HLG will kein Risiko eingehen

Traktor von Sondergebiet wegen Metall-Warnung abgezogen

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Bevor überhaupt auf dem Areal etwas gesät werden könnte, müssten die hohen Gewächse gemulcht werden. Das verhinderten Gegner des geplanten Logistikgebiets am Montag. 

Neu-Eichenberg – Kurz nach 19 Uhr war am Montag alles vorbei: Der Traktor, mit dem eigentlich das geplante Sondergebiet Logistik gemulcht werden sollte, abgefahren, Vertreter der Hessischen Landgesellschaft (HLG), Polizei und Gegner des Logistikgebiets auf dem Rückweg.

Passiert ist nichts auf dem Acker. Der Grund: Eine Warnung vor Stahlschrott auf dem Gelände. „Ich kann Mensch und Maschine dadurch nicht in ein Risiko bringen“, sagt HLG-Geschäftsführer Dr. Gerald Kunzelmann dazu.

Da sich die Situation am Montag nicht klären ließ, wurde der Traktor nebst Fahrern abgezogen. HLG-Vertreter und Gegner des Logistikgebiets diskutierten bis zur Dämmerung. Nun soll laut Kunzelmann in Gesprächen ein Kompromiss gefunden werden, wie die Fläche landwirtschaftlich genutzt werden kann.

Nach Angaben von Kunzelmann hat die HLG in der vergangenen Woche ein Gutachten erstellen lassen, laut dem den geplanten Arbeiten – Mulchen und mit Weidelgras einsäen – zugestimmt wurde. Dieses wurde an die Untere Naturschutzbehörde weitergegeben.

Mit Bezug auf dieses Gutachten schreibt Wolfram Brauneis, Kreisbeauftragter für Vogelschutz, indes, „dass eine jetzige Veränderung, auf und innerhalb der Fläche durch Mahd oder Umbrechen, der Artenvielfalt Nachteile, ja Schaden, zufügen würde.“ Betroffen wären unter anderem Insekten sowie Klein-, Groß- und Raubvögel. Brauneis rät, Dreiviertel der „Staudenflora“ auf der Fläche zu erhalten und den Rest als Wiese einzusäen.

Zu den Warnungen vor Stahlschrott auf dem Gelände, die laut Bürgermeister Jens Wilhelm am Montagmorgen gegen 9.30 Uhr noch nicht standen, sagt Kunzelmann, dass noch geklärt werden müsse, was getan werden kann. Die rund 80 Hektar große Fläche mit einem Metalldetektor absuchen zu lassen, sei nicht finanzierbar.

Von wem auf dem Acker Metall gefunden wurde und wer die Schilder aufgestellt hat, bleibt indes unklar. Eine Aktivistin aus dem Camp sagte dazu am Dienstag, dass sie erst an diesem Tag angereist sei und keine Informationen habe.

Die Bürgerinitiative für ein lebenswertes Neu-Eichenberg (BI) verweist auf Nachfrage allerdings an das Presseteam der Acker-Besetzer. Dieses hatte bis Redaktionsschluss Fragen zu den Metallfunden und den Schildern nicht beantwortet.

Die BI schreibt in einer Pressemitteilung, dass sie für eine ökologische Bestellung des Areals sei und es der HLG nicht um eine langfristige Nutzung gehe. „Wenn das Land Hessen oder die HLG eine Strategie für eine landwirtschaftliche Nutzung ausgearbeitet haben, können sie uns schriftlich informieren oder zum Gespräch einladen. Doch morgens auf den Acker zu kommen und mittags Fakten schaffen zu wollen, das geht für uns nicht“, wird Caroline Benzinger in der Mitteilung zitiert. Und BI-Mitglied Anja Banzhaf sagt mit Bezug auf Bürgermeister Jens Wilhelm, dass noch nicht abzusehen sei, wann eine Entscheidung zum Gebiet falle. „Wir werden erst dann eine Bewirtschaftung der Fläche zulassen, wenn uns zugesichert wird, dass diese langfristig angelegt ist und die Gemeinde aus den Logistikplänen aussteigt.“

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