Fünf Mal geht es um Millimeter

Bundesstraße 80: Brückenschlag über Bahnstrecke in Neu-Eichenberg

Nur schmale Fugen Abstand sind zwischen den Fertigteilträgern
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Ganz schmale Fugen: Nur 20, maximal 30 Millimeter Abstand zwischen den Fertigteilträger waren die Vorgabe beim Einheben für die neue Eisenbahnbrücke in Neu-Eichenberg.

Die B-80-Brücke über die Bahnstrecke Eichenberg-Witzenhausen wird erneuert. Nach dem Abriss Mitte Februar fand am Dienstag das zweite spektakuläre Ereignis statt, der neue Brückenschlag.

Um 15.35 Uhr war es quasi geschafft. Da lag auch der fünfte und letzte Träger passgenau auf den beiden Widerlagern der Brücke, über die die Bundesstraße 80 unterhalb von Gut Arnstein spätestens ab dem nächsten Jahr wieder führen soll. 20, maximal 30 Millimeter breit darf die Fuge zwischen den Elementen sein, wie Bauleiter Oliver Schmitt aufklärt.

Schon um 9 Uhr liegt der erste der 25,40 Meter langen, 2,46 Meter breiten und 1,52 Meter hohen Betonträger genau mittig auf den Widerlagern, die in den vergangenen Monaten errichtet worden waren. Eine Stunde später hebt der riesige Autokran langsam und geräuschlos das zweite, ebenfalls 63 Tonnen wiegende Riesenelement von einem Spezial-Schwertransporter in die Höhe. Das sieht mühelos aus, was es sowohl für den maximal 500 Tonnen bewältigenden Kran auch ebenso ist wie für den Kranführer Markus Kilian.

Der 43-Jährige hat die Ruhe weg, wohl auch Dank der Routine, die man im Laufe der Jahre bekommt. Außerdem geht es nicht erst beim Einheben um die berühmte Millimeter-Arbeit, wenn man zigtonnenschwere Lasten herumzirkeln muss – in diesem Fall auch über die Masten entlang der Bahnstrecke.

Größere Gefahren waren aber ausgeschlossen: So ist der Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Eichenberg und Witzenhausen seit Montag – und wegen Nacharbeiten auch noch heute – jeweils zwischen 6 und 20 Uhr aus Sicherheitsgründen ausgesetzt. Außerdem ist der Strom in der Oberleitung abgeschaltet. So nutzt die Bahn AG den Brückenschlag auch gleich, um neue, etwas höhere Oberleitungsmasten im Bereich des B-80-Übergangs zu setzen. Zwölf Mann mit mehreren Werkstatt-Schienenwagen waren gestern dazu im Einsatz.

Zurück zur neuen Brücke: Deren fünf lange Fertigteilträger waren in der Nacht zur Baustelle geliefert worden. Das dauerte, wie Fuhrparkleiter Volker Dietrich von der auf große Träger spezialisierten Herstellerfirma Elementbau Osthessen (Elo) berichtet, fast sechs Stunden.

Denn: Die fünf Schwertransporter durften nicht vom Firmengelände in Eichenzell bei Fulda auf direktem Weg nach Neu-Eichenberg fahren. Wegen vieler nicht mehr sehr tragfähiger Autobahnbrücken musste ein größerer Umweg genommen werden – so verdoppelte sich die Strecke und verlängerte sich entsprechend auch die Fahrzeit. Das war im Preis – rund 36 000 Euro je Element – aber bestimmt einkalkuliert, denn der ist laut Bauleiter Oliver Schmitt von Elo einschließlich Transport und Montage gemacht worden.

Wenn in den nächsten Tagen die Nacharbeiten am Bauwerk abgeschlossen sind, wird eine Betonplatte über die fünf Träger aufgebracht – die eigentliche Brückentafel. Auf diese kommt noch eine Asphaltschutzschicht und darauf die Asphaltschicht. Wenn dann auch noch Schutzeinrichtungen wie Geländer an beiden Seiten installiert und die Übergänge zwischen Widerlagern und Böschung geschlossen sind, können fast schon wieder Autos über die Bahnstrecke rollen.

Von Stefan Forbert

63 Tonnen am Haken: Langsam schwebt ein Betonelement über den Eisenbahnschienen zwischen die beiden Brückenwiderlagern ein.

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