„Wir fühlen uns missbraucht“

Sondergebiet Logistik: BUND wirft Hessischer Landgesellschaft bewusste Täuschung vor

Der Beginn der landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem Acker in Neu-Eichenberg sorgte am 17. Februar für einen Eklat.
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Der Beginn der landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem Acker in Neu-Eichenberg sorgte am 17. Februar für einen Eklat.

Aktuell ist es ruhig auf dem geplanten Sondergebiet Logistik in Neu-Eichenberg. Der Eklat am 17. Februar (HNA berichtete) sorgt jedoch weiterhin für Unmut.

Damals stellten sich Ackerbesetzer fahrenden, die Fläche mulchenden Traktoren in den Weg. Der BUND-Ortsverband Witzenhausen/Neu-Eichenberg fühlt sich von der Hessischen Landgesellschaft (HLG) hintergangen.

Was ist geschehen? Wie Nicole Zeuner und Matthias Schmidt vom BUND-Ortsverband ausführen, haben sich die Umweltschützer bei der HLG stets dafür eingesetzt, dass der Artenschutz auf dem Acker beachtet wird. Dazu haben beide am 27. Januar ein Gespräch mit HLG-Geschäftsführer Dr. Gerald Kunzelmann geführt. Zu Ende des Gesprächs habe Kunzelmann ihnen angeboten, dass Artenschutzfenster auf dem Areal entstehen, dafür sollte der BUND dafür sorgen, dass die Ackerbesetzer die Landwirte nicht bei der Arbeit behindern. Beide Seiten hätten den Vorschlag erst absprechen wollen, der BUND mit dem Landesverband, Kunzelmann mit Neu-Eichenbergs Bürgermeister Jens Wilhelm, sagen Zeuner und Schmidt.

Am 4. Februar sandte der BUND-Ortsverband einen Brief an Kunzelmann, in dem ausgeführt wird, dass man den Vorschlag nicht mittrage. Am 17. Februar hätten die Landwirte dann ein nicht unterzeichnetes Schreiben von der HLG (liegt der HNA vor) erhalten, in dem eine mündliche Absprache über die am 27. Januar angesprochene Abmachung verzeichnet war, sagen Zeuner und Schmidt. Schmidt sendete am 17. Februar ein schriftliches Begehren an die HLG, dies zu unterlassen.

Die zwei Umweltschützer werfen Kunzelmann nun vor, den BUND-Brief vom 4. Februar ignoriert und wissentlich eine Falschinformation an die Landwirte gegeben zu haben. Zudem werfen sie Kunzelmann vor, das Treffen nur geführt zu haben, um das Schreiben für die Landwirte zu fingieren. Zeuner sagt dazu: „Wir fühlen uns missbraucht.“ Kunzelmann habe den BUND benutzt, um die Landwirte in Sicherheit zu wiegen. „Das alles mit dem Ziel, den Artenschutz unterzupflügen.“

Zu den Vorwürfen von Zeuner und Schmidt erklärt Kunzelmann, dass er aufgrund des laufenden Verfahrens dazu keine Antworten gebe.

Indes gab es Mitte März Gespräche zwischen einigen Besetzern und den Landwirten, bei denen auch die Bürgerinitiative für ein lebenswertes Neu-Eichenberg zugegen war. Wie einer Pressemitteilung der Ackerbesetzer zu entnehmen ist, haben sich die beiden Parteien darauf geeinigt, dass um das Camp der Ackerbesetzer ein 30 Meter breiter Streifen frei bleibt, der von den Camp-Bewohnern zum Gemüse-Anbau genutzt wird. Dahinter soll auf einem 45 Meter breiten Streifen Nutzhanf angebaut werden, der von einem Blühstreifen umrandet wird.

Auf diesem Areal soll kein chemisches Pflanzenschutzmittel und nur organischer Dünger verwendet werden.

Bereits vorher hatte die Untere Naturschutzbehörde festgelegt, dass auf dem Acker neben der normalen Bewirtschaftung Lerchenfenster und Blühstreifen erhalten bleiben beziehungsweise angelegt werden sollen. Zudem sollen die Landwirte keine Insektizide und möglichst wenig Herbizide und Fungizide verwenden.

Nicht beteiligt am Gespräch war die HLG. Laut Kunzelmann habe dafür keine Veranlassung bestanden, da die Landwirte die Verfügungsgewalt über den Acker haben und ihnen freisteht, welche Sommerkulturen sie anbauen. 

Domäne wird weiter vermarktet

Noch läuft das Moratorium in der Gemeinde Neu-Eichenberg, während dem das Sondergebiet Logistik nicht vermarktet werden soll. Vielmehr soll nach alternativen Nutzungsmöglichkeiten für das Areal gesucht werden (HNA berichtete). In einigen der Vorschläge für eine alternative Nutzung wird auch das Domänengebäude mit einbezogen. Trotzdem wird es weiter durch die Hessische Landgesellschaft (HLG) angeboten. Auf eine Anfrage unserer Zeitung, ob auch hier ein Stopp herrsche, antwortete HLG-Geschäftsführer Dr. Gerald Kunzelmann: „Nein, die Ausbietung der Hofstelle der Domäne läuft getrennt von der Vermarktung des Sondergebietes.“

Von Nicole Demmer

Im Februar eskalierte die Situation auf dem Acker: Nachdem Landwirte damit begonnen hatten, das Areal zu mulchen, stellten sich ihnen Ackerbesetzer entgegen. 

Zuvor hatten Gemeindevertreter in Neu-Eichenberg beschlossen, das Sondergebiet Logistik vorerst nicht weiter zu planen. 

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