250 kleine Bäume werden gepflanzt

Jetzt ist Pflanzzeit auch im Wald bei Eichenberg-Dorf

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Behutsam: Christian Dunte drückt die Pflanzhacke nach unten und setzt anschließend die junge Tanne in das dadurch entstandene Loch im Waldboden.

Neu-Eichenberg. Mitarbeiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau pflanzen derzeit täglich 250 kleine Bäume im Wald oberhalb von Eichenberg-Dorf.

Mit großem Schwung rammt Christian Dunte die Pflanzhacke in den Waldboden. Behutsam drückt er den Stiel seines Arbeitsgerätes, dessen 30 Zentimeter langer Kopf ein wenig einem scharfen Entenschnabel gleicht, nach vorne. In das Loch, das sich dadurch im Boden auftut, steckt er die Wurzeln einer kleinen Weißtanne.

Vorsichtig zieht er die Pflanzhacke wieder heraus, ohne dabei das zarte Wurzelwerk oder die Jungtanne selbst zu beschädigen. Das Bäumchen noch gerade ausrichten und die Erde um die Wurzel herum noch festdrücken - fertig. Im Wald oberhalb von Eichenberg-Dorf ist ein neuer Baum gepflanzt. Einer von knapp 250 allein an diesem Tag.

Nach dem Holzeinschlag in den Wintermonaten ist im April Pflanzzeit angesagt im Frühlingswald. „Das ist eine schöne Arbeit, die richtig Spaß macht“, schwärmt Christian Dunte vom gleichnamigen Forstbetrieb aus Nieste, der mit seinem Kollegen Markus Riethmüller die Weißtannen-Pflanzung anlegt.

„Im Gegensatz zu den anderen Arbeiten, die im Wald so anfallen, gibt es hier keine Motorengeräusche“, sagt Dunte. „Und außerdem ist das Pflanzen deutlich ungefährlicher als beispielsweise das Fällen von Bäumen.“

Verantwortlich für die Pflanzaktionen im Neu-Eichenberger Forst ist dessen Revierförster Hans-Ulrich Henschke. „Ziel der naturgemäßen Waldwirtschaft ist eigentlich die natürliche Verjüngung“, sagt er. „Aber dort, wo sich die Bäume nicht natürlich aussäen oder der Wald nicht standortgerecht ist, müssen wir nachhelfen.“

Dies gelte vor allem für Flächen, die von Sturmkatastrophen oder Borkenkäferbefall betroffen sind. Aber auch die Klimaerwärmung hätten die Forstleute auf dem Schirm. „Es wird erwartet, dass vor allem die Fichte künftig in wärmeren und trockeneren Sommern Probleme bekommt und abstirbt“, sagt Henschke. Deshalb würden schon jetzt Mischbestände mit Laubholz, aber auch klimastabileren Nadelbaumarten wie Douglasie oder Tanne begründet. „In diesem speziellen Fall geht es uns darum, die Weißtanne in der Region zu etablieren, damit sie sich von hier aus in den nächsten 100 Jahren weiter verbreiten kann“, sagt der 57-Jährige, der seit 31 Jahren die Revierförsterei Neu-Eichenberg leitet und der auch als Waldbautrainer tätig ist.

Ziel sei es, dass diese in Norddeutschland eher seltene Tannenart Stück für Stück die Fichte ersetzt, weil sie deutlich unempfindlicher gegen die Auswirkungen des Klimawandels ist. „Derzeit beträgt der Anteil der Weißtanne in hessischen Wäldern weniger als 0,1 Prozent“, sagt Henschke. Die Idee sei, diesen Anteil bis zu einem Prozent zu steigern. „Bei der naturgemäßen Waldwirtschaft gilt es generell, auf Kahlschläge zu verzichten und den Waldboden zu schützen“, sagt Forstamtsleiter Matthias Dumm. „So schaffen wir heute die Grundlage für stabile, ökologisch wertvolle und ertragreiche Wälder der Zukunft“, sagt der Amtsleiter.

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