Bürger sorgen sich um Burg Hanstein

Kritik aus Thüringen an Windrad-Plänen in der Gemeinde Neu-Eichenberg

+
In dieses Bild könnten bald Windräder rutschen: Zwischen Schloss Arnstein (vorn) und Burg Hanstein (hinten) soll ein Windrad gebaut werden.

In Thüringen formiert sich Widerstand gegen die Pläne, zwischen dem Schloss Arnstein und der Burg Hanstein Windräder zu bauen.

Aktualisiert am 4.12.2019, 18:06 Uhr

Wie Andreas Rohde aus Hohengandern ankündigt, soll am Montag, 2. Dezember, ab 19 Uhr im Gemeindesaal in Hohengandern (An der Kirche 2) eine Bürgerinitiative (BI) gegründet werden. Die Initiatoren hoffen laut der Einladung auf „Solidarität der Eichsfelder, Hessen und Niedersachsen im Dreiländereck“.

Derzeit will die Firma Eno Energy aus Mecklenburg-Vorpommern nach HNA-Informationen auf dem Gebiet der Gemeinde Neu-Eichenberg ein Windrad östlich des Bergrückens Stürzliede beim Regierungspräsidium Kassel bauen, langfristig sollen dort im Windvorranggebiet ESW 07 vier Anlagen stehen. Der Standort ist laut dem Regionalplan etwa 1800 Meter von der thüringischen Burg Hanstein entfernt, das Windrad soll eine Gesamthöhe von etwa 240 Metern haben.

Der Bau würde das Umfeld von Burg Hanstein und dem ehemaligen Grenzstreifen („Grünes Band“) nachteilig verändern, heißt es in der Einladung zum Gründungstreffen weiter. Ziel der BI soll die Bewahrung von Burg Hanstein als Kulturdenkmal sein. Dazu plane man, Petitionen beim thüringischen und hessischen Landtag einzureichen. In Neu-Eichenberg sei das Interesse an dem Thema bislang weiter gering, so Bürgermeister Jens Wilhelm.

Im Landtag in Erfurt ist das Thema dagegen nach einer Anfrage des Eichsfelder CDU-Abgeordneten Dr. Thadäus König bereits am 6. Juni debattiert worden. Damals gab Dr. Klaus Sühl, Staatssekretär vom thüringischen Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft zu Protokoll, dass die Folgen eines Windparks für das Kulturdenkmal Burg Hanstein sowie für das Vogelschutzgebiet Werraland und das Grüne Band nicht abzuschätzen seien. Er verwies zudem auf Studien, nach denen sich die Mehrheit der Touristen nicht nennenswert durch Windräder gestört fühle; die Eichsfeld Touristik sei gefragt, eine zukunftsfähige Tourismusstrategie auszuarbeiten. 

Anfang November hat die CDU-Fraktion im Erfurter Landtag zudem beantragt, die Auswirkungen auf Burg Hanstein im Kulturausschuss zu beraten. Bereits im Mai 2015 hatten sich der Eichsfelder Landrat Dr. Werner Henning, die Leiterin der Bauaufsicht des Eichsfeldkreises und ein Mitarbeiter des Thüringer Landesverwaltungsamtes mit dem damaligen Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke getroffen, um eine Stellungnahme zum Regionalplanentwurf Nordhessen persönlich abzugeben und zu erläutern. 

RP-Sprecher Michael Conrad bestätigt, dass der Genehmigungsantrag vorliegt. Derzeit würde Eno Energy die Antragsunterlagen – aktuell für den Bau eines Windrads – vervollständigen. Keine Aussage traf Conrad dazu, ob und wann weitere Anlagen beantragt werden sollen. Er fügt hinzu: „Die denkmalschutzrechtlichen Bedenken im Hinblick auf Burg Hanstein sind hier bekannt und werden intensiv geprüft.“

Den Vorwurf aus den thüringischen Dörfern in der Nähe, man sei bei der Überarbeitung des Regionalplans im Jahr 2015 nicht frühzeitig über die Ausweisung von Windvorrangflächen informiert worden, weist Conrad zurück. Ansprechpartner des RP Kassel sei dazu die Planungsgemeinschaft Nordthüringen, die man rechtzeitig eingebunden habe und die für die Information der Bevölkerung zuständig sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.