CDU und Grüne wollen angrenzendem Bauernhof nicht Existenzgrundlage entziehen

Ausweisung neuer Bauplätze in Eichenberg-Dorf sorgt für Ärger

+
Streitpunkt: Am Heideweg in Eichenberg-Dorf sollen neue Bauplätze ausgewiesen werden. Dadurch sehen Teile der Gemeindevertretung die Existenzgrundlage des außerhalb der Wohnsiedlung gelegenen Aussiedlerhofes gefährdet.

Nach dem Streit um das Sondergebiet Logistik, der die Menschen inzwischen seit einer Ewigkeit spaltet, droht in der Gemeinde nun neuer Ärger. 

Derzeit besteht die Bebauung am Heideweg lediglich aus fünf Wohnhäusern. Dahinter geht die Straße in einen Feldweg über, an dem in einiger Entfernung ein Aussiedlerhof liegt, der vom Eigentümer an die Universität Kassel verpachtet ist und von dieser als Versuchsbetrieb genutzt wird. 

Geplant ist nun, die zwischen den Wohnhäusern und dem Aussiedlerhof liegende und rund 0,7 Hektar große Fläche mit einem Bebauungsplan neu aufzustellen, um dort drei Antragstellern das Bauen von weiteren Wohnhäusern zu ermöglichen.

Unabhängiges Gutachten 

„Wir haben ein unabhängiges Gutachten erstellen lassen, und demnach ist eine Wohnbebauung auf der betreffenden Fläche möglich“, sagte der mit der Planung befasste Ingenieur Christoph Henke am Montag während der gut besuchten Gemeindevertretersitzung in Hebenshausen.

Um die Existenz des benachbarten landwirtschaftlichen Betriebes für den Fall, dass dieser in Zukunft wieder vom Eigentümer selbst oder einem möglichen neuen Besitzer als solcher genutzt wird, nicht zu gefährden, schlug Henke vor, das Areal als Mischgebiet zu entwickeln. In einem solchen Mischgebiet ist sowohl Wohnen als auch das Unterbringen von Gewerbebetrieben möglich, die laut Bauplanungsrecht „das Wohnen nicht wesentlich stören“.

Hier liegen die Probleme 

Und genau da sehen Teile des Gemeindeparlaments große Probleme. „Was passiert denn, wenn in dem landwirtschaftlichen Betrieb irgendwann doch wieder Tierhaltung betrieben werden soll“, fragte der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans-Heinrich Schröter. Zwar sei dies auf dem Anfang der 1980er-Jahre gebauten Aussiedlerhof in den vergangenen 29 Jahren nicht mehr der Fall gewesen. 

„Aber man weiß ja nie, wie es sich dort entwickelt. Und es wäre doch ungerecht, wenn man dem Eigentümer die Möglichkeit der Tierhaltung einfach so verbauen würde“, so Schröter, der auch vor einem eventuell möglichen Rechtsstreit mit dem Hofbesitzer warnte.

Dieses Argument lässt die SPD nicht gelten 

Ein Argument, das die SPD so nicht gelten lassen wollte. „Wir können mögliches Bauland nicht auf ewig freihalten nur für den Fall, dass in ferner Zukunft dort vielleicht einmal wieder Tiere gehalten werden könnten“, sagte Sven Schreivogel. 

Gerade unter den angespannten Umständen, in denen sich die Gemeinde aktuell befinde, sollte man Bauflächen dort nutzen, wo es möglich sei. Aus diesem Grund sei die SPD auch für die Änderung des Bebauungsplanes.

„Auch wir sind grundsätzlich für Wohnbebauung, aber wir wollen einem Landwirt auch keinesfalls die Existenzgrundlage entziehen“, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Biehler. Sie schlug deshalb vor, die drei Antragsteller sowie den Eigentümer des Aussiedlerhofes einzuladen und sich deren Pläne und Bedenken vorstellen zu lassen.

Dafür wurde der Tagesordnungspunkt einstimmig in den Bauausschuss verwiesen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.