„Ich habe immer ja gesagt“

Von 1977 bis 2021 war Henry Fraatz in Neu-Eichenberg Kommunalpolitiker

Im politischen Ruhestand: Henry Fraatz in seinem heimischen Garten.
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Im politischen Ruhestand: Henry Fraatz in seinem heimischen Garten.

Mit Ende der vergangenen Legislaturperiode hat sich Henry Fraatz nach 44 Jahren in den politischen Ruhestand verabschiedet.

Neu-Eichenberg – Dafür, dass er eigentlich gar nicht in die Kommunalpolitik wollte, hat er es sehr lange in verschiedenen Positionen ausgehalten.

„Nie im Leben mache ich Politik“, erinnert sich Fraatz an seine Gedanken Anfang der 1970er Jahre. Dass es dann doch anders kam, dafür sorgte Neu-Eichenbergs früherer Bürgermeister Wolfgang Fischer (SPD). Er überredete den damals parteilosen Fraatz, sich 1977 als Gemeindevertreter für die Sozialdemokraten wählen zu lassen. Das blieb er dann auch bis 1993, zusätzlich fungierte er bis 1991 als Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses.

Mittlerweile war Fraatz dann auch in die Partei ein- und später wegen des Streits zwischen Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping um den Parteivorsitz wieder ausgetreten. Seinem kommunalpolitischen Engagement hat das nicht geschadet, erinnert sich Fraatz. Er habe seinen Austritt im Vorfeld mit der Partei abgeklärt. Mit der Partei, die ihn dann auch 1993 zum Beigeordneten und ab 2001 zum ersten Beigeordneten unter Fischer nominierte. „Ihn brauchte ich fast nie vertreten, er war nahezu immer im Dienst“, sagt der 74-Jährige. Auch unter Bürgermeisterin Ilona Rohde-Erfurth (SPD) hatte er das Amt noch einmal bis 2016 inne, als die SPD bei der Kommunalwahl die absolute Mehrheit und damit den Posten an die CDU verlor. Geärgert habe man sich angesichts des Verlusts und es sei unverständlich gewesen, gibt Fraatz zu, der allerdings weiter im Vorstand mitarbeitete.

In den vergangenen Jahren war sicher das Sondergebiet Logistik nebst den Vorgängerprojekten die größte Aufgabe während seiner Zeit in den Neu-Eichenberger Gremien. Fraatz ist der Meinung, „es hätte der Gemeinde genützt“, so der gelernte Chemielaborant. Neben seinen Funktionen in der Gemeinde war der zweifache Vater und vierfache Opa von 1991 bis 2021 Vorsitzender der Feldwegekommission. „Das hat mir Spaß gemacht“, erklärt er. Allerdings war das politische Engagement auch zeitaufwendig. Jährlich 10 bis 15 Fraktionssitzungen, dazu 5 bis 6 Gemeindevertretersitzungen, die Ausschüsse und das 14-tägige Zusammenkommen des Gemeindevorstands – das alles hat seine Familie mitgemacht, erklärt er.

In der politischen Rente steht jetzt für Fraatz Sport auf dem Programm. Radeln, im Winter auf dem Meißner Langlauf betreiben und viele Spaziergänge mit seiner Ehefrau. Auch rund um das Haus gibt es Allerlei zu tun und die Busurlaube starten wieder.

Aber: Warum hat es Fraatz nun eigentlich so lange in der Politik gehalten? „Ich bin immer gefragt worden und habe ja gesagt“, kommentiert er trocken. (nde)

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