INTERVIEW „Gemeinde muss jetzt entscheiden“

Wirtschaftsförderer Kleeberg zu Alternativen für das Logistikgebiet Neu-Eichenberg

Für das Logistikgebiet kann sich Kleeberg eine Mischnutzung vorstellen.
+
Für das Logistikgebiet kann sich Kleeberg eine Mischnutzung vorstellen.

Seit acht Monaten – unterbrochen durch die Corona-Zwangspause – tagt in Neu-Eichenberg ein Arbeitskreis, der nach Alternativen für das Sondergebiet Logistik sucht. Im Interview sprachen wir mit Dr. Lars Kleeberg, Geschäftsführer der Werra-Meißner Wirtschaftsförderung, wie es aus seiner Sicht für das Gebiet weitergehen könnte.

Werra-Meißner – Ist eine Vermarktung des Areals als Sondergebiet Logistik überhaupt noch sinnvoll?

Ja, wobei auch eine kombinierte Nutzung der Fläche geprüft werden kann, um Synergien zu erzielen. Das sollte in enger Abstimmung mit interessierten Unternehmen erfolgen. Die aktuelle Lage zeigt weiterhin, wie wichtig eine gut funktionierende Logistik für unseren Alltag ist. Unternehmen, die Logistik anbieten oder benötigen, suchen vor allem in der Mitte Deutschlands größere Flächen in Autobahnnähe für einen zentralen Standort. Und: Bei Logistik darf man nicht immer nur an Firmen wie Dietz oder Amazon denken. Logistik hat viele Facetten. Wir haben heimische Unternehmen, die Orte für Logistik suchen. Das ist für mich auch nachhaltig: heimische Unternehmen zu berücksichtigen.

Gibt es überhaupt noch Interessenten für das Gelände?

Ja. Aber: Weil es als Sondergebiet Logistik verzeichnet ist, gibt es auch nur Anfragen von Logistikern.

Jede andere Nutzung statt eines Sondergebiets Logistik bedarf einer Umwidmung und eines neuen Bebauungsplan-Verfahrens.

Das ist das Risiko. Wenn die Umnutzung im Konflikt mit den Zielen der Raumordnung und Landesplanung steht, ist ein Abweichungsverfahren erforderlich. Dazu muss man der Regionalversammlung die Abweichung gut erklären. Trotzdem kann es sein, dass nicht zugestimmt wird.

Generell muss die Gemeinde jetzt erst einmal entscheiden, was sie will: Logistik? Oder Logistik Energie plus, wie es die Hessische Landgesellschaft (HLG) vorschlägt, also mit höchstmöglich ökologischer Verträglichkeit und nachhaltigen Bauten. Will sie weiteres Gewerbe – wozu ich auch Landwirtschaft zähle – oder eine kombinierte Nutzung?

Alternativen werden bald den Gemeindevertretern vorgestellt. Welche wäre für Sie die beste Lösung?

Eine Ansiedlung sollte zum Beispiel so weit wie möglich von Hebenshausen entfernt liegen. Auch könnte eine Kombinationsnutzung, gerne mit innovativen Ansätzen, betrachtet werden. In dem Zusammenhang sollte sich auch Kleingewerbe ansiedeln können; es gibt einige Betriebe bei uns, die Flächen in der Region suchen. Zwischen Gewerbe- und Wohnort sollte man eine Fotovoltaik-Anlage als Lärmschutz aufsetzen.

Neu-Eichenberg hat rund 1,8 Millionen Euro Verbindlichkeiten bei der HLG. Gerade die Gewerbesteuer kann dabei helfen, diese Schulden abzubauen.

Das Areal hat als Sondergebiet Logistik einen Wert im zweistelligen Millionenbereich. Könnten alternative Pläne daran scheitern?

Der Preis in Sondergebieten Logistik liegt in der Regel bei 15 Euro pro unerschlossenem Quadratmeter, erschlossen kostet er das Zwei- bis Dreifache. Mit Agroforst- oder anderen landwirtschaftlichen Nutzungskonzepten können diese Verkaufserlöse nicht erzielt werden. Diese Konzepte sind aber aus meiner Sicht dennoch interessante Partner auf Teilbereichen der Fläche. Sollen weitere Partner mit auf die Fläche, ist es besonders wichtig, auch das Land von solchen alternativen Nutzungen zu überzeugen.

Gibt es Möglichkeiten, das Gelände nur zu pachten?

Das liegt rein in der Entscheidungshoheit des Eigentümers, also der HLG und damit dem Land Hessen. Hierbei möchte ich anmerken, dass die HLG deutlich gemacht hat, dass man der Gemeinde keine Schulden erlassen wird und weniger Gewerbe und damit Einnahmen diese Schuldensituation für die Gemeinde eher noch verstärken wird.

Welche Chancen sehen Sie, die Ackerbesetzer von einer anderen Nutzung als ökologischem Landbau zu überzeugen?

Warum müssen wir die Ackerbesetzer überhaupt überzeugen? Das entscheidende Gremium ist die Gemeindevertretung. Dort wird die Entscheidung getroffen, ob die derzeitigen Planungen fortgeführt werden, oder ob ein anderes Nutzungskonzept geprüft wird. Die Gemeindevertretung muss dazu die Nutzung flächenscharf und eindeutig festlegen, „offene“ Festlegungen sind planungsrechtlich nicht zulässig. (Nicole Demmer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.