Quelle in Berge schüttet nur noch halb so viel Wasser wie in Vorjahren aus

Hebenshäuser Bach fällt erneut trocken

Der Hebenshäuser Bach fließt in Berge durch den Garten von Alexandra von Bischoffshausen.
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Der Hebenshäuser Bach fließt in Berge durch den Garten von Alexandra von Bischoffshausen.

Quellen schütten weniger Wasser, Bäche fallen trocken. Von „Auswirkungen des Klimawandels“ spricht Christoph Kraaibeek, der Technische Geschäftsführer des Wasserverbands Leine-Süd. So führt der Hebenshäuser Bach zum zweiten Mal in diesem Jahr im Bereich Berge kein Wasser mehr.

Berge –„Das ist früher nie passiert“, sagt Freiin Alexandra von Bischoffshausen. Quer durch ihren Garten an der Neuenröder Straße in Berge führt der Hebenshäuser Bach. Mitte der 2010er Jahre sei das Gewässer zum ersten Mal in ihrem Leben während des Sommers für einige Wochen trocken gefallen, so die 49-Jährige. Das wiederhole sich seither jedes Jahr. Besonders schlimm sei es während des Dürresommers 2018 gewesen, wo der Bach zwei Monate lang kein Wasser geführt habe.

„Die Quelle in Berge, wo wir Wasser gewinnen, hat heute 50 Prozent weniger Schüttung als noch vor ein paar Jahren“, berichtet Geschäftsführer Kraaibeek. Es regne weniger als früher; und wenn, dann oft so stark, dass ein Großteil der Niederschläge oberflächlich abfließe. Ein weiteres Problem sei der fehlende Schnee im Winter. Nun gebe es kein langsames Abtauen mehr, bei dem Wasser tief ins Erdreich sickere.

„Das ist der Grund, warum wir die in den 50er Jahren gebaute und nicht mehr sanierungsfähige Quelle in Berge aufgeben, erklärt Kraaibeek. Sein Verband habe bereits für Ersatz gesorgt und oberhalb von Berge Richtung Neuenrode einen Brunnen gebaut. Von 2021 an fördere er Wasser aus 80 Meter Tiefe. Aus ähnlichen Gründen verzichte der Verband seit 2015/16 auf die Nutzung der Quelle im nahen Mollenfelde.

Von solchen Problemen berichtet auch Carolin Lange von der Stadtwerke Witzenhausen GmbH. Aufgrund geringerer Grundwasserneubildung in den vergangenen Jahren sei bei ihnen die Wassergewinnung bei Quellen und vereinzelt bei Brunnen an einzelnen heißen Tagen „ausgeschöpft“. Nun sei der Neubau eines Tiefbrunnens geplant. Stillgelegte Brunnen und Quellen würden wieder in Betrieb genommen. Das Unternehmen bemühe sich, Wasserverluste zu verringern.

„Der Grundwasserspiegel in Deutschland sinkt“, kommentiert Forstamtsleiter Matthias Dumm aus Hessisch Lichtenau. In seinem Bezirk sei bisher noch kein Bach trockengefallen. Eher gebe es Probleme mit den zunehmenden Starkregen. Unter diesen leidet auch von Bischoffshausen. Am 20. Mai 2019 schwoll der Hebenshäuser Bach in ihrem Garten zu einem drei Meter breiten Strom an, der selbst große Steine mit sich riss. Seither ist das Bachbett deutlich tiefer eingeschnitten als vorher.

„Wenn ein Bach trockenfällt, sterben die meisten Wassertiere“, sagt Heide Tilgner vom Kreisvorstand Werra-Meißner des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). „Die Krebse, die es früher in Berge im Hebenshäuser Bach gab, sind verschwunden“, bestätigt von Bischoffshausen. Tilgner appelliert, sparsam mit Wasser umzugehen. Sportvereine sollten prüfen, ob sie ihre Plätze wirklich wässern müssten. (Michael Caspar)

Im September führte der Hebenshäuser Bach zum zweiten Mal in diesem Jahr kein Wasser.

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