergebiet zugesandt wurde.

Hans-Heinrich Schröter (CDU)

Darin werden, wie Hans-Heinrich Schröter erläutert, Unternehmer, Planer sowie Gemeindevertreter, die sich für ein Logistikgebiet aussprechen, mit „bösen Menschen“ verglichen, „die unbedingt wollen, dass es brennt und Menschen sterben“. Diese Wortwahl mache ihn fassungslos.

Für ihn wäre es wichtig, dass in der kleinen Gemeinde die Gräben nicht zu tief aufgerissen würden, „denn wir wollen doch weiterhin friedlich nebeneinander leben – egal ob mit oder ohne Logistikgebiet.“

Beide Seiten, also Befürworter und Gegner des Logistikgebiets, sollten „nicht jedes Stöckchen aufnehmen, dass ihnen hingeworfen wird“, antwortet auf Anfrage SPD-Fraktionsvorsitzender Sven Schreivogel, der die betreffende E-Mail auch erhalten hat. Dass ein Teil der Bürger beunruhigt sei, „ist verständlich“, sagt Schreivogel.

Sven Schreivogel (SPD)

Das Wichtigste sei, gegenseitig im Gespräch und deshalb ruhig zu bleiben, damit die Tür zum Dialog „auf keinen Fall“ zugeschlagen wird. Denn man wolle nicht, dass „ein Riss durch unsere Gemeinschaft in Neu-Eichenberg geht“. Beschimpfungen, egal von welcher Seite, seien aber „ein absolutes No-Go“.

Bettina Biehler (Grüne)

Dass mancher emotional reagiert, könne bei einem solchen Projekt „schon mal vorkommen“, zeigt Bettina Biehler mehr Verständnis für jene, die nicht sachlich blieben. Das finde sie „noch nicht so dramatisch“, sagt die Fraktionsvorsitzende der Grünen auf Anfrage, auch wenn es „nicht schön“ und „nicht in Ordnung“ sei. Durch die Form der Meinungsäußerungen vertieften sich die Gräben in der Gemeinde aber nicht, meint Biehler, „durch das Projekt selbst wird die Gemeinde gespalten“.

Bürgermeister Jens Wilhelm (SPD)

BürgermeisterJens Wilhelm (SPD) sieht sich persönlich nicht angegriffen, ihm seien aber unsachliche, insbesondere über die sozialen Netzwerken verbreitete Äußerungen bekannt, die sich vor allem gegen die Gemeindevertreter richteten. „Das gehört sich nicht“, lautet sein Kommentar dazu. Die Meinungen zum Logistikgebiet spalteten auch die Gemeinde, bedauert er. Und ob dieses nun gebaut wird oder nicht, werde es eine Hauptaufgabe sein, wieder enger zusammenzurücken und „zu kitten, was sich aufgetan hat“. 

Aktion vor Landtag in Wiesbaden

Eine Delegation von rund zehn Gegnern des geplanten Logistikgebietes Neu-Eichenberg will heute Vormittag auf dem Schlossplatz in der Nähe des Hessischen Landtags in Wiesbaden öffentlich machen, dass es in der nordhessischen Region Widerstand gegen das Projekt gebe. Um Aufmerksamkeit zu erzielen, soll auch Erde aus der Gemeinde verteilt werden, berichtete Nicole Zeuner von der „Bürgerinitiative für ein lebenswertes Neu-Eichenberg“ (BI). 

Anlass für die Aktion ist, dass sich der Haushaltsausschuss des Landtags am Mittwochvormittag unter anderem mit der Abgabe der landeseigenen Grundstücke in der Gemarkung Hebenshausen befasst. Das Landesparlament muss bei einem Verkauf von Grundstücken mit erheblichem Wert oder besonderer Bedeutung zustimmen. Der Antrag der Landesregierung gehe von „falschen Voraussetzungen“ aus, erläutert Nicole Zeuner die Bedenken der BI. Er werde nämlich auf der Basis des alten, bestehen Bebauungsplanes gestellt, weil die geplante Änderung des Planes noch in der Diskussion des Gemeindeparlaments ist. Auch darauf wollen die Gegner heute in Wiesbaden aufmerksam machen. 

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