Fünf Orte werden eine Gemeinde

Heute vor 50 Jahren gab es den Zusammenschluss zu Neu-Eichenberg

Die Aufnahmen aus den Werra-Nachrichten zeigen, wie Landrat Wilhelm Brübach die Bestallungsurkunden an den ersten Beigeordneten Willi Vogelei (links) und Bürgermeister Erich Schmerbach übergibt.
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Die Aufnahmen aus den Werra-Nachrichten zeigen, wie Landrat Wilhelm Brübach die Bestallungsurkunden an den ersten Beigeordneten Willi Vogelei (links) und Bürgermeister Erich Schmerbach übergibt.

Am 1. Februar 1971 wurde Neu-Eichenberg gegründet.

Neu-Eichenberg – „Neu-Eichenberg wird nun kommissarisch verwaltet – Die neuen Ortsschilder müssen nachgeliefert werden.“ Was so nüchtern am 3. Februar 1971 in den Werra-Nachrichten stand, war am 1. Februar eine Innovation im Altkreis Witzenhausen: Die vormals eigenständigen Gemeinden Berge, Hebenshausen, Marzhausen, Hermannrode und Eichenberg schlossen sich zu einer Gemeinde namens Neu-Eichenberg zusammen.

Dieter Schmidt gehörte zu denen, die bei den Verhandlungen im Vorfeld und auch beim Vollzug ganz nah dabei waren. Als Schriftführer der alten Gemeindevertretung war der Hebenshäuser bei allen vorbereitenden Sitzungen dabei. Am 27. Dezember 1970 war es dann soweit: Es kam zur maßgeblichen Sitzung des sogenannten „Grenzänderungsvertrags“. „Das musste noch im alten Jahr passieren“, erinnert sich Schmidt. Der Altkreis habe großes Interesse daran gehabt, dass eine Gemeinde vor der Gebietsreform 1974 voranschreitet. Und das hat sie den Entscheidern dann auch mit 70 000 D-Mark versüßt, sagt Schmidt. Und das sogar jeweils für die nächsten zehn Jahre, wie Wolfgang Schulin in seinem Buch „Neu-Eichenberg 40 Jahre“ erläutert. Ein hübsches Sümmchen, für das sich die Neu-Eichenberger Wünsche erfüllen konnten, mit denen die einzelnen Gemeindevertretungen in die Verhandlungen gezogen waren. Eichenberg wollte ein Dorfgemeinschaftshaus, Hebenshausen ein Mehrzweckgebäude, das heutige Sporthaus, für das laut Schmidt bereits 100 000 D-Mark angespart waren. Die Marzhäuser wünschten sich, dass der bereits begonnene Gemeindehausumbau fortgesetzt wird und Berge sowie Hermannrode sollten Friedhofshallen bekommen.

Insgesamt verliefen die Verhandlungen friedlich, erinnert sich Schmidt – auch die um den Verwaltungssitz, der im größten Ortsteil Hebenshausen beheimatet sein sollte. Genauer gesagt in der alten Feuerwehr. „Die Gespräche und Lösungen waren einvernehmlich“, sagt Schmidt. „Man hatte ja vorher schon Erfahrung als Schulverband der Ernst-Reuter-Schule, die die erste Mittelpunktschule Hessens war.“ Alle Absprachen seien in den Vertrag aufgenommen worden. Damals wurde auch noch das Protokoll handschriftlich geführt, am Ende vorgelesen und genehmigt.

Allerdings zog die neue Verwaltung nicht gleich nach Hebenshausen, sondern blieb erst einmal, wie den Werra-Nachrichten zu entnehmen ist, in Eichenberg beim vorläufigen Bürgermeister Erich Schmerbach.

„Die Bürgermeister von Berge und Marzhausen, Willi Immich und Ernst Borchardt, wurden kommissarische Beigeordnete, Erster Beigeordneter ist der ehemalige Bürgermeister von Hebenshausen, Willi Vogelei. Der Hermannröder Bürgermeister Arnulf Wiest ist Vorsitzender des Ortsbeirats“, heißt es in dem Artikel.

Erster gewählter Bürgermeister wurde später im Jahr Gerrhard Hannich, der sich gegen Schmerbach durchsetzte und dieses Amt 24 Jahre ausführte.

Übrigens nimmt Neu-Eichenberg mit dem Zusammenschluss noch eine Besonderheit ein. Laut Schulin wäre dem Gesetz nach bei dem Zusammenschluss nur ein komplett neuer Name möglich gewesen. Ideen dazu habe es schon gegeben, etwa „Hesseneck“. Da es aber seit rund 100 Jahren den Eisenbahnknotenpunkt „Eichenberg Bahnhof“ gegeben habe, gab die Landesregierung der Forderung der Bundesbahn nach und die Gemeinde erhielt ihren jetzigen Namen.

„Ich fand es positiv“, berichtet Schmidt, der auch während der Übergangszeit und der neuen Gemeindevertretung Schriftführer war. Allerdings: „Im Nachhinein hätte ich mir versprochen, dass die Dörfer noch mehr zusammenwachsen.“

Und für noch etwas sorgte der Zusammenschluss: Die bisherigen Gemeindevertreter Hebenshausens wollten es nicht so aprupt enden lassen. Und so entstand aus einem einmaligen Abendessen 1971 bis 1978 der jährliche „Gedächtnis-Braten“ mit Ehefrauen, bei dem „fürstlich gegessen, getrunken und getanzt“ wurde. „Das war immer sehr schön“, berichtet Dieter Schmidt.

In diesem Gebäude an der Kirchstraße in Hebenshausen befand sich von 1971 bis 2014 das Bürgermeisteramt von Neu-Eichenberg.
Dieter Schmidt

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