„Ein Produkt der Industrie“

Wirtschaftsförderer und Neu-Eichenbergs Bürgermeister besichtigen Logistikzentrum

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Besuch in einer der Logistikhallen: Holger Idzikowski (von links) und Oliver Eckardt von Zufall mit Bürgermeister Jens Wilhelm, Dr. Lars Kleeberg und WFG-Praktikant Ingmar Weber. 

Neu-Eichenberg/Göttingen – 14 Meter hoch sind die Hallen des Logistikers Distribo in Göttingen – ein gemeinsames Unternehmen des Medizintechnikherstellers Sartorius und des Logistikers Zufall. 14 Meter – so hoch sollen laut dem noch abzustimmenden geänderten Bebauungsplan auch die Hallen auf dem geplanten Sondergebiet Logistik in Neu-Eichenberg werden.

Um sich vor Ort ein Bild zu machen, wie ein Logistikzentrum in der Praxis funktioniert, besuchte Bürgermeister Jens Wilhelm mit Dr. Lars Kleeberg und Finja Mieth von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) am Dienstag Distribo.

Auf einer Gesamtfläche von rund 55 000 Quadratmetern wurde 2014 am Stadtrand das rund 25 000 Quadratmeter große Logistikzentrum gebaut. Es hat 36 600 Palettenstellplätze. Hier werden täglich rund 1300 Aufträge abgewickelt, erklärte Zufall-Geschäftsstellenleiter Holger Idzikowski. 2017 kam ein Hallenanbau, eine Ausgleichsfläche mit See entstand. Kleeberg regte an, dass die Logistikbranche noch mehr für Nachhaltigkeit tun könne. Etwa mit Photovoltaikanlagen an den Gebäuden oder der Erzeugung von Bio-Energie, die günstig an die anliegenden Orte abgegeben wird.

Auch Distribo habe für die Bau-Pläne Gegenwind erhalten, so Idzikowski. Allerdings nicht so massiv wie in Neu-Eichenberg, was damit zusammenhänge, dass Sartorius ein anerkannter Arbeitgeber in Göttingen sei. Die Wirtschaft wachse – bevor ein Produktionsbetrieb nun seinen Standort auf eine größere Fläche verlege, lagere er lieber die Logistik aus, die dann termingerecht benötigte Fertigungsteile an die Produktion liefere. „Ohne uns geht es nicht“, so Idzikowski. Jede Ware, zum Beispiel Kaffee, werde irgendwo gelagert und auf Bedarf an den Händler oder Produzenten geliefert. „Logistik ist ein Produkt der Industrie“, kommentierte Kleeberg, der eine mögliche Logistikansiedlung in Neu-Eichenberg auch als „Ausgleichsmaßnahme“ für die drohende Schließung der J.-D.-Norman-Niederlassung in Witzenhausen sieht.

Und der Verkehr? Der habe sich im Vergleich zur ersten, 5000 Quadratmeter großen Halle in der Stadt nicht verändert, so Idzikowski. Ein Lkw könne mit drei oder 30 Paletten fahren. Zudem seien es früher 7,5-Tonner gewesen, heute 12-Tonner. Mit 25 pro Tag beziffert er die Zahl. Dazu habe das Unternehmen sich selbst verpflichtet, Lastwagenverkehr in der Regel nur von 7 bis 19 Uhr werktags durchzuführen. Würde das Lkw-Aufkommen statt auf der Stichstraße in Göttingen auch auf der Durchfahrtsstraße in Hebenshausen funktionieren? Das kann Idzikowski nicht genau sagen. Wie viele Laster fahren, sei auch davon abhängig, was der Logistiker lagere.

102 Mitarbeiter gibt es bei Distribo. Davon jeweils die Hälfte im gewerblichen und kaufmännischen Bereich. Zwar gebe es auch heute noch geringqualifizierte Mitarbeiter, so Idzikowski. Es sei aber nicht mehr wie früher, wo diese von der Produktion in die Logistik eines Unternehmens geschickt wurden. Vielmehr habe auch Distribo aufgrund des Fachkräftemangels Probleme, qualifiziertes Personal zu finden.

„Wir alle benötigen Logistik, aber keiner will sie bei sich haben“, sagte Jens Wilhelm während der Diskussion. Und die Logistikbranche sucht Flächen. „Wobei die Werbung für Neu-Eichenberg aktuell nicht so gut ist“, so Frank Ebert von Zufall. 

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