Kleine Profis am Mikrofon

Kinder der Tagesstätte „Kleine Eichen“ nehmen selbst ein Hörspiel auf 

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„Bokbokbok“: Henrik leiht für das Hörspiel einem Huhn seine Stimme. Erst muss er gackern, dann einen Satz einsprechen. Diesen spricht ihm Produzent Sven Schreivogel vor.

Neu-Eichenberg. „Halten Sie mich auf dem Laufenden, meine Herren“, spricht Sven Schreivogel dem sechsjährigen Paul vor. „Halten Sie mich auf meinem Laufen, ihre Herren“, sagt Paul. Das hat zwar noch ein bisschen geholpert, aber nach dem dritten Versuch spricht Paul den Satz einwandfrei ins Mikrofon.

Sven Schreivogel ist zufrieden: Der Produzent und Regisseur entwickelt mit den Kindern der Neu-Eichenberger Kindertagesstätte „Kleine Eichen“ ein Hörspiel – von ihnen selbst, für sie selbst.

Die Geschichte des Hörspiels haben sich die 17 angehenden Schulkinder selbst ausgedacht: In Kassel ist ein Dieb aus dem Gefängnis ausgebrochen. In einem Witzenhäuser Supermarkt stiehlt er zwei Kindern das Portemonnaie und flieht auf einem Motorrad vor der Polizei. Bei dieser Verfolgungsjagd brettert der Dieb in einen Hühnerstall. Nach der Bruchlandung kann die Polizei den Dieb schnappen.

Die Hühner im Stall – ebenfalls von den Kinder gesprochen – gackern bei den Tonaufnahmen ganz aufgeregt ins Mikro. „Kannst du noch ein bisschen lebendiger gackern?“, fragt Schreivogel die kleine Lilly. Sie kann. Ziel des viertägigen Seminars sei, dass Kinder ein Hörspiel von der Idee bis zur fertigen CD kennenlernen, erklärt Schreivogel. Er bietet das Medienprojekt bereits zum zweiten Mal in Neu-Eichenberg an. Unterstützung bekommt er dieses Mal von Schauspieler Franz Hofmann, der dem Erzähler der Geschichte seine Stimme leiht, und Tontechniker Nils Mooney, der die Aufnahmen des mobilen Studios mit Musik und Effekten verfeinert.

Im Mittelpunkt stehen aber die Stimmen der Kinder, von denen jedes eine Rolle bekommen hat. Aber auch die anderen Geräusche – wie das Klicken von Handschellen oder schnelle Schritte auf einem PVC-Boden – machen die Kinder selbst. „Das Projekt ist für uns genauso aufregend wie für die Kinder“, sagt Schreivogel, da die Aufnahmen immer mit einer Unbekannten behaftet seien.

Die CD gibt’s mit nach Hause

Allerdings zeigt sich bei den Aufnahmen schnell, dass er sich keine Sorgen machen muss: Alle Kinder zeigen sich von ihrer professionellsten Seite. Angesichts der Mikrofone und der drei fremden Erwachsenen im Raum sind sie zwar ein wenig nervös, sprechen aber konzentriert und geduldig die Texte nach, die Schreivogel ihnen vorliest – notfalls auch mehrmals.

Beate Levie-Schmidt, Leiterin der Kita „Kleine Eichen“, ist begeistert von dem Projekt. „Das ist ein besonderes Bonbon, auf das die Kinder hingefiebert haben.“ Auch die Eltern seien ganz verzückt, wenn sie später die Stimme ihres Kindes auf der CD erkennen. Die bekommt jedes Kind als Andenken mit nach Hause, nachdem sie ihr Hörspiel heute Nachmittag den Eltern präsentiert haben.

Von Sina Beutner

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