Vier sind jetzt fraktionslos

Je zwei Gemeindevorstände und -vertreter nicht mehr für CDU im Neu-Eichenberger Parlament

Nur noch für einige Monate ist Achim Albrecht-Vogelsang Vertreter von Bürgermeister Jens Wilhelm in Neu-Eichenbergs Gemeindeverwaltung.
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Nur noch für einige Monate ist Achim Albrecht-Vogelsang Vertreter von Bürgermeister Jens Wilhelm in Neu-Eichenbergs Gemeindeverwaltung.

Zank in der Neu-Eichenberger CDU: Vier Parlamentarier haben jetzt die Fraktion in der Gemeindevertretersitzung verlassen - darunter der Erste Beigeordnete Achim Albrecht-Vogelsang.

Neu-Eichenberg – In der Neu-Eichenberger CDU kriselt es. Nach der Jahreshauptversammlung des Ortsverbands am 2. Dezember (HNA berichtete) sind die Fraktionsvorsitzende Janine Wittenberg, der Gemeindevertreter Herbert Albrecht-Vogelsang und die beiden Gemeindevorstände Achim Albrecht-Vogelsang und Steffen Kohlmeier aus der Fraktion ausgetreten. Mit Klaus Hildebrand und Friedrich Schäfer verbleiben damit noch zwei Mitglieder in der CDU-Fraktion.

Achim Albrecht-Vogelsang

Was ist passiert? Kohlmeier berichtet, dass es im September eine Mitgliederversammlung der CDU gab, zu der er als einziges Parteimitglied – die drei anderen waren ohne Mitgliedschaft auf der CDU-Liste zur Kommunalwahl 2016 – eingeladen war. Während der Versammlung sei über eine Liste für die kommende Kommunalwahl 2021 zur Gemeindevertreterversammlung abgestimmt worden – auf der Achim Albrecht-Vogelsang nicht verzeichnet war. Kohlmeier erklärt, er habe nach dem Grund gefragt und wurde vom damaligen Vorstand damit beschieden, dass Achim Albrecht-Vogelsang kein Parteimitglied sei. Daraufhin habe er entgegnet, so Kohlmeier, dass Achim Albrecht-Vogelsang dies ändern wolle und schlug vor, ihn auf die Liste zu nehmen – was dann von einer Mehrheit der Versammlungsteilnehmer positiv in geheimer Wahl abgestimmt wurde. Daraufhin habe Michael Rost von seinem Posten als Neu-Eichenberger CDU-Vorsitzender zurücktreten wollen.

Steffen Kohlmeier

Am 2. November stellte Achim Albrecht-Vogelsang seinen Antrag auf Mitgliedschaft in der CDU. „Der Druck wurde zu groß“, sagt der aktuell noch Erste Beigeordnete der Gemeinde. Er habe gehofft, dass er zur Jahreshauptversammlung am 2. Dezember eingeladen werde, dem sei aber nicht so gewesen.

Laut Kohlmeier, der an der Sitzung nicht teilnehmen konnte, stand wieder die Wahlliste auf der Tagesordnung. Diesmal ohne Achim Albrecht-Vogelsang, die Liste wurde von der Versammlung angenommen. Im Gegensatz zum Mitgliedsantrag, den der Vorstand einstimmig ablehnte: Achim Albrecht-Vogelsang berichtet, dies habe ihm der Kreisvorstand schriftlich mitgeteilt, woraufhin er seinen Mitgliedsantrag zurückgezogen habe.

Herbert Albrecht-Vogelsang

Kohlmeier sagt: Für ihn sei das der Grund gewesen, am Wochenende seine Parteimitgliedschaft niederzulegen. „Ich kann das nicht mehr mittragen“, erklärt der Gemeindevorstand, der für die kommende Legislaturperiode nicht mehr angetreten wäre.

Janine Wittenberg

Im Gegensatz zu Herbert-Albrecht-Vogelsang. „Aber wenn ich nicht auf der Liste bin, weil ich nicht in der CDU bin, war es das.“ Und weiter: „Ich bin sehr enttäuscht. Wir müssen nun schauen, dass wir das letzte Vierteljahr noch gut für die Gemeinde rumkriegen.“ Auch Wittenberg will als Fraktionslose weiter im Parlament mitarbeiten.

„Die CDU Neu-Eichenberg vollzieht einen Generationswechsel, kein einfacher Prozess für alle Beteiligten“, teilt der neue Vorstand auf HNA-Nachfrage in einer Pressemitteilung mit.

Bedingt durch Corona hätten Veranstaltungen ausfallen müssen, es habe in diesem Jahr lediglich zwei Mitgliederversammlungen gegeben. „Aufgrund der empfohlenen Kontaktbeschränkungen waren dieses Mal ausschließlich Mitglieder geladen, um die Teilnehmerzahl zu reduzieren. Mit 98 Prozent aller abgegebenen Stimmen waren die anwesenden Mitglieder für den Generationswechsel im Vorstand und auch für den Generationswechsel auf der CDU-Liste für die Kommunalwahl 2021“, heißt es in der Mitteilung.

Nach 20 Jahren habe die CDU wieder ein junges Team, das in das Gemeindeparlament einziehen möchte. Seit der Gründung des CDU-Gemeindeverbands Neu-Eichenberg im Jahr 1975 hätten alle Bürger der Gemeinde die Möglichkeit, sich auf der CDU-Liste als Kandidat für die Kommunalwahl aufstellen zu lassen. „Dazu muss man nicht Mitglied in der CDU sein.“ Wie vor 20 Jahren hätten auch bei der diesjährigen Listenaufstellung junge Leute den Vorrang erhalten und die erfahrenen Kandidaten befänden sich auf den hinteren Plätzen.

Den nun fraktionslosen Gemeindevertretern und -vorstandsmitgliedern wünsche der CDU-Vorstand viel Erfolg und danke für die geleistete Arbeit. Sie respektieren ihre Entscheidung. „Auch dies ist ein Zeichen dafür, dass von der neuen CDU ein anderer Kurs zu erwarten ist. Es wird deutlich, dass neue Wege beschritten werden.“

Auf die Fragen der HNA, warum Michael Rost nach seiner Rückzugsankündigung doch wieder einen Vorstandsposten eingenommen hat, warum erneut über eine Liste abgestimmt wurde, wer die Fraktion nun führt und wie die verbliebenen Mitglieder zum Rückzug stehen, gab es keine Antwort. (nde)

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