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Nach langjähriger Recherche hat der Heimatgeschichtsverein Hebenshausen eine vergessene Stätte entdeckt

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Von: Per Schröter

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Spannend: Unterhalb des Fundortes zeigte Lars Klein (rechts) Landrätin Nicole Rathgeber (links am Tisch) und den Mitgliedern des Vereins Heimatgeschichte Hebenshausen Tonscherben und Dachziegelstücke der ehemaligen Bremeroder Kirche.
Spannend: Unterhalb des Fundortes zeigte Lars Klein (rechts) Landrätin Nicole Rathgeber (links am Tisch) und den Mitgliedern des Vereins Heimatgeschichte Hebenshausen Tonscherben und Dachziegelstücke der ehemaligen Bremeroder Kirche. © Per Schröter

Der Heimatgeschichtsverein Hebenshausen hat die Wüstung Bremerode wiederentdeckt.

Hebenshausen – Riesenfreude herrscht derzeit bei den Mitgliedern des Vereins Heimatgeschichte Hebenshausen. Nach langjähriger Recherche und mehreren Felduntersuchungen hat der Verein die Kirche der 1327 erstmals erwähnten und vermutlich im 15. Jahrhundert aufgegebenen Wüstung Bremerode wiederentdeckt.

„Das ist ein Erfolg, der uns als Heimatgeschichtler nicht nur wahnsinnig freut, sondern der uns auch ein bisschen stolz macht“, meinte der Vereinsvorsitzende Lars Klein am Dienstag bei der Präsentation der Forschungsergebnisse. Anstoß für die Recherche seien alte Karten, Flurnamen und die 1931 vom Lehrer Jacob Freund aus Berge veröffentlichte Sage um das „Teufelsbad“ gewesen. In dieser Sage berichtet Freund vom gottlosen Lebensstil der Bewohner Bremerodes und von der Vertreibung des Pfarrers. Im Wirtshaus der Siedlung hätten die Bewohner regelmäßig gezecht und die Kirche habe kaum noch jemand besucht. Ein schweres Unwetter soll die Kirche und den Ort daraufhin vernichtet haben.

„Weil in alten Flurkarten Hebenshausens ein Bereich mit dem Flurnamen ´bey der alten Kirche‘ bezeichnet ist, begannen wir dort 2014 mit ersten Felduntersuchungen, um die Lage von Bremerode und seiner Kirche zu lokalisieren“, berichtete Lars Klein. Auf allen Vieren habe man das Gelände abgesucht, jedoch ergebnislos. Zwei Jahre später habe man dann aber an einem Hügel unweit des Parkplatzes „Gelber Grund“ an der Bundesstraße 80 kleine Tonscherben und Dachziegelstücke gefunden. „Der zuständige Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel und der Ahnenforscher Thomas Blumenstein datierten und bestimmten die Fundstücke am vermuteten Standort“, berichtete Klein.

Da eine Grabung teuer und zeitaufwendig ist und sich das Gelände zudem in einem Naturschutzgebiet befindet, entschloss man sich für die genaue Standortbestimmung der Kirche für die Anwendung der „geophysikalische Prospektion“. Mithilfe eines Bodenradars wird dabei der nahe Untergrund mittels hochfrequenter elektromagnetischer Wellen abgetastet. „Aber auch für diese zerstörungsfreie Methode waren vorher die Zustimmung der Grundstückseigentümer, der unteren und oberen Naturschutzbehörde sowie des Landesamtes für Denkmalpflege einzuholen“, berichtete Lars Klein.

Diese Zustimmungen hätten Anfang 2020 vorgelegen. Für die finanzielle Unterstützung konnte der Heimatverein die Sparkassenstiftung gewinnen, die sich mit 3000 Euro an der Maßnahme beteiligte. Die Ergebnisse der Prospektion, die am 8. März vergangenen Jahres stattfand, brachte dann das erhoffte Ergebnis.

„Die Kirche und der zugehörige Kirchhof wurden klar lokalisiert“, sagte Klein. Zwar seien von dem Ensemble wohl nur noch wenige Überrest vorhanden, doch könne der Kirchengrundriss mit etwa 9,40 Meter Länge und etwa 6,30 Meter Breite angegeben werden. Anschließend habe man das Gelände noch gründlich mit Metalldetektoren abgesucht, dabei aber nichts gefunden. „Das ist ein tolles Projekt und ein sehr beeindruckendes Ergebnis“, lobte Landrätin Nicole Rathgeber.

Der Dank von Lars Klein ging an die Sparkassenstiftung, „die durch ihre großzügige Unterstützung diese kostspielige Untersuchungsmethode überhaupt erst ermöglicht hat“, sowie an alle freiwilligen Helfer, „die mit dazu beigetragen haben, ein Stück Heimat- und Kulturgeschichte von Hebenshausen zu bewahren“. (per)

Dieses Ultraschallbild zeigt die Umrisse der Kirche und des Kirchhofes.
Dieses Ultraschallbild zeigt die Umrisse der Kirche und des Kirchhofes. © Per Schröter
An dieser Stelle hat einmal die Kirche der Wüstung Bremerode gestanden.
An dieser Stelle hat einmal die Kirche der Wüstung Bremerode gestanden. © Per Schröter

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